Über die Morde in Pirna-Sonnenstein schreibt Dieter Wiebusch aus Pirna wie folgt:
„Der Zwangstransport erfolgte vorbei an den Wachen durch eins der drei Tore in die Busgarage. Dort wurden die Menschen aus dem Bus geholt und ins Gebäude C16 geführt. Im Erdgeschoss bestimmte Dr. Engel oder ein anderer für M. St. fremder Arzt den Einlieferungsgrund: „Bauchspeicheldrüsenentzündung mit hinzugetretener Bauchfellentzündung“ – so lautete die Diagnose im Schreiben mit der Todesnachricht vom 07. Dezember 1940 an die Schwester. M. St. wurde anschließend in den Warteraum im Keller geführt, wo sie sich, zusammen mit 20 bis 30 Frauen und Männern, zur Säuberung entkleiden sollte. Danach trat sie in den Nachbarraum ein, den angeblichen Duschraum, der aber tatsächlich eine hermetisch abgeschlossene Gaskammer war. Aus Flaschen drang Kohlenmonoxid in den Raum und führte zum minutenlangen Todeskampf von M. St.. Ein Mann trug die Leiche in den angrenzenden Raum. Möglicherweise besaß M. St. Goldkronen; ein solcher Nachlass wird im Schreiben als Pfand für den Kostenträger deklariert. Es konnte passieren, dass der Arzt auch die Entnahme des Gehirns zu Forschungszwecken anordnete – dann geschah dies hier. Ein weiterer Mann, einer von mehr als 100 Beschäftigten in der Tötungsanstalt, legte den Leichnam auf eine Metalltrage, die vom Verbrenner anschließend in den Kaminofen im folgenden Raum, dem Krematorium, geschoben wurde. Wenn die Schwester eine Urne mit den Überresten hätte haben wollen, hätte sie sich innerhalb von 2 Wochen melden müssen.
Ansonsten zeigen Grabungen, dass die Asche zumeist den Hang zum Elbtal hinabgeschüttet wurde.
Das Schreiben auf dem Briefbogen der „Landes-Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein“ ist unterschrieben mit „Heil Hitler! i. V. Dr. Engel“. Das geschah auf dem Sonnenstein, im Sichtbereich Pirnas. Ihr „Sterbeort“ war die Gaskammer in der von den Nazis umgewidmeten „Heil- und Pflegeanstalt“, nicht eine bunte Wiese mit weitem Blick auf den Himmel. Die Täter legten Hand an an einem grausam-hässlichen Ort, wo die Opfer unter Geheimhaltung niederträchtig industriemäßig vernichtet wurden. Das Transportmanagement für die nichts ahnenden Menschen in den „Grauen Bussen“ – jeder kannte sie – hat durch die Tore der Pirnaer Busgarage mehr als ein Jahr lang reibungslos geklappt. Erst immer stärker werdende Proteste aus der Bevölkerung (allen voran Bischof Clemens August Graf von Galen in Münster) führten 1942 zum Abbruch der „Aktion T4“ in den zentralen Vernichtungsstätten und zur Verwischung aller Spuren durch die Nazis auf dem Sonnenstein.“Alle Spuren konnten damals nicht verwischt werden. Wird das nun aus Profitgier nachgeholt?
„Baurecht gegen Zeitzeugnis“ unter dieser Überschrift gibt es in der Periodika „Bauwelt“ einen Artikel von Leonardo Costadura. „In Pirna wurde eine fragwürdige Baugenehmigung erteilt: Auf dem Sonnenstein soll ein Haus, das wesentlicher Bestandteil der NS-Mord-Maschinerie war, in ein Ensemble aus Eigentumswohnungen integriert werden. Mit der Gedenkstätte vertraute Bauforscher schlugen im Dezember Alarm, „rückgebaut“ wurde trotzdem. Wie kam es zu Stillschweigen in solch heikler Lage?“ Alles nachzulesen in folgendem Link: https://www.bauwelt.de/rubriken/betrifft/Baurecht-gegen-Zeitzeugnis-4058806.html
Um den Forderungen von fast 3000 Menschen aus nunmehr 20 Ländern gegen solche Machenschaften Nachdruck zu verleihen, ist für den 23. Februar zu 15.00 Uhr eine Protestdemonstration angemeldet. Darum die Bitte: Teilt die Petition weiterhin und gewinnt sowohl Teilnehmer an der Demonstration als auch weitere Unterschriften.