
Liebe UnterstützerINNEN,
ein leichter Hoffnungsschimmer ist für mich, dass nun doch in etlichen Städten Menschen auf die Straße gehen, meist im Osten der Republik, auch mit der Forderung nach Frieden!
Ansonsten empfinde ich die Lage als sehr deprimierend. Trotzdem dürfen wir nicht nachlassen.
Einen Offenen Brief habe ich vorhin an Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe, losgeschickt.
Mit liebem Gruß
Ursula Mathern
Hier mein Offener Brief:
An Herrn
Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe
info@bundeswehr.org
Offener Brief: Ihre Warnung gegenüber dem russischen Präsidenten
Sehr geehrter Herr Gerhartz,
„Putin, leg dich nicht mit uns an!“, werden Sie in der Überschrift eines Beitrags in der Bildzeitung vom 18.06.2022 zitiert.. (s. Klare Ansage vom Luftwaffen-Chef : „Putin, leg dich nicht mit uns an!“ | Politik | BILD.de)
Mag sein, dass der Ton dem Medium und seiner mutmaßlichen Leserschaft geschuldet war, zu der ich mich generell nicht zähle, weshalb ich auch jetzt erst darauf gestoßen bin. Doch hätten Sie einen solchen je gegenüber dem US-Präsidenten angeschlagen? Von der Fortsetzung des Artikels her zu schließen - eher nicht. „Bis 2030 werden die Europäer über 600 moderne Kampfjets im Ostseeraum verfügen. Dazu kommen noch die Flugzeuge der Amerikaner“, beruft das Blatt sich auf Sie und führt weiter aus: „Der General mahnt: Die Nato-Staaten müssten sich darauf vorbereiten, im Ernstfall auch Atomwaffen einsetzen zu müssen. Auf die Frage, wie die Nordallianz reagieren würde, wenn Putin Atomwaffen abwirft, sagte Gerhartz: „Für eine glaubhafte Abschreckung brauchen wir sowohl die Mittel als auch den politischen Willen, die nukleare Abschreckung nötigenfalls umzusetzen.““
Sehr geehrter Herr Gerhartz,
berührt schon dieser Ton unangenehm, so bestürzt erst Recht der Inhalt mich zutiefst. Sie erklären sich bereit, Atomwaffen auch einzusetzen.
Wissen Sie, was das bedeutet? Haben Sie sich je mit den verheerenden Auswirkungen der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki befasst, oder auch mit den Folgen des Einsatzes von DU-Munition in Ex-Jugoslawien, im Irak und Afghanistan? (s. Uranmunition, abgereichertes Uran, DU, depleted uranium,Gesundheitsrisiken, 01.05.2002 (Friedensratschlag) (ag-friedensforschung.de)
Mit gutem Grund, wie mir scheint, riefen Ex-Diplomaten und Ex-Generale am 05.12.2021 zu einem „Neuanfang im Verhältnis zu Russland auf, samt konkreten Vorschlägen. (s. AUFRUF_Raus-aus-der-Eskalationsspirale_05122021-3.pdf (johannes-varwick.de)
Leider wurden diese und andere warnende Stimmen ebenso ignoriert wie die Gesprächs- und Verhandlungsangebote von russischer Seite, insbesondere am 05.12.2021 (s. Chronik: 06. Dezember 2021– 15. Januar 2022 | bpb.de). Stattdessen wurden und werden die Spannungen kontinuierlich verschärft, während ein echtes Bemühen um Verhandlungslösungen für mich gerade seitens des Westens nicht erkennbar war und ist.
Bereits jetzt gibt es auf beiden Seiten zahllose Tote und Verletzte. Viele Menschen sind geflohen. Die Infrastruktur ist zu einem großen Teil zerstört.
Präsident Putin bekräftigte wiederholt: „Unsere Atomwaffendoktrin beinhaltet keinen präventiven Erstschlag“. Stattdessen erklärte er, dass das Konzept auf der Grundlage eines Vergeltungsschlags basiert. Das bedeutet, sie wären nur dann bereit, Atomwaffen einzusetzen, wenn sie sicher wären, dass ein Aggressor russisches Territorium tatsächlich angreift. (s. Russland | Atomwaffen A-Z)
Präsident Selenskyj kündigte auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar 2022 – mit Verweis auf das Budapester Memorandum – verklausuliert an, selbst Atomwaffen zu wollen. (s. Selenskyj: „Einer von uns lügt“ (berliner-zeitung.de) Kürzlich sorgte er mit der Forderung nach atomaren Präventivschlägen der NATO gegen Russland für sehr viel Wirbel. (Selenskyj fordert Nato-Präventivschlag auf Russland – diese Atomwaffen hat Putin parat (berliner-zeitung.de)
Die USA wollen nun bereits im Dezember, also früher als geplant, ihre Atombomben in Europa durch modernere ersetzen – auch in Deutschland. „Zugleich bestätigt die Biden-Administration in ihrer neuen... Nuklearstrategie, dass sie einen atomaren Erstschlag explizit nicht ausschließt“. (s. News - GERMAN-FOREIGN-POLICY.com)
Seit Tagen warnt Russland davor, Kiew plane, eine „schmutzige Bombe“ auf eigenem Gebiet zu zünden und die Tat Russland in die Schuhe zu schieben. (Nuklearer Angriff: Russland warnt vor „schmutziger Bombe“ (berliner-zeitung.de)
Sehr geehrter Herr Gerhartz,
wollen Sie wirklich, dass es zum Äußersten kommt? Ihrer Vita entnehme ich, dass Sie in Cochem geboren sind, also unweit von Büchel, wo 20 US-Atombomben lagern. Besonders Büchel und das nahe gelegene Ramstein werden bevorzugte gegnerische Angriffsziele sein!
Was wollen Sie Ihren Kindern dazu sagen?
Können Technikfaszination und der Wille zur Macht wirklich dermaßen stark sein und das Mitgefühl mit anderem Leben so weit ausschalten, dass an dessen Stelle die Bereitschaft tritt, es sogar großflächig und vollständig zu vernichten?
Albert Schweitzer brachte sein Selbstverständnis einmal so auf den Punkt: „Ich bin Leben, das Leben will, inmitten von Leben, das leben will“. Dem kann ich mich sehr gut anschließen. Wie sieht Ihr Selbstverständnis aus?
Noch gibt es ein Zurück!
Der frühere US-Außenminister Colin Powell, der durch seine Rede vor der UNO den Irak-Krieg mit auf den Weg gebracht hatte, bereute diese Rede im Nachherein, bezeichnete sie als Schandfleck seiner politischen Bilanz. (Powell: Schandfleck in meiner Karriere | Deutschland | DW | 09.09.2005)
Diesmal würde die Gelegenheit zur Reue für Sie wie für uns alle entfallen.
Ursula Mathern