Professor Dr. Kristina WolffGermany
Feb 8, 2019

Liebe Unterstützer*innen, liebe Community,

zu verschiedenen Einlassungen nehme ich gerne wie folgt Stellung:

1.) Als Wissenschaftlerin, als Frau und als Bürgerin dieses Landes steht es mir frei, den Fokus meiner Petition selbst zu wählen. Dabei verschweige ich an keiner Stelle, dass es auch Männer gibt, die von häuslicher Gewalt betroffen sind - sie sind, u.a. auf Grund des marginalen Gesamtanteils, nicht mein Thema.

2.) Das "marginal" wird an Hand der offiziellen Statistik des BMFSF deutlich: "Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu fast 100 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es fast 90 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sowie bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind 81 Prozent der Opfer Frauen." (*)

3.) Wem o.g. Aspekt wichtig scheint, dem schlage ich vor, eine eigene Petition zu starten, zu recherchieren, zu dokumentieren, zu veröffentlichen und zu versuchen, binnen eines Monats mehr als 50.000 Menschen zu überzeugen. Akzeptieren Sie dabei den Umstand, dass ich nicht Ihre Assistenz bin.

4.) Der immer wiederkehrende Vorwurf, ich würde in unserem Rechtssystem eine, die Frauen im Verhältnis zu anderen Menschen begünstigende Gesetzesänderung anstreben, entbehrt jedweder Grundlage: Bereits in meinem Update "Aus gegebenem Anlass" vom 31.01.2019 ist nachzulesen, dass ich Gesetzesnovellen anstoße, von denen letztlich auch Männer profitieren.

5.) Von jedweder Form der ausländerfeindlichen Hetze distanziere ich mich explizit: In meinen Augen ist es für die gequälten und/oder getöteten Frauen absolut irrelevant, welche Staatsbürgerschaft der Täter hat. Allen Prüffall-Anhänger*innen, die hier (meist qua mansplaining) suggerieren, mit Missachtung der Genfer Konventionen sei das Problem Femizid gelöst und so versuchen, den gemeinsamen Nenner, DIE MÄNNLICHE, TODBRINGENDE GEWALT GEGEN FRAUEN aufzuweichen, erteile ich eine klare Absage.

6.) Für gleichermaßen irrelevant halte ich relativierende „Begleitumstände“, wie bspw. Alkohol, Drogen, Religiosität etc. pp. Es geht um das, nicht wiederbringbare, Leben von Frauen!

Aussagekräftige Daten sind DIE elementare Basis für eine nachhaltig zielführende Diskussion, bzw. für das Einführen effizienter Programme und Gesetze. Diesbezüglich beachtenswert ist die aktuell praktizierte Zeitschiene: Frau Ministerin Dr. Barley und Frau Ministerin Dr. Giffey nehmen im November 2018 Stellung zur Statistik des Jahres 2017. Anders formuliert: Wärend bspw. die Industrie überlebenssichernde Maßnahmen an Hand valider forecasts einleitet, sind die beiden politisch Verantwortlichen sich nicht zu schade, Datenmaterial mit 10-11monatiger Verzögerung bekannt zu geben, auf eine Telefonhotline zu verweisen und ein peinliches Budget für die Folgejahre anzukündigen.

Intransparenz ebenso, wie bewusst hinausgezögerte Öffentlichkeitsarbeit sind ein sehr großer Teil des Problems.

Gleiches gilt für die ministerialen Maßnahmen: „Um häusliche Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, fordert Justizministerin Barley eine Veränderung des gesellschaftlichen Klimas.“ (*) So viel zielführender Input von einer Bundesjustizministerin, die sich auf Twitter und Insta jeweils im ersten Buzzword als „Feministin“ ausweist?

Die Kollegin, Bundesfamilienministerin Dr. Giffey, steht dem in Nichts nach: „Der Bund steuert 2019 erst einmal 5,1 Millionen Euro für Modellprojekte und 2020 rund 30 Millionen für den Ausbau (Anm. der Hilfestrukturen) bei.“ (**)

In Relation zum, vom Bund seit 11 Jahren mitgetragenen MILLIARDEN-Grab BER sind diese, für die ferne Zukunft in Aussicht gestellten Budgets maximal einen Pelosi-Applaus wert. Und, in Anbetracht der Dringlichkeit der Thematik, auch die Frage danach, inwiefern zwischenzeitlich § 323c StGB, der Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung, erfüllt ist.

Danke an Alle, die weiterhin unermüdlich multiplizieren und zum Unterzeichnen motivieren, um weitere Tötungsdelikte einzuschränken!

Ihnen/Euch allen eine gute und gewaltfreie Zeit,
Prof. Dr. Kristina Wolff

 (*)  https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/haeusliche-gewalt/80642

(**) https://www.tagesschau.de/inland/barley-tagesthemen-101.html

(***) https://www.welt.de/politik/deutschland/article181577392/Haeusliche-Gewalt-Franziska-Giffey-plant-mehr-Frauenhaeuser.html

 

 

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