
Liebe UnterstützerInnen,
zu Ihrer Information veröffentliche ich an dieser Stelle gerne einen Beitrag von Fee Strieffler und Wolfgang Jung.
Mit liebem Gruß
Ursula Mathern
Warum soll der so genannte "Raketenabwehrschild der USA und der Nato für Europa" durch einen "European Sky Shield" ergänzt werden?
Von Fee Strieffler und Wolfgang Jung, 11.11.22
Erst hat man uns jahrelang weismachen wollen, der Raketenabwehrschild der USA und der Nato solle Europa vor iranischen Raketen schützen, bis man schließlich zugeben musste, dass er von Anfang an gegen Russland gerichtet war (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP14117_010917.pdf und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP15916_211116.pdf Was soll dann noch der "European Sky Shield", den Bundeskanzler Scholz errichten will? (s. https://augengeradeaus.net/2022/10/european-sky-shield-mehr-als-das-dach-ueber-europa/ )
Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir zunächst einen Blick auf die Vorgeschichte werfen.
Mit dem so genanten "NATO-Doppelbeschluss" (s. https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Doppelbeschluss ) und der Aufstellung atomwaffenfähiger US-amerikanischer Mittelstreckenraketen in Westeuropa erreichten sowohl der Kalte Kriege als auch der Widerstand der weltweiten Friedensbewegung dagegen in den 1980er Jahren gleichzeitig einen Höhepunkt.
Auch wegen des globalen friedlichen Widerstandes gegen die wachsende Atomkriegsgefahr unterzeichneten US-Präsident Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, am 8. Dezember 1987 in Washington den Intermediate Range Nuclear Forces Treaty (INF-Vertrag, s. https://de.wikipedia.org/wiki/INF-Vertrag ), mit dem der Abzug und die Verschrottung aller landgestützten Kurz- und Mittelstreckenraketen – der US-amerikanischen Cruise Missiles und Pershing 2 und der sowjetischen SS-20 – mit einer Reichweite von 500 bis 5.000 km aus Europa vereinbart wurde. Der Vertrag trat am 1. Juni1988 mit unbegrenzter Dauer in Kraft (s. dazu unbedingt auch https://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP08819_090819.pdf ) und alle landgestützten Mittelstreckenraketen wurden tatsächlich vertragsgemäß aus West- und Osteuropa abgezogen.
Doch schon die US-Regierungen unter Bill Clinton und George W. Bush haben Vorbereitungen für die Stationierung neuer US-Raketen in Europa getroffen (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP23408_281108.pdf ). Unter Barack Obama wurde dann der in vier Phasen gegliederte neue US-Raketenabwehrschild, der European Phased Adaptive Approach (EPAA), umgesetzt, der auch die Stationierung, landgestützter atomwaffenfähiger Cruise Missiles in Europa beinhaltete. Deshalb war es nur konsequent, dass Donald Trump am 20. Oktober 2018 den INF-Vertrag gekündigt hat. (s. dazu unbedingt auch auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP14118_261018.pdf und https://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP08819_090819.pdf ) – mit der unzutreffenden BeHauptung, Russland habe mit der Entwicklung neuer Marschflugkörper des Typs SSC-8 (s. https://www.atomwaffena-z.info/glossar/s/s-texte/artikel/79ae17d12bc2ac3e2768cc0fd0d6bc25/ssc-8-marschflugkoerper.html ) zuerst gegen den INF-Vertrag verstoßen.
Theodore A. Postol, ein renommierter Physiker und Atomwissenschaftler aus den USA, hat nämlich nachgewiesen, dass die USA mit der Stationierung des atomwaffenfähigen Aegis-Systems in Rumänien und Polen schon vor Russland diesen Vertrag gebrochen haben.
In der unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP03319_180319.pdf verlinkten LUFTPOST 033/19 ist nachzulesen, was Postol dazu gesagt hat: "Die Aegis-Systeme in Osteuropa haben aber Eigenschaften, die sie besonders bedrohlich für Russland machen. Die in die Abschusscontainer der landgestützten Aegis-Systeme in Polen (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP06416_230516.pdf und https://www.anti-spiegel.ru/2022/atomwaffenfaehige-us-raketenbasis-in-polen-fertiggestellt/ ) und Rumänien (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP00416_080116.pdf und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP06216_170516.pdf ) eingebauten mechanischen und elektronischen Komponenten sind identisch mit denen in den Abschusscontainern, die auf US-Kriegsschiffen installiert sind. Und die wurden von Anfang an so konstruiert, dass sie sowohl Abfangraketen als auch Marschflugkörper (des Typs Tomahawk. s. unter https://de.wikipedia.org/wiki/Marschflugk%C3%B6rper ) abfeuern können.
Russland muss also jederzeit mit einem Überfall mit konventionell oder atomar bestückten Marschflugkörpern rechnen, der ihm kaum Vorwarnzeit ließe und vor der Kündigung des INF-Vertrages nicht möglich war."
Auch aus der unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP13519_271119.pdf aufzurufenden LUFTPOST 135/19 geht hervor, dass der so genannte "Raketenabwehrschild" eigentlich nicht errichtet wurde, um Europa vor russischen Atomraketen zu schützen, sondern wegen der auch offensiv zu nutzenden Aegis-Systeme primär ein Instrument für einen atomaren Erstschlag der USA gegen Russland ist.
Mit der geplanten Stationierung der neuen Hyperschall-Rakete Dark Eagle in der Bundesrepublik Deutschland (s. https://asiatimes.com/2021/11/death-at-mach-5-germany-to-get-lethal-dark-eagle-missil und https://wiesbamden-lebt.de/dark-eagle-ueber-mainz-kastel ) wollen die USA ihre Fähigkeit zu einem atomaren Erstschlag gegen Russland sogar noch entscheidend verbessern.
