
Ursula MathernMerxheim, Germany
16 July 2017
Die US-Armee simuliert in jährlichen Militärmanövern in Südkorea eine Invasion des Nordens – inklusive des Einsatzes von US-Atomwaffen und eines sogenannten »Enthauptungsschlags«, mit dem die Regierung in Pjöngjang systematisch ausgeschaltet werden soll. Doch nicht nur US-amerikanische, sondern auch deutsche Waffensysteme kommen zum Einsatz. Am 5. Juli veröffentlichte das Oberkommando der südkoreanischen Armee einen Videoclip zu einem gemeinsamen Manöver mit US-Militärs. Darin waren deutsche »Taurus«-Raketen zu sehen. Südkorea hat von diesen High-Tech-Marschflugkörpern bereits 170 Stück bestellt. Die ersten wurden im letzten Jahr ausgeliefert. Eine Bestellung von 90 weiteren soll folgen. Diese »Cruise Missiles« können eine Distanz von 500 Kilometern zurücklegen und damit die nordkoreanische Hauptstadt erreichen. Sie sind ausgestattet mit einem Sondergefechtskopf namens »Mephisto«.
Damit können verschiedene Ebenen eines Bunkers durchbrochen werden. Er durchschlägt selbst vier Meter dicke Betonwände, erst am zuvor definierten Punkt detoniert die Hauptladung. Das Propagandavideo des Oberkommandos zeigt in einer animierten Sequenz, wie man sich einen Angriff auf Pjöngjang vorstellt – samt in Trümmern liegender Regierungsgebäude und einer brennenden nordkoreanischen Fahne.
Auch andere deutsche Rüstungslieferungen stören das labile regionale Gleichgewicht empfindlich. Schon vor zehn Jahren erhielt Südkorea vom Rüstungsunternehmen HDW »Materialpakete« zum Bau von U-Booten geliefert. Sie werden seitdem mit deutschen Komponenten unter Lizenz in Südkorea gefertigt und haben einen speziellen außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantrieb mit sehr geringer Wärmesignatur. Das ermöglicht es der südkoreanischen Marine, den Norden einzukreisen, ohne selbst entdeckt zu werden.
Insgesamt haben deutsche Unternehmen seit 2001 Rüstungsgüter in Höhe von etwa sechs Milliarden Euro geliefert. Deutschland ist also mitverantwortlich für die regionale Eskalation und profitiert von der Aufrüstungsspirale. Dabei gäbe es Alternativen. Im Oktober 2015 und im Februar 2016 bot Nordkorea Friedensverhandlungen an, und China machte wiederholt den Vorschlag, dass die USA auf Kriegsmanöver im Süden verzichten sollten, im Gegenzug solle Nordkorea seine Atomwaffen- und Raketentests einstellen. All diese diplomatischen Vorstöße wurden von seiten der US-Administration abgelehnt, an Bedingungen geknüpft oder ignoriert. (Claudia Haydt, Quelle: JW vom 17.07.2017)
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