Petition updateGemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit (#GfFuG)Frieden geht nur durch Demokratie
Olaf MorlockGröbenzell, Germany
May 11, 2023

Eine Rede (zum Lesen) für Frieden und Demokratie
(Samstag, 06.05.2023 in Dachau, Oberbayern)

Ich möchte der Basisdemokratie, oder - ein Begriff der mir viel besser gefällt - der echten Demokratie eine Chance geben. Deshalb will ich mich dafür stark machen, dass wir in unserem Land eine wirkliche Demokratie bekommen und wir nicht nur auf dem Papier der Souverän sind sondern wirklich mitentscheiden können, bei allen wichtigen Themen die uns alle betreffen.

Was ich nun sage, bitte ich weder als Kritik noch als Befürwortung irgendeiner Seite irgendeines Krieges zu deuten. Es dient einfach nur als aktuellstes Beispiel für etwas das in unserer Welt seit Jahrhunderten falsch läuft.
In der Nacht zu Mittwoch (03.05.2023) wurden zwei Drohnen über dem Kreml abgeschossen.
Manche sprechen nun von einem „geplanten Terroranschlag“, von einem „Attentat auf den Präsidenten“, von einer weiteren „roten Linie“ die überschritten wurde.
Ich frage mich nun: Ist ein Mordanschlag auf einen Präsidenten Terrorismus, ein Mordanschlag auf Soldaten und Zivilisten aber ein gerechter Krieg?
Ich sage:  Nein – Krieg IST Terrorismus – Immer.
In Kriegen werden Hunderttausende bombardiert, Tausende sterben, fast jeden Tag – und wir sollen uns jetzt darüber empören, dass ein Präsident angegriffen wurde?

Wir hören in den letzten Monaten immer wieder von „Kriegsverbrechen“.
Von der einen Seite heißt es, die Ukrainer sind Nazis und Kriegsverbrecher, in unseren Medien ist meist die Rede von russischen Kriegsverbrechen.
Ist euch eigentlich schon einmal aufgefallen, dass das Wort „Kriegsverbrechen“ ein Pleonasmus ist, eine Tautologie, doppelt gemoppelt, so wie ein „weißer Schimmel“, ein „schneller Raser“ oder ein „korrupter Politiker“?

Es gibt keine Kriegsverbrechen – Krieg ist bereits das Verbrechen!

Krieg ist das schlimmste aller Verbrechen, denn er vereinigt alle nur denkbaren Gräueltaten zu einer einzigen monströsen Grausamkeit.
Schwerste Körperverletzung, Massenmord, Umweltzerstörung, Folter, Brandstiftung, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, … –   um nur die schlimmsten zu nennen.
Krieg ist das einzige Verbrechen bei dem die Täter bekannt sind, aber nicht bestraft werden.
Krieg ist Terror. Die Terroristen nennen wir „Politiker“.

Ja, Krieg ist das was ich NICHT will!
Ich möchte NICHT den 3. Weltkrieg!
Ich möchte den 1. Weltfrieden!

Ich denke, dass es keinen Frieden geben wird, solange wir keine echte Demokratie haben.
Solange Menschen Kriege befehlen können, ohne selber die Konsequenzen dafür tragen zu müssen, wird es immer wieder Kriege geben.

Heute wird Prinz Charles in England zum neuen König des Vereinigten Königreichs gekrönt.
Mit Wonne hörte ich heute Morgen im Radio, dass es nicht nur Jubel gibt, sondern auch Kritik – Menschen also die die Monarchie ablehnen, sich stattdessen nach echter Demokratie sehnen.
Sie wehren sich dagegen, dass Unmengen von Steuergeldern für Pomp und Prunk eines anachronistischen Königshauses verschwendet werden. Die Kosten alleine für die heutige Krönung belaufen sich nach Schätzungen auf 50 bis 100 Millionen Pfund.
Laut offiziellen Statistiken lebten bereits im letzten Jahr über 13 Millionen Britinnen und Briten in Armut (13 von 67 Millionen, das sind 19 Prozent).
In einer aktuellen Umfrage wurden 4.200 Briten befragt. 51 Prozent sagten, der Staat solle nicht die Kosten für das Ereignis tragen. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind sogar mehr als 60 Prozent dagegen[1].

Wir haben leider vollständig vergessen was Demokratie eigentlich bedeutet. Demokratie bedeutet – in ihrem Kern – dass diejenigen die von irgendwelchen Entscheidungen wesentlich betroffen sind auch einen angemessenen Anteil an diesen Entscheidungen haben. Davon sind wir heute leider weit, sehr weit entfernt.

Auch wenn immer wieder versucht wird, uns glauben zu machen, dass dem nicht so sei, wir leben noch immer in einem Herrschaftssystem. Das hat sich seit tausenden von Jahren nicht geändert.
Ein Herrschaftssystem erkennen wir daran, dass eine kleine Gruppe von Leuten für sich in Anspruch nimmt, besser zu sein als alle anderen, über ihnen zu stehen, über sie herrschen zu dürfen.
Um ihre Macht zu festigen arbeiten sie mit Verunsicherung, Drohung und Angst. Wer nicht mitspielt wird diffamiert, ruiniert, eingesperrt – oder Schlimmeres.
Sie säen Zwietracht, Missgunst, Argwohn und Neid um die Menschen zu spalten, denn sie wissen, dass sie ihre Macht sehr schnell verlören, würden die Menschen nur gemeinsam aufstehen, gegen Machtmissbrauch und Verbrechen der Mächtigen.
Sie bringen unsägliches Leid über die Menschen, indem sie einigen – manchmal auch sehr vielen – alles nehmen, erst ihren Besitz, als Nächstes ihre Freiheit, dann jegliche Grundlagen ihres Lebens und schließlich auch noch ihre Würde oder gleich ihr Leben.
Jene aber, die artig tun was sie von Ihnen verlangen, jene, die ohne Murren und Knurren ihre Anweisungen befolgen, jene braven, folgsamen Soldaten, Beamten und Bürger, die belohnen sie gerne auch einmal. Ihnen geben sie Besitz, hier und da ein paar Freiheiten – und das Gefühl, wichtig zu sein.

