

Eine Rede für den Frieden
(Samstag, 18.03.2023 in Olching, Oberbayern)
Als ich eines Tages anfing, die Grausamkeit des Krieges zu erkennen und die Gewissenlosigkeit der Kriegstreiber, die – im wahrsten Sinne des Wortes – über Leichen gehen, wurde schnell klar, dass ich meinen Beitrag leisten möchte, unsere Welt zu einer besseren zu machen.
Deshalb stehe ich heute hier.
Für den Frieden.
Während ich darüber nachdachte, was ich heute hier sagen möchte, ist mir aufgefallen, dass wir, wenn wir für Frieden demonstrieren, meist nur über Krieg sprechen. Wir reden also, wie so häufig, über das was wir NICHT wollen, und nur selten über das was wir stattdessen wollen.
Deshalb möchte ich heute über Frieden sprechen …
… gleich nachdem ich alles erzählt habe, was ich über Krieg weiß:
Krieg ist ein Verbrechen
Krieg ist das schlimmste aller Verbrechen, denn er vereinigt alle nur denkbaren Gräueltaten zu einer einzigen gigantischen Grausamkeit.
Schwerste Körperverletzung, Massenmord, Umweltzerstörung, Folter, Brandstiftung, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, … – um nur einige zu nennen.
Krieg ist das einzige Verbrechen bei dem die Täter bekannt sind, aber nicht bestraft werden.
Einen Krieg zu beginnen ist falsch.
Einen Krieg weiterzuführen ist falsch.
Einen Krieg zu befeuern ist falsch.
Es gibt keine Ausnahmen. Es gibt kein Aber.
Es gibt keinen gerechten Krieg.
Bei einem Krieg gibt es (fast) nur Verlierer.
Die einzigen die von einem Krieg profitieren, sind die, die ihn befehlen.
Die, die in sicherer Ferne sitzen oder geschützt in einem Bunker.
Die, die an Macht gewinnen und viel Geld daran verdienen, sei es durch die Kriegsbeute oder den Verkauf von Kriegsgerät und Waffen.
Alle anderen können nur verlieren.
Kriegsgründe sind Lügen.
Noch nie wurde ein Mensch gerettet, indem er bombardiert wurde.
Noch nie wurde ein Dorf gerettet, indem es zerstört wurde.
Wer in einem Krieg kämpft, kämpft ausschließlich für die Interessen der Mächtigen, nicht für Gott, nicht für das Vaterland, nicht für die Ehre.
Erst stirbt die Wahrheit, dann sterben Menschen, Flora und Fauna.
Ja, Krieg ist das was ich NICHT will!
Ich will Frieden.
Aber was heißt eigentlich Frieden?
- Frieden ist die Abwesenheit von Krieg.
Aber das ist nicht alles. Frieden ist noch so viel mehr.
- Frieden ist die Abwesenheit von jeglicher Gewalt.
- Frieden bezeichnet einen Zustand, in dem Differenzen und Konflikte
zwischen Staaten, aber auch zwischen Einzelpersonen oder Gruppen
ohne Gewalt gelöst werden.
Und wie könnte das anders gehen, als durch Kommunikation?
- Durch gegenseitiges Zuhören und Verstehen.
- Durch gemeinsames Erarbeiten von Lösungen die am Schluss für alle tragbar sind, Lösungen mit denen am Ende alle gewinnen.
Leider leben wir in einer Welt, in der das miteinander reden kaum mehr stattfindet
- „Mit dem rede ich nicht, der lässt sich ja gar nicht von mir belehren“
- „Mit der rede ich nicht, die ist ja bei ‚dieser Partei‘“ – oder noch schlimmer:
„Mit der rede ich nicht, die hat ja letzte Woche mit einem von ‚dieser Partei‘ gesprochen.“ - „Mit denen rede ich nicht, die sind rechts, links, dumm, Schwurbler, Schlafschafe, …“
Wir finden tausend Gründe um uns nicht mit den Meinungen anderer auseinandersetzen zu müssen.
