Stoppt die Rente mit 70 - Psychische und körperliche Belastung muss zählen!

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Das Problem

45 Jahre am Bett stehen – und dann bestraft werden?

Mein Name ist Jenny Kuhnert. Ich arbeite als Fachpflegekraft für Anästhesie und Intensivmedizin am Deutschen Herzzentrum der Charité in Berlin und arbeite seit meinem 19. Lebensjahr im Pflegeberuf.

Stell dir vor, du bist 60 Jahre alt. Seit fast vier Jahrzehnten arbeitest du im Schichtdienst – auch an Wochenenden, Feiertagen und nachts. Du hast Kinder großgezogen und dafür deine Arbeitszeit reduziert. Heute arbeitest du noch immer in Teilzeit: Aber nicht, weil du mehr Freizeit möchtest, sondern weil dein Mann vor einem Jahr einen Schlaganfall hatte. Nach deinem Dienst beginnt zu Hause also die nächste Pflegearbeit.

Weniger Arbeitszeit bedeutet weniger Einkommen. Weniger Einkommen bedeutet weniger Rente. Gleichzeitig hinterlassen Jahrzehnte körperlicher und psychisch belastender Arbeit und Schichtdienst ihre Spuren.

Und die Politik sagt: Arbeitet doch einfach noch ein paar Jahre länger?

Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem: Wenn wir über das Renteneintrittsalter sprechen, dürfen wir nicht nur darüber reden, wie lange Menschen arbeiten können. Wir müssen darüber reden, unter welchen Bedingungen sie Jahrzehnte gearbeitet und gelebt haben.

Mit Ende 60 noch im Schichtdienst buckeln?

Ich arbeite seit vielen Jahren in der Intensivpflege. Ich liebe meinen Beruf. Aber wenn ich mir vorstelle, mit Mitte oder Ende 60 noch im Schichtdienst auf einer Intensivstation zu arbeiten und dabei über Stunden hochkonzentriert Verantwortung für schwerstkranke Menschen zu tragen, frage ich mich ganz ehrlich: Wie soll das gehen?

Jahrzehntelange körperlich fordernde Arbeit hinterlässt Spuren. Gleiches gilt für Nacht- und Schichtarbeit, hohe psychische Belastung und fehlende Erholungszeiten. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen Zusammenhänge mit Muskel-Skelett-, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Schlafstörungen sowie psychischen Beschwerden (AWMF Studie). Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO stuft Nachtarbeit sogar als „wahrscheinlich krebserregend“ ein (BIPS Leibniz Institut). 

Gerade in körperlich belastenden Berufen zeigt sich zudem ein weiteres Problem: Beschäftigte arbeiten teilweise trotz Schmerzen und gesundheitlicher Einschränkungen einfach weiter. Wenn Schmerzmittel benötigt werden, um zu arbeiten, dürfen wir das nicht als normal hinnehmen. Irgendwann geht es nicht mehr darum, ob jemand noch bereit ist zu arbeiten. Es geht darum, ob der eigene Körper und die eigene Psyche diese Arbeit überhaupt noch zulassen.

Wer den Laden am Laufen hält, hat sich die Rente verdient!

Fakt ist: Jeder Mensch verdient es, in Rente zu gehen. Doch nicht jedes Arbeitsleben belastet Körper und Psyche gleichermaßen. Jahrzehnte körperlicher Schwerarbeit, Nacht- und Schichtdienste oder hoher psychischer Belastung können einen verdammt großen Unterschied machen.

Trotzdem orientiert sich unser Rentensystem vor allem an Alter und Versicherungsjahren. 45 Versicherungsjahre sagen aber nichts darüber aus, was diese Jahre einen Menschen gesundheitlich gekostet haben. Im Gegenteil: Untersuchungen des DIW zeigen, dass gerade besonders belastete Beschäftigte teilweise keine 45 anrechenbaren Versicherungsjahre erreichen.

Umso unverständlicher sind die aktuellen Reformpläne: Die Alterssicherungskommission hat am 23. Juni 2026 empfohlen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Die Bundesregierung will die Empfehlungen nun in einem umfassenden Rentenpaket noch in diesem Jahr umsetzen. 

Doch genau das Gegenteil müsste doch passieren: Wer jahrzehntelang einen körperlich schweren Beruf ausgeübt hat, muss gesondert beim Renteneintrittsalter berücksichtigt werden. 

Als wenn das nicht ausreicht, bringt die Politik zusätzlich die Rente ab 70 wieder ins Spiel. Für all diejenigen von uns, die mit ihrem Körper den Laden am Laufen halten – von der Pflegefachkraft bis zum Dachdecker – ist das ein derber Schlag ins Gesicht.

Es reicht, Frau Arbeitsministerin Bas! Stoppen Sie die Rente mit 70 und sorgen Sie für ein faires Rentensystem!

Wir schauen nicht länger nur zu! Wann ein Mensch in Rente geht, darf sich nicht allein daran orientieren, wie alt er ist oder wie viele Versicherungsjahre er erreicht hat. Die tatsächliche Belastung eines Erwerbslebens muss deutlich stärker berücksichtigt werden.

Wir fordern von der Bundesministerin für Arbeit und Soziales Bärbel Bas:

  • Keine Rente mit 70 – und zwar für alle Berufe.
  • Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren – die geplante Abschaffung darf nicht ins Gesetzespaket
  • Sicherung des Kriteriums „Schwerarbeit” für einen früheren Renteneintritt – für Pflege, Rettungsdienst, Handwerk, Feuerwehr, Landwirtschaft, Erziehung und vergleichbar körperlich und psychisch belastende Berufe.


Wir sind viele, die in systemrelevanten Berufen in Deutschland arbeiten – und werden jetzt erst richtig laut!

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Jenny KuhnertPetitionsstarter*inIch bin Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Anästhesie und Intensivmedizin in Berlin. Darüber hinaus bin ich Mutter, Pflegeaktivistin und Demokratin. Für ein faires Miteinander, eine lebenswerte Zukunft und ein gerechtes Gesundheitssystem.

Die Entscheidungsträger*innen

Bärbel Bas
Bärbel Bas
Bundesministerin für Arbeit und Soziales

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