Strafe und Belohnung – zwei Seiten einer äußerst perfiden Medaille.

Und sie können alle dies tun, aus nur einem einzigen Grund: 
Weil wir es ihnen gestatten.

Wir schreiben Bittbriefe an die Politiker, und das Einzige was wir damit erreichen ist, dass wir sie in ihrem Herrschaftsdenken bestätigen.
Die „ganz Harten“ unter uns bitten nicht, sie fordern. Doch auch damit bekommen die Herrscher nur die Bestätigung die sie so dringend brauchen.

Jeder Soldat, jeder Beamte, jeder Arbeitnehmer, jeder Bürger bestätigt das Herrschaftssystem, jedes Mal, wenn er einen Befehl oder eine Anweisung ausführt die er zwar für unmenschlich, sittenwidrig oder aus sonstigen Gründen für falsch hält, aber zu sich selber sagt:

  • „Ich muss das tun, es ist schließlich ein Befehl, es ist Gesetz, das sind die Regeln, man macht das halt so.“
  • „Ich muss das tun, sonst verliere ich meine Arbeit. “
  • „Ich muss das tun, was würden sonst die Leute denken.“
  • „Ich muss das tun, ich habe keine Wahl, es gibt keine Alternative.“

Aber all das ist nicht wahr. Es gibt immer Alternativen. Wir haben immer eine Wahl. Alles was wir tun, tun wir, weil wir uns dafür entscheiden.

Die Alternativen scheinen oft nicht attraktiv, sind bedrohlich, bereiten uns Angst.
Aber es gibt sie immer.
Natürlich ist die Vorstellung beängstigend, die Arbeit zu verlieren. Natürlich haben wir Angst unser Haus, unseren Besitz zu verlieren. Natürlich fürchten wir, ins Gefängnis gesperrt zu werden. Natürlich bangen wir um unser Leben.
Und genau deshalb – und nur deshalb – entscheiden wir uns, Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht tun möchten.

Deshalb funktioniert das Herrschaftssystem.

Wenn wir also echte Demokratie wollen, müssen wir die Mechanismen des Herrschaftssystems erkennen und das Herrschen der Herrscher beenden. Ein für alle Mal
Einfach indem wir nicht mehr mitmachen. Ein Herrscher ohne willenlose, brav funktionierende Untertanen ist kein Herrscher mehr.
Es gibt nur eine einzige Aussage an die (heute noch) Mächtigen – keine Bitte, keine Forderung – eine einfache, klare Ansage: „Ihr macht eure Arbeit nicht zu unserer Zufriedenheit. Ihr vertretet nicht unsere Interessen. Deshalb sehen wir uns leider gezwungen, euch zu entlassen.“
Danach müssen wir dann nur noch eine neue Verwaltung einsetzen. Eine Verwaltung die in unserem gemeinsamen Interesse handelt und sich selber nicht für einen allmächtigen, unantastbaren Herrscher hält.

Wenn es uns durch Achtsamkeit gelingt, unsere eigenen Gedanken und Gefühle – und damit auch unsere wahren Bedürfnisse – aus einer ruhigen Distanz zu beobachten, stärken wir unsere Klarheit. Der Schritt in das selbstverantwortliche Handeln hin zum mündigen Bürger fällt uns umso leichter, je klarer und deutlicher wir unsere eigene, unsere innere Stimme wahrzunehmen vermögen.

Und freilich dürfen wir nicht vergessen, dass wir Menschen, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können, auf saubere Informationen angewiesen sind und uns nicht durch Propaganda täuschen und verwirren lassen dürfen.
Folglich müssen die öffentlich-rechtlichen Medien von Grund auf reformiert werden um diese wichtige Basis zuverlässig und dauerhaft zu schaffen.

Solange wir, das Volk, die Menschen nicht begreifen, dass wir der wahre Herrscher sind – wir alle zusammen – wird das Elend weitergehen.
Solange wir versuchen die Dinge zu ändern, dabei aber krampfhaft am Vertrauten, am eigentlichen Problem festhalten, dem Herrschaftssystem und den von diesem seit Jahrtausenden implementierten Regeln, wird sich gar nichts ändern, das Elend wird weitegehen.

Erst wenn wir gemeinsam entscheiden, dass wir bereit sind, radikal umzudenken, erst wenn jeder Einzelne bereit ist, selber Verantwortung zu übernehmen und gewohnte Pfade zu verlassen um neue, wirklich demokratische Wege einschlagen zu können, werden wir anfangen die Dinge in unserem Interesse zu verändern.
Friedlich, ganz ohne Krieg und Gewalt.

 

[1] s. Artikel vom ZDF "Kritik an Monarchie - Proteste bei Krönung von Charles III. geplant" vom 19.04.2023 15:39 Uhr

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