
Nach einem Rettungseinsatz am Freitagmorgen kämpfte eine Frau stundenlang auf der SEA-EYE 4 um ihr Leben. Unsere Einsatzleitung hatte die italienische Seenotleitstelle mehrfach um eine dringend notwendige medizinische Evakuierung gebeten. Italien verwies jedoch jedes Mal auf die libysche Seenotleitstelle und den telemedizinischen Dienst Italiens.
Die libysche Seenotleitstelle antwortete auf den Hilfegesuch auch nach Stunden nicht. Der kontaktierte telemedizinische Dienst Italiens hingegen kam zu der Einschätzung, dass eine medizinische Evakuierung notwendig sei. Die italienische Rettungsleitstelle in Rom lehnte jedoch weiterhin jede Verantwortung ab und verwies erneut auf Libyen.
Gegen 20 Uhr am Freitagabend wies Italien die SEA-EYE 4 schließlich an, selbst nach Lampedusa zu fahren, um dort die medizinischen Evakuierungen durchzuführen. Anstatt einen Helikopter zu schicken, der in unter einer Stunde die Patientin erreicht hätte, schickte Italien die Überlebende auf eine achtstündige Überfahrt. Gegen 4 Uhr früh konnte die schwangere Frau schließlich an die italienische Küstenwache übergeben werden.
Bei dem vorausgegangenen Rettungseinsatz hatte die sogenannte libysche Küstenwache die flüchtenden Menschen so in Panik versetzt, dass sie versucht hatten, vor der Miliz zu fliehen. Bei diesem Fluchtversuch fielen mehrere Menschen ins Wasser und werden seitdem vermisst. Im Schlauchboot selbst musste die Crew später vier Leichen entdecken. Wir haben die Ereignisse auf unserer Website zusammengefasst.
Herzliche Grüße
Ihr Gorden Isler
- Vorsitzender von Sea-Eye e. V.