Transparenz auf #Wikipedia! #wikitransparenz

Das System des Online-Lexikons „Wikipedia“ (deutsche Version: https://de.wikipedia.org) ist intransparent und muss dringend reformiert werden. Redakteure und Administratoren der „Wikipedia“ können bisher anonym bleiben. Bei einzelnen Korrekturen von Nutzern werden im Zweifelsfall nur IP-Adressen gespeichert, die spätestens auf längere Sicht keinerlei Urheberschaft mehr als nachweisbar erhalten. Die Info-Seite über die Funktionsebene der „Administratoren“ enthält weder Bemerkungen zu einem Begriff wie „Klarname“ noch problemorientiert zum Aspekt der „Anonymität“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Administratoren).

Diese Funktionsweise ist das Einfallstor für intransparente, undemokratische und manipulative Einwirkungen auf das Online-Lexikon. Jede Art der Einflussnahme ist hierdurch möglich: Vertretung individueller Interessen, kommerzielles Engagement einzelner oder sogar organisierter bezahlter Autoren im Auftrag von Industrie-Unternehmen, politisch motivierte Korrekturen durch Geheimdienste einzelner Staaten.

„Wikipedia“ hat gedruckte Lexika weitgehend vom Markt verdrängt und ist von seinem Umfang her anderen Nachschlagewerken des Internets überlegen. Deshalb ist es im Interesse der Allgemeinheit, die Möglichkeiten der Manipulation von Inhalten zu reduzieren. Erst hierdurch wird der Anspruch eingelöst, durch einen kollektiven Diskussionsprozess zu möglichst objektiven sprachlichen Darstellungen zu kommen. In der bisherigen Weise sind unter dem Schutz der Anonymität Akteure im Vorteil, die – im Falle etwa von Werbeagenturen oder Geheimdiensten – mit verborgenen finanziellen Ressourcen vordergründig ehrenamtliche anonyme Mitarbeiter zu Interessensvertretern machen. (Siehe dazu auch die Studie „Verdeckte PR in Wikipedia“.)

Vorübergehende Ungleichgewichte und Diskussionsprozesse sind auf einer Plattform wie „Wikipedia“ unvermeidlich. Es fällt jedoch auf, dass die Qualitätskriterien für Artikel selektiv angewendet werden. Ein wesentlicher Faktor sind hierbei bestimmte Sensibilitäten: Einträge etwa zu kurzlebigen Phänomenen der Popkultur sind seltener einer Diskussion über ihre Relevanz ausgesetzt. Sind politische oder kommerzielle Interessen durch kritische Argumente innerhalb eines Artikels oder seitens der darin besprochenen Personen und Publikationen tangiert, entstehen schnell sog. edit wars, ‚Kriege‘ der Redakteure um die dauerhaft zu übernehmenden Formulierungen. Hierbei ist es dann mitentscheidend, ob es eine größere Zahl versteckter Interessensvertreter innerhalb der Wikipedia-Community gibt und ob sich Administratoren neutral verhalten. Solche Administratoren wurden zuvor wahlweise ohne Preisgabe ihrer bürgerlichen Identität intern für ihre Funktion von ebenso anonymen Teilnehmern gewählt.

Durch Aufhebung der Anonymität für jeden, der in der „Wikipedia“ Änderungen vornimmt, zumindest aber für Redakteure und Administratoren, wäre der erste einfache Schritt getan, um etwaige Einflussnahmen aus politischen oder kommerziellen Interessen zu vermeiden, die sich außerhalb des Pluralismus von Weltanschauungen und indviduellen Urteilen bewegen, der in menschlicher Kommunikation unvermeidbar und in freiheitlichen staatlichen Grundordnungen gefordert ist.


Unterzeichner

Markus Fiedler
Daniel Hermsdorf
Peter Menne
Jochen Mitschka
Hermann Ploppa
Stefanie Seide

 

Ergänzende Informationen

https://docs.google.com/document/d/1ijql8pBCjpn5VqnYt2MPUfBuownw61kb9rJNGyeGdcY
(Shortlink: http://bit.ly/1PMcrHT)


Kontakt

dh [at] filmdenken.de

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