Rehabilitierung von Marcel Bohnert

Rehabilitierung von Marcel Bohnert

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Dem Leiter eines Social-Media-Teams im Bundesministerium der Verteidigung, Oberstleutnant Marcel Bohnert, wurde seitens der ARD-Sendung PANORAMA vom 23.07.2020 unterstellt, mit „Rechtsradikalen zu sympathisieren“. Anlass für diese Behauptung ist sein zweifaches „Liken“ von Beiträgen eines Instagram-Nutzers, welcher mit der Identitären Bewegung sympathisiert.

Inzwischen hat sich die Sache insoweit aufgeklärt, dass Herr Bohnert einem flüchtigen Bekannten folgte, der aufgrund militäraffiner Themen und gemeinsamer Erfahrungen in Kampfeinsatz in Afghanistan in sein Sichtfeld geraten war. Hierzu hat Herr Bohnert u. a. in der BILD und im SPIEGEL auch Stellung genommen und Fehler eingeräumt. Seine Ausführungen klingen für mich plausibel.

Wer Marcel Bohnert kennt, weiß, dass er jede Form des Extremismus verabscheut und sich für Diversität und Integration in der Bundeswehr einsetzt. Scrollt man beispielsweise die Timeline seines Instagram-Profils herunter, offenbart sich dies in seinen Beiträgen. So z. B. in seinem Posting („Ein sichtbares Zeichen für die #Vielfalt unserer Truppe“) mit Dr. Ntagahoraho Burihabwa, dessen Leben als Staatenloser begann, da seinen Eltern die burundische Staatsbürgerschaft entzogen worden war und er anschließend die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt und in der Bundeswehr diente. Auch sein Beitrag („#NeverAgain“) vom 27.1.2019 anlässlich des Holocaust-Gedenktages hätte PANORAMA bei gründlicher Recherche zu denken geben müssen, dass hier vielleicht doch keine Sympathie für rechtsradikales Gedankengut vorzufinden ist. Marcel Bohnert hat in den letzten Jahren zudem mehrere Bücher und unzählige Aufsätze geschrieben, in denen er seine Sicht auf das Verhältnis von Bundeswehr und Gesellschaft transparent darlegt und durch deren Lektüre es ein leichtes gewesen wäre, sich von seiner festen demokratischen Grundeinstellung zu überzeugen. Ein Bundeswehrangehöriger schreibt am 28.7.2020 über Marcel Bohnert: „2018 haben mich in Berlin Leute angepöbelt wegen meines nichteuropäischen Aussehens in deutscher Uniform. Marcel Bohnert war da, er hat konstruktiv mit solchen Leuten diskutiert und gezeigt, dass Herkunft keine Rolle spielt.“

Viele Leser warfen der PANORAMA-Redaktion im Kommentarbereich des Beitrages oberflächliches Arbeiten und Rufmord vor. Dies veranlasste PANORAMA am 26.7.2020 wohl zu einer Rechtfertigung angesichts "schräger Vorwürfe" in eigener Sache. Dort stellt sich die Redaktion unter anderem selbst die Frage: „Hat Panorama Bohnert ‘wegen ein paar Likes‘ hingehängt?“ und antwortet, man habe lediglich „Verdachtsberichterstattung“ geleistet. Diese, so die Redaktion, sei legitim, „denn um Missstände aufzudecken, können und dürfen Journalisten nicht abwarten, bis Vorwürfe dienst-, straf- oder zivilrechtlich geklärt sind.“ Dies mag zwar richtig sein. Aber es ist journalistische Pflicht, gerade in so einem Fall, der geeignet ist, einen Menschen die Karriere zu zerstören und ihm irreparablen Rufschaden zuzufügen, sich doch bitte erst einmal ein Gesamtbild zu verschaffen! Dies fand offensichtlich nicht statt, denn zum einen lässt Panorama die o. a. Postings zu Integration und seine Abgrenzung gegen Rechts unerwähnt. Und die zahlreichen in seinen Beiträgen verlinkten Soldaten mit Migrationshintergrund wurden durch Panorama offensichtlich auch nicht kontaktiert. Auch kein Wort über seine Bücher.

Auf den PANORAMA-Bericht übernahmen dann selbst renommierte Medien die PANORAMA-Kolportage ungefiltert.

Zudem: Wer wie Marcel Bohnert auf Social-Media-Plattformen und insbesondere auf Instagram unterwegs ist, dort über 15 000 Fans hat und über 600 Konten folgt, kann in heutiger Zeit der digitalen Reizüberflutung den Überblick verlieren, wenn man zwischendurch in der Mittagspause beim Aufruf der App seinen Fans für neue Fotos ein Like hinterlässt. Ebenfalls kann festgestellt werden, dass kein Instagram-Nutzer sich im Feed die von PANORAMA kritisierten Hashtags einzeln anschaut (es sei denn, der Nutzerin/dem Nutzer ist furchtbar langweilig oder sucht krampfhaft nach vermeintlichen Beweisen). Der vollständige Beitragstext und die erwähnten Hashtags sind zudem erst sichtbar, wenn man beim Scrollen jeweils auf „mehr“ zwecks vollständiger Darstellung klickt. Hashtags und Bildbeschreibungen können zudem jederzeit verändert werden, ohne dass der „Likende“ informiert wird.

