Petition updateWeiterbetrieb CO2-freier Kernkraft für mindestens 10 Jahre!COP28: Etwa 20 Staaten wollen Kernenergie verdreifachen
Uwe MielkeDresden, Germany
Dec 2, 2023

Um die Klimaziele einzuhalten, ist Atomkraft nach Auffassung mehrerer Länder unerlässlich. Eine Gruppe um Frankreich und die Vereinigten Staaten fordert die Weltgemeinschaft auf, wieder massiv in Atomenergie zu investieren. 

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/etwa-20-staaten-wollen-energie-aus-kernkraft-verdreifachen-19356039.html?fbclid=IwAR0fOTkqRY7R058h2lXkoqXm1IIZ159wIHs7MmvKND1T7kCcHXL3W5iURCE

Nachtrag (03.12.2023) & Ergänzungs-Informationen (WELT):

https://www.welt.de/wirtschaft/plus248847246/Nuclear-Pledge-Klimagipfel-wird-zum-Geburtsort-einer-globalen-Atom-Allianz.html?fbclid=IwAR2UjWhNcFPrx1xjrbvTUyyqFrD2_E8gqZWZmd9gtFlpOVyf71dSw53OhKA

Klimagipfel wird zum Geburtsort einer globalen Atom-Allianz

Auf der Weltklimakonferenz in Dubai haben sich 22 Staaten mit dem Ziel verbündet, die Atomkraft bis 2050 zu verdreifachen. Zu den Unterzeichnern der Deklaration gehören neben dem US-Gesandten John Kerry auch die Staats- und Regierungschefs von 13 europäischen Ländern. Deutschland fehlt.
 
Auf den Terminplänen der Vereinten Nationen fand sich kein einziger Hinweis: Die Gründung einer weltweiten Allianz zum Ausbau der Kernenergie war auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen bis zur letzten Minute Verschlusssache. Doch was die Präsidenten und Regierungschefs von 22 Staaten am Samstag auf der Dachterrasse des Rove-Hotels auf dem Expo-Gelände von Dubai ankündigten, hat es in sich.

Gemeinsam werde man sich ab sofort dafür einsetzen, die Atomenergie bis zum Jahr 2050 weltweit zu verdreifachen. Das von den Spitzenpolitikern unterzeichnete „Nuklear-Versprechen“ (nuclear pledge) beinhaltet auch die Absicht, große Finanzinstitute hinter diesem Ziel zu vereinen, darunter Weltbank, internationale Großbanken und regionale Entwicklungsbanken.

„Man kann das Ziel von Netto-Null Treibhausgas-Emissionen bis 2050 ohne Atomkraft nicht erreichen“, erklärte John Kerry, der Sondergesandte von US-Präsident Joe Biden vor den Staatschefs: „Das hat nichts mit Politik oder Ideologie zu tun, das ist reine Wissenschaft: Mathematik und Physik.“

Er gab das Mikrofon weiter an Emmanuel Macron: „Von diesem Treffen geht ein extrem machtvolles Signal in die Welt hinaus“, sagte der französische Präsident. Es ermutige „die vielen Länder, die in die Kernenergie und besonders in die neue Generation von modularen Kleinstreaktoren investieren wollen.“

Tschechiens Premier Petr Fiala kündigte an, den Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung bis 2050 auf 50 Prozent zu steigern. Er nannte die Kernenergie „eine sichere, verlässliche, saubere und effiziente Energiequelle.“ Polens Präsident Andrzej Duda kündigte an, den Ausbau der Kernenergie Anfang 2025 zum Schwerpunktthema der polnischen EU-Ratspräsidentschaft machen zu wollen.

Zu den Unterzeichnern gehörten weitere Spitzenpolitiker aus Kanada, Japan, Korea, der Ukraine und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Einige Unterzeichner stehen erst noch vor dem Einstieg in die Atomkraft, darunter Marokko, Ghana und die Mongolei. Mit dabei sind insgesamt 13 europäische Staaten, darunter Schweden, Finnland, die Niederlande, Belgien, Slowenien, die Slowakei, Rumänien, Ungarn, Großbritannien und Moldau.

Der Chef der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA), Rafael Mariano Grossi und Belgiens Premier Alexander De Croo luden für den 22. März 2024 zum ersten „Welt-Nuklear-Gipfel“ nach Brüssel ein: „Vertreter aus Nord- und Südamerika, Asien, Afrika – alle werden da sein“, sagte Grossi.

Mit der Nuklear-Deklaration hatten auf der 28. Weltklimakonferenz kaum jemand gerechnet. Thema der Verhandlungen war es bislang, ob das Ziel einer Verdreifachung von erneuerbaren Energien bis 2030 in das Schlussdokument aufgenommen werden soll.

