

Vielleicht habt ihr es auch schon selbst erlebt: Wer sich dafür einsetzt, dass das Wort Vulvalippen in den Duden kommt, der bekommt auch Gegenwind. Ob online oder im Freundeskreis. Wir sind offen für Kritik, aber wir finden auch, dass wir wirklich gute Argumente haben. Und deshalb haben wir sie mal zusammengestellt. Als Argumentations-Hilfe und Erinnerung daran, warum es sich lohnt: Weg mit der Scham -Vulvalippen in den Duden! Und wie reagiert ihr auf Kritik? Schreibt es doch in die Kommentare!
Was wir den Vulvalippen-Kritiker*innen sagen:
Seit Beginn unserer Petition gab es, klar, auch immer wieder Kritik. Vielleicht habt ihr selbst auch schon mit Freund*innen und Bekannten über die Vulvalippen gesprochen und dabei gemerkt, dass es nicht immer einfach ist, zu erklären, warum die Initiative wichtig ist. Deshalb haben wir mal eine kleine Zusammenfassung vorbereitet: Die häufigsten Kritikpunkte und unsere Entgegnung. Diskussion leicht gemacht sozusagen und die Möglichkeit für uns alle, direkt auf diesen Text hier zu verweisen, wenn es schnell gehen soll:
Warum wollt ihr denn die Scham abschaffen?
Wir wollen die Scham nicht abschaffen. Scham ist wichtig; wir fordern niemanden auf, sich schamlos zu fühlen. Uns geht es um eine ganz gewisse Scham: Eine Scham, die über Jahrhunderte hinweg, u.a. mit einer scham-belasteten Sprache, insbesondere den weiblichen Geschlechtsteilen quasi verordnet wurde. Eine Scham, die wir gegenüber uns selbst empfinden. Dabei gibt es keinen Grund, sich für unsere Geschlechtsteile zu schämen. Verbieten wollen wir nichts. Wir wollen eher befreien.
Und was ist mit Begriffen wie Scham-pus oder Scham-ane?
Haha. Naja, nichts. Denn diese Begriffe haben nichts mit der “Scham” zu tun. Den Begriff Schamlippen dagegen haben wir der christlichen Kirche zu verdanken. Sie nannte Genitalien die schamhaften Teile oder auf Latein „Pudendum“. „Pudendum“ hatte den Höhepunkt einer Verwendung im 18. Jahrhundert und verschwand dann nach und nach aus dem Sprachgebrauch - so wie hoffentlich bald auch die Schamlippen.
Und was ist mit den Schamhaaren?
Frei nach dem Motto: Wenn ihr es nicht total richtig macht, macht lieber gar nichts. Tatsächlich ist es uns total wichtig, auch die Schamhaare und das Schambein umzubenennen. Es geht uns darum, die ganze Scham – in Bezug auf Genitalien – los zu werden. Aber wir mussten halt irgendwo anfangen.
Und der Grund, warum wir mit den Schamlippen angefangen haben, ist, weil die Verkleinerung der inneren Labien einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe in gesunde Genitalien ist. Menschen lernen, sich für ihre Schamlippen zu schämen. Ein anderes Wort verändert noch nicht
„Da werden Mädchen zwangsverheiratet und ihr wollt Schamlippen in #Vulvalippen umbenennen?“
Für Äußerungen wie diese gibt es einen Fachbegriff. Er heißt Whataboutism und bedeutet, dass man jedes Anliegen damit abbügeln kann, dass man seinem Gegenüber vorwirft, sich nicht mit den wirklich wichtigen Themen zu beschäftigen. Wir bekamen so viele Whataboutisms, dass wir die Frage in unsere Petition aufnahmen: Ja, auch wenn es wichtigeres gibt, wollen wir die Vulvalippen in den Duden bekommen.
Denn wer Themen gegeneinander ausspielt, setzt sich nicht inhaltlich mit dem Problem auseinander und verhindert Dialog. Sich für Vulvalippen einzusetzen heißt nicht, kein Bewusstsein oder keine Energie für andere Probleme zu haben.
Außerdem: Die Unterdrückung von Sexualität, die Verstümmelung von Geschlechtsteilen, die Fremdverfügung über Körper, das Nicht-ernst-nehmen von Stimmen, speist sich aus Diskursen, die genau das über Jahrhunderte antrainiert haben: Dass Gefühl, dass es nicht wichtig, nicht relevant, oder sogar verachtenswert ist, was Frauen selber über ihre Körper entscheiden, was sie fühlen, was sie spüren.
"Ja, kann dich schon verstehen, aber 'Vulva' ist einfach kein schönes Wort! "
Diesen Einwand haben wir wirklich oft gehört. Klingt halt doch recht medizinisch und fremd. Aber das ändert sich, wenn man das Wort nur häufig genug ausspricht. Wenn es Normalität wird. “Vulva” ist ein wunderschönes Wort. Und wenn euch Vulva nicht von den Lippen geht, dann probiert es doch mit Vulvina. Das ist ein Vorschlag der Sexualpädagogin Ella Berlin zur Bezeichnung der Gesamtheit der Vulva und Vagina (weil man manchmal halt beide meint) und der geht einfach wie Honig von den Lippen.