

Rheinische Post 28.4.26
Bürger fordern Entscheidung zu Schlosspark
Nach Protesten gegen Fällungen im Schlosspark sollte Moderationsverfahren Kompromiss herbeiführen.
MOERS (pogo) Das Ringen um den Erhalt von Bäumen im Schlosspark dauert an. Ein moderiertes Verfahren, an dem neben der Stadt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein (GMGV) sowie eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Bäume teilnehmen, will kein Ende nehmen. Ziel war es laut Ratsbeschluss vom Januar 2025, „möglichst vor der Sommerpause ein überarbeitetes Konzept zur Schlossparksanierung zu erarbeiten". Gemeint war wohl die Sitzungspause 2025. Doch im April 2026 ist von einem „überarbeiteten Konzept" noch keine Rede und der GMGV sowie die Bürgerinitiative sind zunehmend frustriert.
In einem Schreiben an den Moderator Jens Stachowicz kritisiert der GMGV-Vorsitzende Peter Boschheiden: „In den durchgeführten und von Ihnen geplanten 'Workshops' geschieht das Gegenteil dieses vom Rat formulierten Ablaufes: Es werden zeit- und kostenaufwändig theoretische Grundlagen durch lange Vorträge, zuletzt vornehmlich von Verwaltungsmitarbeitern vermittelt, die darauf abzielen, den Laien zu der Annahme zu veranlassen, dass die durch die Ratsbeschlüsse vom 16. Januar 2025 ausgesetzten Fällungen eigentlich doch stichhaltig begründet seien." Beim letzten Workshop erhielten Vertreter der Stadt laut Boschheiden „in epischer Breite Gelegenheit, einseitig die Berechtigung ihrer Positionen und Vorhaben darzulegen".
Für den 8. Mai habe der Moderator überraschend einen dritten Workshop angekündigt. Dabei komme man in der Sache keinen Schritt weiter. „Die Sache", das ist für den GMGV die Frage, ob derzeit noch 71 zur Diskussion stehende alte Bäume im Schlosspark gefällt werden, wie von der Stadt ursprünglich beabsichtigt, oder eben nicht.
Auch Christina Josten von der Bürgerinitiative kritisierte am Montag (27. April) eine Theorielastigkeit der Workshops. „Wir finden das Verfahren sehr zäh", sagte sie. „Unser zentrales Thema ist, dass wir absolut dagegen sind, Bäume zu fällen, die derzeit gesund sind und Schatten spenden." Es werde immer weiter hinausgezögert, sich die infrage stehenden Bäume im Park gemeinsam anzuschauen und unter Einbeziehung von Fachleuten über eine Fällung oder einen Erhalt zu entscheiden. Als Fachleute wurden unter anderem der Moerser Baumpfleger Peter van der Zwaag sowie Harald Fielenbach vom NABU benannt. Fielenbach sagte am Montag: „Theorie ist wichtig. Aber es muss jetzt auch etwas entschieden werden."
Der GMGV hat dem Moderator vorgeschlagen, den 8. Mai nicht nur für einen weiteren Workshop, sondern als „Begehungs- und Bewertungstermin der in Rede stehenden Bäume" zu nutzen. Das lehnte der Moderator ab. „Bevor wir uns den 71 Einzelbäumen widmen, will ich die Diskussion über das konkrete Zielbild für den Schlosspark und die Strategie bei der Umsetzung desselben führen", schrieb er in seiner Antwort. „Ich möchte nicht im Schlosspark stehend in der Betrachtung einzelner Bäume feststellen, dass die Teilnehmenden sich in dem jeweils verfolgten Zielbild oder der jeweils verfolgten Strategie zur Umsetzung des Zielbildes nicht einig sind."
Am 4. Mai soll es ein klärendes Gespräch zwischen Moderator, Vertretern des GMGV und der Initiative geben. „Es ist eine etwas verfahrene Kiste", sagte Wilfried Scholten vom GMGV-Vorstand. „Aber wir sind keine Sturköpfe und bieten weiterhin unsere Mitarbeit an."
Bildunterschrift: Die Stadt will den Schlosspark vor dem Hintergrund des Klimawandels zukunftsfähig machen. FOTO: STADT