Die Pro-Atomstaaten können in Dubai jetzt aber einfordern, dass der Erneuerbaren-Passus nur dann in die Schlussvereinbarung der Klimakonferenz aufgenommen wird, wenn dort gleichberechtigt auch die Verdreifachung der Atomkraft als Ziel formuliert wird. Die Schlussverhandlungen dazu stehen am 12. Dezember an.

Weltweit stammt ein Zehntel des Stroms aus Kernkraftwerken
Aktuell deckt Atomkraft rund zehn Prozent der weltweiten Stromnachfrage. Wind- und Solarenergie liegen laut Datenportal Statista leicht darüber. Den größten Teil der weltweiten Stromnachfrage deckt noch immer Kohlekraft mit fast 36 Prozent und Erdgas mit 22 Prozent. Unter den Erneuerbaren Energien hat Wasserkraft mit 15 Prozent den größten Anteil.

Die Kernkraft-Deklaration von Dubai zeigt, dass sich Welt von Deutschlands recht einsamen Atomausstieg nicht aufhalten lässt, sondern im Gegenteil aus Klimaschutzgründen noch stärker aufs Tempo drückt. Die Staaten des Nuklear-Versprechens erkennen in ihrer Deklaration an, dass „Nuklearenergie bereits die zweitgrößte Quelle von sauberer, steuerbarer Grundlast ist und damit der Energiesicherheit dient.“

Auch erkennen die Unterzeichnerstaaten explizit an, dass Analysen der Industrieländer-Organisation OECD ebenso wie die des UN-Klimasekretariats IPCCC ergeben, „dass die globale installierte Nuklear-Kapazität bis 2050 verdreifacht werden muss, um das Ziel von netto Null Treibhausgasemissionen zu erreichen.“

Auf der Veranstaltung sagte Frankreichs Präsident Macron, dass die CO₂-Bilanz der Kernenergie nach französischen Studien viermal besser sei als die von Erdgas und „in etwa auf dem Niveau von Windenergie liegt.“

Ein Blick auf die Elektrizitätskarte Europas zeige, dass Länder mit Atomkraftwerken den saubersten Energiemix hätten. Gerade der Entwicklung neuer, risikoarmer, kostengünstiger und flexibler Kleinstreaktoren, der sogenannten Small Modular Reactors (SMR), lägen große Chancen, sagte Macron.

Schweden will mindestens zwölf neue Reaktoren bauen
Der schwedische Premier Ulf Kristersson lobt die Europäische Union dafür, die Atomkraft in ihre Taxonomie sauberer Energiequellen aufgenommen zu haben. „Wir erleben einen Paradigmen-Wechsel“, sagte Kristersson in Dubai. Schweden hatte erst in der Woche zuvor angekündigt, bis 2035 zwei neue Atommeiler zu bauen und bis 2050 zehn weitere Großreaktoren oder eine entsprechende Anzahl von SMR in Angriff zu nehmen.

Das Problem der hohen Anfangsinvestitionen in Kernkraftwerke erfordere es, dass Staaten mit Garantien oder Zuschüssen bereitstehen. „Eine entscheidende Rolle“, so Kristersson, „kommt den multinationalen Banken zu.“

Die Bedeutung der Dubai-Deklaration „kann gar nicht überschätzt werden“, kommentierte die oberste Atomkraft-Lobbyistin Sama Bilbao y León, Generaldirektorin der World Nuclear Association. Wenn die Staaten ihr Versprechen einlösten, könnten „ganze Volkswirtschaften dekarbonisiert werden und sauberer Strom in jeden Winkel der Welt fließen.“

Nach den Zahlen ihrer Organisation sind derzeit weltweit 60 Atomkraftwerke im Bau, weitere 110 geplant, die meisten davon in Asien.

 Die neuen Anlagen würden vorerst alte ersetzen, die das Ende ihrer Betriebszeit erreicht haben. In den vergangenen zwanzig Jahren seien 108 Reaktoren stillgelegt und 97 neu ans Netz gebracht worden. Derzeit sind auf der Welt 440 Atomkraftwerke in 33 Staaten in Betrieb. Nach Angaben der WNA sind es derzeit 30 Staaten, die die Aufnahme eines Nuklear-Programms erwägen oder konkret planen.

In Deutschland waren im April dieses Jahres die letzten drei von insgesamt einst 17 Atomkraftwerken vor Ende ihrer maximalen Laufzeit abgeschaltet worden. Die Ampel-Koalition lehnt einen Wiedereinstieg in die Technik ab und versucht, die Bundesrepublik hauptsächlich auf Basis von Wind- und Solarkraft sowie Energie-Importen zu dekarbonisieren.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nahm also nicht teil, als sich die Regierungschefs der Pro-Atom-Nationen in Dubai trafen. Der Bundeskanzler sprach zu diesem Zeitpunkt nur wenige Meter entfernt vor afrikanischen Staatschefs der Initiative „Accelerated Partnership for Renewables in Africa“ über den Ausbau Erneuerbarer Energien.

 

112 people signed this week
Sign this petition
Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X