Wir reden also nur noch mit Menschen, die ohnehin das Gleiche denken wie wir.
Und dann wundern wir uns, dass es Streit und Kriege gibt.
Ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten oft gefragt:
„Wie können wir zu echtem Frieden kommen?
Wie könnte zum Beispiel der Ukraine-Krieg, wie könnten alle Kriege beendet werden?“
Meine bisher beste Antwort:
Wir müssen radikal umdenken. Wir müssen die Gewalt in unserem Denken erkennen, um neue, bessere Wege zu finden. Wir müssen wieder lernen, auch – und gerade – mit denen zu reden, die nicht dieselbe Meinung haben wie wir.
Ende 2021 gab es einen massiven Truppenaufmarsch Russlands an der Grenze zur Ukraine. Was wäre wohl passiert, hätte man damals gesagt:
„Hallo Herr Putin, wir beobachten mit großer Sorge den Aufmarsch Ihrer Truppen an der ukrainischen Grenze. Sie sagten, dass Sie das Sterben in der Ostukraine nicht länger tatenlos mit ansehen können. Sie sagten, Sie befürchten einen Angriff auf die Krim. Sie fordern Sicherheitsgarantien. Wir nehmen das sehr ernst. Lassen Sie uns bitte gemeinsam an einer Lösung dafür arbeiten.“?
Wir werden leider nie erfahren, was dann passiert wäre.
Doch es gab in der Tat solche Ansätze.
Aus einem von diesen möchte ich nun hier zitieren.
Es handelt sich hierbei um einen Aufruf vom 05. Dezember 2021 mit dem Titel
„Raus aus der Eskalationsspirale“.
Verfasser ist eine Gruppe hochrangiger ehemaliger Diplomaten und Generäle, also durchaus Menschen die wissen wovon sie sprechen.
„Mit allergrößter Sorge beobachten wir die sich abermals verstärkende Eskalation im Verhältnis zu Russland. Wir drohen in eine Lage zu geraten, in der ein Krieg in den Bereich des Möglichen rückt. Von dieser Lage kann niemand profitieren, und dies liegt weder in unserem noch im russischen Interesse. …
Fest steht: Die Drohgebärden Russlands gegenüber der Ukraine und das Imponiergehabe gegenüber NATO-Staaten in Übungen und insbesondere durch Aktivitäten der nuklearen Kräfte sind inakzeptabel.
Dennoch führen Empörung und formelhafte Verurteilungen nicht weiter. Eine einseitig auf Konfrontation und Abschreckung setzende Politik ist nicht erfolgreich; …
… Die NATO sollte aktiv auf Russland zugehen und auf eine Deeskalation der Situation hinwirken. Hierzu sollte auch ein Treffen ohne Vorbedingungen auf höchster Ebene nicht ausgeschlossen werden. …“
Das war am 05.12.2021, gut zwei Monate vor Kriegsbeginn.
Weise Worte wie ich finde – leider wurden sie nicht gehört – die Folgen sind bekannt.
Dabei hätte man nur aufrichtig miteinander reden, einander zuhören müssen, um diesen ganzen Wahnsinn zu verhindern. Jede andere Lösung könnte nur besser sein als das was wir gerade erleben.
Für viele Menschen ist es bereits zu spät. Für die Toten, für die Verstümmelten, für die Hinterbliebenen, für die Traumatisierten, für die Opfer all der Gewalt, überall auf der Welt.
Dennoch dürfen wir nicht aufgeben. Das Ziel ist, alle Gewalt durch Dialog zu ersetzen.
Dafür stehen wir heute hier – und auch morgen, falls es dann immer noch nötig ist – solange wie es eben nötig ist.
Ich schließe nun mit einer Bitte an euch alle:
Bitte lasst uns anfangen das zu tun, was wir uns von anderen wünschen.
Bitte, sucht den Dialog – wann immer ihr könnt.
Das ist oft mühsam, manches Mal regelrecht erschöpfend, und doch ist es jeder Mühe wert, wenn dadurch Gewalt vermieden und der Frieden erhalten werden kann.
Danke fürs Zuhören!