Stellungnahme zum Positionspapier Waldbesitzer-Verbände Bayern und BW

Stellungnahme zum Positionspapier des Bayerischen Waldbesitzer-Verbands und der Forstkammer Baden-Württemberg: „Walderhalt als oberste Maxime - Kehrtwende in der Waldpolitik gefordert“
https://www.bayer-waldbesitzerverband.de/news/59.html
In obigem Positionspapier stellen die Waldbesitzerverbände 5 Forderungen an die Politik:
1) Aktiven Waldumbau im Klimawandel beschleunigen
2) Holzverwendung und Bioökonomie stärken
3) Wirtschaftliche Leistungen der Waldbesitzer besser honorieren
4) Forstkompetenz der Länder und Subsidiarität sichern
5) Bürokratie durch EU- und Bundesvorgaben deutlich abbauen.
Es steht, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, zweifelsfrei fest, dass wir einen durch menschliche Emissionen beeinflussten Klimawandel haben. Bei der Behauptung, der katastrophale Waldzustand sei nur durch den Klimawandel und Schadinsekten verursacht, werden bewusst die erheblichen Einflüsse der Holz- und Forstwirtschaft verheimlicht.
Die Verbände der Waldbesitzer behaupten, nur „aktiv bewirtschaftete Wälder“ könnten den Herausforderungen des Klimawandels standhalten Diese Aussage entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Denn viele Langzeitstudien zeigen, dass naturnahe, strukturreiche und wenig bewirtschaftete Wälder deutlich widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Dürre, Stürme und sogenannten Schadinsekten sind, als intensiv bewirtschaftete Produktionsforste. Diese Erkenntnis ist wissenschaftlich bestätigt und durch jahrzehntelange Beobachtung belegt. 1)
Wer dennoch das Gegenteil behauptet, stellt eine falsche fachliche Sicht dar, die die ökologischen Ursachen der heutigen Waldschäden verharmlost. Die Ergebnisse der Waldzustandsberichte und Waldinventuren belegen diese Erkenntnisse ebenfalls. Positives Gegenbeispiel ist der „Naturpark Bayerischer Wald“.
Was bedeutet „aktive Waldbewirtschaftung“?
Der Kunstbegriff „aktive Waldbewirtschaftung“ suggeriert eine Notwendigkeit, die nicht existiert. Denn er beschreibt keinen Umgang mit Wald im eigentlichen Sinne, sondern die fortgesetzte Übernutzung von Wirtschaftsforsten und die damit verbundenen Maßnahmen wie die Jungbestandspflege, die Durchforstung, die damit verbundenen Auflichtungen und die Holzernte, die überwiegend mit maschinellen Eingriffen getätigt wird. Es handelt sich also um ständige intensive Eingriffe in ein sensibles und äußerst komplexes Ökosystem, welches durch die aktuellen Klimabedingungen schon maximal belastet und teilweise überlastet ist.
Die Verbände fordern explizit den „Abbau überhöhter Holzvorräte“
Die Formulierung „überhöhte Holzvorräte“ entstammt einem profitorientierten, forstwirtschaftlichen Produktionssystem. Seit Jahrhunderten wurden und werden unsere Wälder zu Holzproduktionstätten umgeformt, was sich insbesondere mit Beginn der bundesweiten Forstreformen nochmals deutlich verstärkt hat. Hier werden Bäume nur auf ihren Rohstoff reduziert und nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen taxiert.
Naturnahe Wälder besitzen - im Gegensatz zu den Wirtschaftsforsten - deutlich höhere Holzvorräte, ohne dass man hierbei von einer schädlichen Überhöhung sprechen kann. Wer angeblich überhöhte Holzvorräte kritisiert, hat das Ökosystem Wald nicht verstanden und handelt dementsprechend unverantwortlich.