Liebe Freund*innen von Sea-Eye,
wir haben gute Nachrichten – und das gleich im Doppelpack: Die SEA-EYE 4 konnte am Wochenende alle 51 geretteten Menschen sicher an Land bringen. Im Hafen erwartete uns jedoch auch ein erneuter Versuch der italienischen Behörden, unser Schiff festzusetzen: Diesen konnten wir dank hervorragender Vorarbeit abwenden!
Engagiert und menschlich – so empfingen am Freitag über 100 örtliche Rettungskräfte und zahlreiche Krankenwagen unsere Gäste im Hafen von Brindisi, wofür wir sehr dankbar waren. Denn knapp zwei Tage lang mussten wir auf Anweisung von Italien durch das Mittelmeer fahren, um die Geretteten in Sicherheit zu bringen. Umso erleichterter waren wir nun, sie endlich in Sicherheit und durch die örtlichen Einsatzkräfte gut versorgt zu wissen.
Doch die Freude hielt nur kurz: Denn noch am selben Abend kündigte der Hafenmeister von Brindisi eine Hafenstaatkontrolle durch die italienische Küstenwache an. In den vergangenen Jahren führten solche Überprüfungen immer wieder zu Festsetzungen von Seenotrettungsschiffen.
Direkt am Samstagmorgen gegen 9 Uhr betraten zwei Inspekteure der italienischen Küstenwache das Schiff. Uns stand eine unvergleichbar intensive Kontrolle bevor. Die Besatzung musste mehrere Übungen vorführen. Dazu gehörten u.a. das Verlassen des Schiffs im akuten Notfall und Feuerbekämpfungstrainings. Überprüft wurden außerdem:
- die technische und nautische Ausrüstung
- die Schiffszertifikate
- die Arbeitsverträge der Crew
- die Mannschaftsquartiere
- die Unterkünfte für die Überlebenden
- das Bordhospital und der Maschinenraum
Hochkonzentriert beantwortete unsere Crew alle Fragen, legte Dokumente vor, kam allen Anweisungen nach – und das ganze neun Stunden (!) lang.
Dann erreichten uns die entlastenden News: All unsere technischen Arbeiten in der Werft, all unsere Einsatztrainings, all die logistischen und rechtlichen Vorbereitungen haben sich gelohnt! Die Inspekteure fanden in dieser außergewöhnlich intensiven Kontrolle keine Gründe für eine Festsetzung des Schiffes. Die italienische Küstenwache bestätigt uns damit: Unser Schiff agiert im Einklang mit internationalen Vorschriften! Wir sind stolz auf unsere Crew und auf unsere nautisch-technische Abteilung.
Dann ließen wir uns nicht länger aufhalten! Mit den guten News an Bord machten wir uns am Sonntag direkt wieder auf den Weg ins Einsatzgebiet. Wir freuen uns, nun offiziell verkünden zu können: Die SEA-EYE 4 bleibt frei – und nutzt dies, um sofort wieder Leben zu retten!
Herzliche Grüße
Ihr Gorden Isler
- Vorsitzender von Sea-Eye e. V.
