
Liebe UnterstützerINNEN,
Annegret Kramp-Karrenbauer will für die aus Afghanistan zurück gekehrten SoldatINNEN einen Großen Zapfenstreich veranstalten, und dies auch noch am 31. August 2021, einen Tag vor dem Antikriegstag. Ich finde das völlig daneben und habe ihr einen Offenen Brief geschrieben, mit Kopie an die Bundeskanzlerin und an den Bundespräsidenten.
Schreiben Sie ebenfalls?
Mit liebem Gruß
Ursula Mathern
Hier mein Offener Brief:
An die
Verteidigungsministerin
Frau Annegret Kramp-Karrenbauer
kah@cdu.de;
info@bundeswehr.org;
in Kopie an die
Bundeskanzlerin
Frau Dr. Angela Merkel
Angela.Merkel@bundestag.de,
internetpost@bundesregierung.de;
den
Bundespräsidenten
Herrn Dr. Frank Walter Steinmeier
bundespraesidialamt@bpra.bund.de
Offener Brief: Bitte um Entschuldigung statt Großer Zapfenstreich
Sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer,
als teuersten und verlustreichsten Militäreinsatz der Bundeswehr nach dem 2. Weltkrieg bezeichnete Volker Herres im Presseclub den Afghanistan-Einsatz. (https://www1.wdr.de/daserste/presseclub/sendungen/afghanistan-einsatz-102.html 160.000 deutsche SoldatINNen waren über die Jahre dort im Einsatz, 59 von ihnen kamen ums Leben. Kosten: mehr als 12 Milliarden Euro, allein für den Einsatz der Bundeswehr.
25 % aller SoldatINNen kommen laut einer PTBS-Studie mit posttraumatischen Belastungsstörungen zurück.
9/11 wurde zum Anlass genommen. Wer gab den USA das Recht, auf diesen Anschlag aufs World Trade Center mit K r i e g zu reagieren?
Und warum fühlte Deutschland sich bemüßigt, „bedingungslose Solidarität“ zu versprechen?
„Nach den Flugzeuganschlägen am 11. September 2001 in den USA wurden von der USRegierung bald bin Laden bzw. mit ihm zusammenhängend Al Qaida und später die Taliban als Hauptschuldige bestimmt. Sie wurden zu zentralen Feinden der USA ernannt. Hier offenbart sich schon ein zentrales Problem: Obwohl die US-Regierung der Öffentlichkeit keine rechtlich verwertbaren Beweise für die Täter, deren Hintermänner bzw. die sie unterstützenden Organisationen oder Staaten vorlegten, erklärten sie »dem Terrorismus« ihren Krieg. Zunächst wurde vorgeblich bin Laden gesucht und anschließend ein Krieg geführt, der zwar »Krieg gegen den Terror« genannt wird, zunächst aber ein Krieg gegen die Taliban und das afghanische Volk ist“... (.http://www.friedenspsychologie.de/wp-content/uploads/2017/05/Afghanistan2001.pdf; Hervorhebung von mir)
In der „Zeit“ hieß es ein Jahr später: „US-Ermittler wussten von geplanten Terroranschlägen, ließen die Verdächtigen aber gewähren. Es mehren sich die Hinweise, dass CIA und FBI den Angriff auf Amerika hätten verhindern können“. Sie spricht von Ermittlungspannen, die u.a. auch durch die mangelhafte Kooperation zwischen CIA und FBI verursacht wurden (DIE ZEIT Nr.41/2.10.02, S.11ff)
Nach Einschätzung vieler Experten war 5 Jahre, nachdem er begonnen worden war, der „War on Terrorism“ nicht nur ungeeignet, um die Ursachen des Terrorismus wirksam zu bekämpfen, sondern trug sogar zur Verschärfung der weltweiten Terrorgefahr bei. (http://www.agenda21-treffpunkt.de/thema/terror-usa.htm
Trotzdem wurde der Krieg immer wieder verlängert. Auf Kosten vor allem der Zivilbevölkerung.
