

WAZ 25.4.26
Es war ein bemerkenswerter Vorgang, der sich im Januar des vergangenen Jahres im Moerser Rathaus zugetragen hat. Der Rat der Stadt hat einen Beschluss zurückgenommen, den er erst im Dezember 2024 gefasst hatte, um die Sanierung des Schlossparks faktisch in die Wege zu leiten. Auf dem Tisch lag seinerzeit das Konzept der denkmalgerechten und zukunftsorientierten Sanierung des Parks. Die Bagger waren bereits angerückt.
In den Monaten zuvor hatte es Workshops und Gespräche gegeben, und seit Sommer 2024 befasste sich die Moerser Politik in ihren zuständigen Fachausschüssen intensiv mit der Thematik. Beim Schlosspark stünden unterschiedliche Ziele im Fokus, neben der Denkmalpflege auch die Steigerung der Biodiversität, hieß es seinerzeit zur Erklärung für diese Pläne. Ein wesentlicher Punkt, über den kontrovers diskutiert und später ausgiebig gestritten wurde, war das Fällen von 139 Bäumen, wie es das Konzept in der ursprünglichen Version vorsah. Im Gegenzug sollten 100 neue Bäume gepflanzt werden – was grundsätzlich ja durchaus zu begrüßen war. Nur: Die Bäume auf der Streichliste sind nicht alle krank.
Das sagt der GMGV über den Schlosspark
Als eine Gruppe Naturliebhaber dessen im frühen Herbst besagten Jahres gewahr wurde, bekam die Schlossparksanierungsentwicklung eine Dynamik, die sich die Verantwortlichen bei der Stadt und bei den beauftragten Büros so vermutlich nicht gewünscht hatten. Mit Unterschriftenaktionen und Demonstrationen. Und: mit Erfolg. Nachdem die Stadt schon zurückgerudert war und nun weniger zu fällende Bäume auf der Liste hatte, wurde Mitte Januar 2025 eine Sondersitzung des Stadtrates einberufen, in der die Entscheidung zurückgenommen und die Umsetzung des Konzeptes, mithin das Fällen der Bäume, gestoppt wurde.
Wir kommen keinen Deut weiter.
Peter Boschheidgen
Der Diskurs wurde neu gestartet. Und wieder gab es Arbeitsgruppen und Gespräche. Dieses Mal aber sollten Naturschützer, Bürgerinitiative und der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein (GMGV) in die Analysen und Planungen einbezogen werden. Denn: Saniert werden soll der Schlosspark nach wie vor – nur sollten eben bestenfalls deutlich weniger als die zuletzt auf dem Papier stehenden 71 Bäume gefällt werden. Ein Moderator sollte die Wogen glätten.
An der Stelle wird nun offenkundig auf der Stelle getreten. Das bemängelt der GMGV. „Wir kommen keinen Deut weiter“, sagt der Vorsitzende Peter Boschheidgen. Zwei Workshops hat es bereits gegeben – die aber offenbar eher theoretischer Natur waren und sich mit einem eher wissenschaftlichen Aspekt der Biodiversität beschäftigten. Ein drittes Treffen ist terminiert.
Das ist der Kern der Debatte in Moers
Der GMGV indes möchte in medias res gehen und in einem gemeinsamen Rundgang den Zustand der Bäume bewerten, die bisher auf der Liste stehen. „Aus meiner Sicht auf den Punkt gebracht: Auch zum 3. Workshop am 8.5. wird die vom Moderator zugesagte Begehung verweigert und der offensichtlich von der Verwaltung beabsichtigten Verzögerung durch den Moderator Stachowitz Vorschub geleistet“, führt der Vorsitzende des GMGV aus. Man wolle den Druck aus der Geschichte nehmen, vermutet Boschheidgen. Und womöglich solle am Ende doch die Sinnhaftigkeit der Fällung aller 71 Bäume stehen.
Er ist überzeugt: Am Anfang müsse die Bewertung des Baumbestandes stehen. Der GMGV plädiert insofern dafür, dass das Treffen Anfang Mai tatsächlich zu einer Begehung und Bewertung genutzt wird. Boschheidgen sieht das durch den Ratsbeschluss aus der besagten Sondersitzung, die seinerzeit für viel Aufsehen und großen Zuschauerandrang im Ratssaal gesorgt hatte, bestätigt. Der Beschluss gebe vor, dass „alle übrigen im Streit der Fällung stehenden Bäume“ unter Beteiligung fachkundiger Vertreter bewertet würden. Aspekte der Biodiversität würden auch bei diesem Vorgehen berücksichtigt, der Leiter des hiesigen Nabu-Ortsverbandes sei mit vor Ort. Dieser habe sich mit besagter Thematik als Referent bereits intensiv befasst.
Kernpunkt sei die Frage, welche Bäume gefällt werden können, sagt Boschheidgen. Dass von den 71 in Rede stehenden Bäumen mehr oder weniger stark vitalitätsreduzierte entfernt werden können, sei klar. „Nur wird die Begehung und Begutachtung des einzelnen Baumes hinausgezögert“, ärgert sich der GMGV-Vorsitzende. Eine solche Entscheidung könne nicht im Abstrakten am grünen Tisch gefällt werden, unterstreicht er. „Das kostet nur Lebenszeit und Geld.“
Der Moderator Jens Stachowitz verteidigt indes das Vorgehen der vergangenen Monate. Sein Ansatz sei, Schritt für Schritt einen Konsens herauszuarbeiten. Man sei beim ersten Workshop „einen guten Schritt weitergekommen“, sagt er über den Verlauf des Treffens. Dabei sei es inhaltlich um die Zielvorstellungen gegangen. Der zweite Workshop habe sich mit englischen Landschaftsgärten befasst, die auch von dem bedeutenden Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe gestaltet wurden. Diese zeichneten sich durch bestimmte Eigenschaften aus, erklärt der Moderator. Er spricht mit Blick auf den Park auch von einem Bild. Aus seiner Sicht gibt es unter den beteiligten Gruppen des aktuellen Prozesses eine weitreichende Übereinstimmung – bis auf die Frage: Darf man Bäume entfernen, die dem Bild nicht entsprechen?
Das sagt der Moderator zum weiteren Vorgehen in Moers
An dem Punkt benennt Stachowitz unter anderem die Bergahorne, die sich selbst ausgesät hätten und mittlerweile zu stattlichen Bäumen herangewachsen seien. Diese verwischten das Bild des Landschaftsarchitekten. Das Problem: Um diese Bäume habe sich die Stadt nicht gekümmert. Der Moderator möchte nun das nächste Treffen nutzen, um sich mit dem Zielbild zu befassen, also der Frage, wie der Schlosspark konkret aussehen soll. Dazu gehöre die Frage: „Ist es legitim, zur Herstellung eines Ziels Bäume zu fällen, oder muss man abwarten, bis die Vitalität der Bäume nicht mehr gegeben ist?“
Das klingt abermals eher abstrakt und dürfte den GMGV weiterhin wenig befriedigen. Einen genauen Zeitplan mit Benennung auch praktischer Schritte mag Moderator Stachowitz derzeit nicht benennen und spricht erneut von einem größtmöglichen Konsens. Peter Boschheidgen ist trotz allen Unmuts gleichwohl sicher, dass man bei der Schlossparksanierung einen Kompromiss erreichen wird.