Petition updateWälder sind keine Holzfabriken - es reicht!!!Forstwirtschaft am Scheideweg: Bewirtschaftung ältere Buchenbestände muss sich grundlegend ändern
Susanne EckerGermany
9 Nov 2021

Bundesweit werden infolge des Klimawandels zunehmend derzeit große Trockenschäden auch in den einheimischen Buchenbeständen beobachtet. Der Naturschutz-Experte Norbert Panek (Korbach) und der Biologe Markus Schönmüller (Bad Wildungen-Hundsdorf) trafen sich kürzlich mit dem Marburger Langstreckenwanderer und ehemaligen Förster Gerald Klamer, um sich Altbuchenbestände im Umfeld des Nationalparks Kellerwald-Edersee näher anzuschauen. Klamer befindet sich derzeit auf einer mehr als 5.500 Kilometer langen Wandertour durch Deutschlands Wälder und hatte in diesen Tagen auch im Kellerwald Station gemacht.

Auf seiner Tour durch Deutschland hatte Klamer schon häufig Buchenwälder gesehen, die durch sogenannte Schirmschläge stark aufgelichtet wurden. Durch diese Bewirtschaftungsmaßnahme wird das schützende Kronendach der Altbuchen geöffnet, wodurch großflächig viel Licht und Wärme in das Bestandsinnere eindringt. Bei längeren Hitzeperioden trocknet der Waldboden aus. Freistehende Bäume leiden verstärkt unter „Sonnenbrand“ und halten diesen Trockenstress auf Dauer nicht aus. Die Folge: Die Buchen werden massiv von Wollschildläusen und anschließend von Pilzen befallen; die Kronen der Buchen werden dürr und sterben ab. Bekannt ist dieses Phänomen schon seit Jahren unter dem Begriff „Buchen-Komplexkrankheit“.

Panek und Schönmüller hatten schon vor einigen Jahren ältere Buchenbestände im Kellerwald außerhalb des Nationalparks näher untersucht und festgestellt, dass die Holzvorräte fast sämtlicher Bestände stark abgesenkt wurden und im Zuge der fortgeschrittenen Schirmschläge große Waldlücken entstanden sind. Zurückbleibt dann zumeist eine flächige Monokultur aus nahezu gleichaltrigen Jungbuchen, die wieder zu einem mehrfach durchforsteten, strukturarmen bzw. einheitlichen Altersklassenbestand heranwachsen. Davon betroffen sind Buchenbestände sowohl im öffentlichen als auch im privaten Wald.

Die starke Öffnung der geschlossenen Waldbestände durch Schirmschlag führe nicht nur zu starken Austrocknungseffekten und Schädlingsbefall, sondern auch zum Verlust waldtypischer Strukturen. Ohne ein geschlossenes Kronendach können viele Wald-Arten, die es von Natur aus eher kühl und schattig mögen, auf Dauer nicht überleben. Studien aus der Schweiz haben herausgefunden, dass der Verlust der schützenden Baumkronen zu einer starken Erwärmung des Waldbodens führt und dort lebende, meist nur bedingt anpassungsfähige Arten verdrängt werden.

„Die menschengemachte Dürre wurde durch die nicht buchengerechte Bewirtschaftung noch verstärkt“, sagt Klamer. Das habe dazu geführt, dass Kühleffekte verlorengehen, die natürliche Pufferwirkung der Waldbestände weiter eingeschränkt wird und die Ökosysteme dadurch dramatisch geschwächt wurden. Diese Art der Forstbewirtschaftung werde in der gegenwärtigen Diskussion nicht einmal ansatzweise in Frage gestellt.

Klamer, Panek und Schönmüller fordern deshalb ein Forstmanagement, das in ökologischen Zusammenhängen denkt und agiert und sich an dem Begriff „Naturnähe“ orientiert. Naturnähe bedeute vor allem: Stärkung der Regenerations- und Anpassungsfähigkeit der Wälder – eine wichtige Eigenschaft, um im derzeitigen Klimastress zu bestehen.

Den vollständigen Bericht weiterlesen auf der Homepage der BBIWS...

 

Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X