Für mich ist dieser Vorgang daher gleich in mehrfacher Weise erschütternd.

Erstens: Ein engagierter Angehöriger der Bundeswehr, der sich stets gegen Extremismus jeder Art abgrenzt, erfährt gerade eine Hexenjagd, die geeignet ist, seinen Ruf und seine Karriere zu zerstören. Marcel Bohnert wurde innerhalb der Bundeswehr versetzt. Sein Wunsch ist es, wieder seine ursprüngliche Arbeit machen zu können, die auch seinem Arbeitgeber bislang zugutekam.

Zweitens: Unsere Medienlandschaft auch mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk stellen in Deutschland eine m. E. nach unverzichtbare Säule zum Erhalt der Demokratie dar. Ihre Aufgabe erfüllen die Medien dadurch, dass sie an der freien, individuellen und öffentlichen Meinungsbildung mitwirken, indem sie zu Angelegenheiten von allgemeiner Bedeutung Nachrichten sowie Informationen beschaffen, auf Wahrheit prüfen und dann verbreiten, die jeder Einzelne benötigt, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Gesellschaft den Medien vertraut, d. h. von der Richtigkeit, Wahrheit von Handlungen, Einsichten und ihren Aussagen bzw. der ihrer Redlichkeit überzeugt ist.

Offensichtlich hat PANORAMA keine tiefere Recherche getätigt. Sei es, weil sich das Thema „Rechtsradikalismus und Bundeswehr“ gerade medial (zurecht!) im Fokus steht und ein solcher Beitrag willkommen kam, um die Quote zu steigern. Oder sei es nur aus Faulheit. Dabei wäre eine anschließende Fehlerkorrektur seitens der Redaktion so einfach gewesen und hätte von Größe und Bereitschaft zur Wiederherstellung des Rufes beider Seiten beitragen können. Stattdessen verschlimmert die PANORAMA-Redaktion mit ihrer fadenscheinigen o. a. Rechtfertigung den Vertrauensverlust noch.

Drittens: Unter diesen Vorzeichen kann keine Basis für positive Fehlerkultur geschaffen werden.
Nur wenige Militärnationen der Welt leisten sich den – aus historischer wie pazifistischer Sicht durchaus vernünftigen – Luxus, ein so ambivalentes Verhältnis zu ihrer Armee zu haben, wie wir. Der damalige Generalinspekteur Ulrich de Maizière hat das so formuliert: „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen.“ Jedoch hat die Truppe seit der Aussetzung der Wehrpflicht vor neun Jahren ein Nachwuchsproblem. Marcel Bohnert und sein Team haben mit erfrischender Social-Media-Arbeit die Bundeswehr als Arbeitgeber für junge Leute attraktiv gemacht und mit Social-Media-Vorgaben Bundeswehrangehörigen die Angst genommen, Werbung für ihren Arbeitgeber zu machen.

Sollte Marcel Bohnert, der bereits zugegeben hat, hier nicht vorher sorgfältig geprüft zu haben, nicht rehabilitiert werden, wird dies keine Basis für Angstfreiheit bei der Arbeit schaffen. Und Freidenker, wie sie die Bundeswehr gerade in der jetzigen Situation mehr als dringend benötigt, werden abgeschreckt. So wird es ledglich beim Wunsch vieler Politiker bleiben, rechtsextremistische Tendenzen durch Etablierung eines Querschnittes der Gesellschaft in der Bundeswehr auszumerzen.

Warum ich hinter Marcel stehe und diese Petition verfasst habe? Weil ich als ehrenamtlicher Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit einer ehrenamtlichen Einsatzorganisation in Karlsruhe die bisherige Zusammenarbeit mit Marcel Bohnert immer als wertvoll und bereichernd gefunden habe. Nie habe ich bei ihm Anzeichen festgestellt, den Anspruch aller Menschen auf soziale und rechtliche Gleichheit in Frage zu stellen oder zu bekämpfen oder ein antipluralistisches, antidemokratisches und autoritäres Gesellschaftsverständnis zu haben. Das Gegenteil ist der Fall. Wie er grenze ich mich auch in Beiträgen auf dem von mir administrierten Instagram-Account der Einsatzorganisation von rassistischem und antisemitischem Gedankengut ab. Denn ein freies und selbstbestimmtes Leben für alle erreichen wir nur in einer starken und gerechten Gemeinschaft. Die Freiheit verschieden sein zu können, ist ein kostbares demokratisches Gut.

Jetzt gilt es, ihn zu rehabilitieren und offensichtliche Flüchtigkeitsfehler zu verzeihen.

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Karlsruhe, den 26.07.2020

David Domjahn