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz scheint plötzlich aufgefallen zu sein, dass der "Raketenabwehrschild der USA und der Nato" in Wirklichkeit überhaupt keine russischen Atomraketen abfangen soll. Vermutlich hat er deshalb in seiner "Europarede", die er am 29. August 2022 in Prag gehalten hat, den Aufbau eines europäischen Luftverteidigungssystems angekündigt (s. https://www.bundesregierung de/breg-de/themen/europa/scholz-rede-prag-karls-uni-2079410 ).
Am 13. Oktober 2022 haben sich daraufhin in Brüssel 15 europäischer Staaten – neben der Bundesrepublik Deutschland auch Belgien, Bulgarien, Estland Finnland, Lettland, Litauen, die Niederlande, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Norwegen, die Tschechische Republik, Ungarn und Großbritannien – darauf verständigt, gemeinsam einen"European Sky Shield" zu errichten, der in den bereits existierenden "Raketenabwehrschild der USA und der Nato" integriert werden und ihn verstärken soll (s. https://www.nato.int/cps/en/natohq/news_208103.htm ).
Frankreich fühlte sich zunächst übergangen (s. https://www.derstandard.de/story/2000140131636/paris-und-berlin-spielen-eklat-nach-streit-um-luftabwehr-herunter ), wird aber wohl doch mitmachen (s. https://www.heise.de/tp/features/Scholz-und-Macron-Harte-Nuesse-zum-Arbeitsessen-7321242.html
Unter https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/sky-shield-soll-luftabwehr-der-nato-gegen-nuklear-raketen-verstaerken-18383802.html ist in der FAZ u.a. nachzulesen: "Die deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht wollte sich am Donnerstag nicht darauf festlegen, wie viel Geld Deutschland zu investieren bereit ist. Sie verwies lediglich darauf, dass man dafür Mittel aus dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro einsetzen könne. ... Deutschland beabsichtigt, Iris-T SLM (s. https://de.wikipedia.org/wiki/IRIS-T_SLM und https://www.diehl.com/defence/de/produkte/luftverteidigungssysteme/ ), neue Patriot-Lenkflugkörper (s. https://de.wikipedia.org/wiki/MIM-104_Patriot ) und Arrow-3 (s. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/arrow-3-deutschland-will-israelisches-luftabwehrsystem-kaufen-a-89e0629d-33f8-4081-ae89-bd868f9d7b91 und https://en.wikipedia.org/wiki/Arrow_3 ) anzuschaffen. Das israelische System wäre umso wirksamer, je mehr Radare und Effektoren in Europa positioniert würden. Allerdings kann Israel das System erst verkaufen, wenn die Vereinigten Staaten zustimmen, die die Entwicklung im Wesentlichen finanziert hatten. Lambrecht wollte am Rande des NATO-Verteidigungsministertreffens bei ihrem Kollegen Lloyd Austin auf eine rasche Freigabe dringen."
Es dürfte jetzt schon klar sein, dass der Löwenanteil der sicher horrenden Kosten für die einzelnen Komponenten des European Sky Shield von deutschen Steuerzahlern zu übernehmen sind, weil die anderen meist sehr kleinem und "klammen" Teilnehmerstaaten weder willens noch in der Lage sein dürften, nennenswerte Anteile den Beschaffungskosten zu übernehmen.
Die von Olaf Scholz angestoßene Initiative reiht sich nahtlos in seinen aggressiven Konfrontationskurs gegen Russland ein, den er bereits in seiner Rede bei der Bundeswehrtagung am 16. September 2022 in Berlin skizziert hat (kommentierte Fassung s. unter https://afsaneyebahar.com/2022/09/30/20693973/ ). Dieser Kurs ist auch schon in das kriegstreiberische Arbeitspapier "Das geistige Rüstzeug für die Bundeswehr in der Landes- und Bündnisverteidigung" (das nachzulesen ist unter https://www.baks.bund.de/sites/baks010/files/arbeitspapier_sicherheitspolitik_2022_9.pdf ) eingeflossen.
Was auch immer Kanzler Scholz noch einfallen mag, kein wie auch immer gearteter "Raketenabwehrschild" kann russische Hyperschall-Atomraketen mit Mehrfachsprengköpfen (s. https://www.handelsblatt.com/politik/international/hyperschall-rakete-neue-russische-rakete-soll-27-mal-so-schnell-sein-wie-der-schall/23808262.html ) aufhalten und den Untergang der Bundesrepublik Deutschland in einem vom Westen provozierten Atomkrieg verhindern (s. dazu unbedingt auch https://seniora.org/politik-wirtschaft/nuklearkrieg-mit-russland ).
Mit einer von Vernunft und Verständigungswillen geprägten Politik ließen sich die vielen Milliarden einsparen die vor allem auf Betreiben des Herrn Scholz für die beabsichtigte Aufrüstung der Bundeswehr und einen völlig nutzlosen European Sky Shield verschleudert werden sollen.
Mit dem vielen Geld könnte wenigstens ein Teil des großen finanziellen Schadens ausgeglichen werden, den die Herren Scholz, Habeck und Lindner und die Damen Baerboock und Lambrecht mit ihrer fatalen Politik in nur einem Jahr der Bevölkerung und der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland zugefügt haben.
Außerdem würden die Milliarden dringend für die Behebung der schlimmsten Mängel in der Gesundheitsfürsorge, der Pflege, im Bildungswesen und im Nahverkehr sowie für unaufschiebbare andere Infrastrukturmaßnahmen benötigt.