Laut DW dokumentierte die UN-Mission in Afghanistan „die Zahl der zivilen Opfer erst seit 2009. Danach wurden bis Ende 2020 fast 111.000 Zivilisten getötet oder verletzt. Für die meisten zivilen Opfer sind die Taliban und andere extremistische Gruppen verantwortlich. Doch auch die internationalen Truppen haben den Tod von vielen Zivilisten zu verantworten - vor allem durch den Beschuss afghanischer Dörfer mit Kampfflugzeugen und Drohnen“. (https://www.dw.com/de/usa-und-nato-lassen-afghanistan-im-krieg-zur%C3%BCck/a-58090320 Hervorhebung von mir) Kundus und Oberst Klein nicht zu vergessen.
Der Scherbenhaufen ist größer denn je, die Taliban befinden sich auf dem Vormarsch.
Die USA sollen mehr als 2 Billionen US Dollar für den Krieg in Afghanistan ausgege-ben haben. Was für eine Leistung, während es in den USA selbst gleichzeitig 140 Millionen Arme gibt.
Entgegen aller Proteste drängten Sie, Frau Kramp-Karrenbauer, darauf, dass das Afghanistan-Mandat am 26.03.2021 noch einmal verlängert wurde. Ein paar Wochen später waren die zur Rechtfertigung angeführten Frauenrechte Makulatur, nachdem die USA den Abzug ihrer Truppen angekündigt hatten. Zugunsten neuer Kriegsziele, wohl gemerkt.
Die Menschenrechtsaktivistin Shaharzad Akbar beklagte im Gespräch mit der Deutschen Welle die Kultur der Straflosigkeit. Der Westen habe gepredigt, aber seine eigenen Werte nicht vorgelebt: "Allein die Tatsache, dass es nie eine ordentliche Untersuchung der glaubwürdigen Vorwürfe von Machtmissbrauch gegen die internationalen Streitkräfte gab, hat dem Ansehen geschadet. Schädlich war auch, dass die internationalen Partner Menschen ermächtigt haben, obwohl es gegen diese Personen glaubwürdige Vorwürfe von Kriegsverbrechen gab." (https://www.dw.com/de/usa-und-nato-lassen-afghanistan-im-krieg-zur%C3%BCck/a-58090320
Und nun, Frau Kramp-Karrenbauer, wollen Sie dieses Desaster mit einem großen Zapfenstreich krönen?
M. E. Ist dem afghanischen Analysten Ibraheem Bahiss zuzustimmen, der den westlichen Demokratien zu etwas mehr Demut rät und sie auffordert, mehr über die Gesellschaften zu lernen, die sie verändern wollen statt alles als ein militärisches Problem zu begreifen. (a. a. O.)
Gehen Sie in sich, Frau Kramp-Karrenbauer!
Statt des Großen Zapfenstreichs angemessen wären:
1. eine Bitte um Entschuldigung gegenüber der afghanischen Zivilbevölkerung, Entschädigungsleistungen und Wiederaufbauhilfe
2. eine Bitte um Entschuldigung gegenüber den deutschen SoldatINNen dafür, dass sie in einen durch nichts zu rechtfertigenden sinnlosen Krieg kommandiert wurden.
3. Die Neudefinition der seit Jahren propagierten gewachsenen V e r a n t w o r t u n g Deutschlands, nämlich n i c h t – m i l i t ä r i s c h!
A B R Ü S T U N G ist angesagt!
Die Konsequenzen gerade auch des Militarismus als Klimakiller Nr. 1 sind hierzulande aktuell in der Eifel und in Nordrhein-Westfalen zu besichtigen. Dass diese Extremwetterlagen Folgen des Klimawandels sind, steht außer Zweifel. Bis dato wurden mehr als 100 Tote gezählt, außerdem zerstörte Häuser, zerstörte Infrastruktur u. v. a. m.
In den USA und in Kanada herrscht eine Hitzewelle. In der kanadischen Stadt Lytton wurde Anfang Juli ein für die Gegend unfassbarer Rekordwert von 49,6 Grad Celsius erreicht, bevor der Ort den Flammen zum Opfer fiel. Die Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA hat alleine in den vergangenen 30 Tagen 585 Allzeitrekorde vermeldet.
In Sibirien stehen mehr als 500 Quadratkilometer Wald in Flammen.
FUNDAMENTALE VERÄNDERUNGEN SIND ERFORDERLICH. Deutschland könnte endlich tun, „was wirklich zählt“, nämlich selbst mit gutem Beispiel vorangehen und andere zum Mitmachen animieren.
FANGEN SIE MIT DEM MILITÄR AN!
Ursula Mathern