Stoppt das neue RUB-E-mail-Konzept - Für den Erhalt lebenslanger @rub.de E-Mail-Adressen


Stoppt das neue RUB-E-mail-Konzept - Für den Erhalt lebenslanger @rub.de E-Mail-Adressen
Das Problem
TL;DR: Die RUB wird Ihre Email-Adresse löschen und sogar neu vergeben, obwohl sie als lebenslang garantiert wurde.
Das hat viele Nachteile: Vertrauensbruch, Schaden an der Wissenschaft, Prestigeverlust, Unnötige Kosten, Accountverlust und Accountdiebstahl, Identitätsdiebstahl, Leaks von privaten Emails, Bruch des Briefgeheimnis, Schaden am Alumni-Netzwerk, Gebrauchte Postfächer mit tonnenweise Spam, Namensverwirrung und illusorische Reduktion von Namenskollisionen. (Details siehe unten).
Wir stimmen dagegen!
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Das Neue Konzept …
In der Sitzung vom 29.04.2021 verabschiedet das Rektorat der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ein neues Email-Konzept. Dieser Beschluss hat folgende Konsequenzen:
- Studierende, Alumni, Wissenschaftler und Mitarbeitende verlieren ihre Email-Adressen nach Verlassen der RUB.
- Studierende verlieren ihre derzeitige Email-Adresse, erhalten stattdessen eine @edu.rub.de.
- Alte Email-Adressen können nach 5 Jahren neu vergeben werden.
- Nur noch Mitarbeitende bekommen @rub.de Adressen
… bricht das alte Versprechen
Diese Änderungen sind im direkten Widerspruch zu der Amtlichen Bekanntmachung 2004 §3 Abs 2, nach welcher der Zugriff auf die Grunddienstleistungen der RUB für alle zeitlich unbefristet garantiert wird, auch nach Verlassen der RUB.
“Die Berechtigung zur Nutzung der Standarddienstleistungen wird den Nutzern der Grunddienstleistungen, den Studierenden, den Gruppen- und Personalvertretungen sowie den unbefristet eingestellten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ohne zeitliche Begrenzung erteilt. Alle sonstigen Zugangskennungen werden in der Regel für die Dauer der Zugehörigkeit zur Ruhr-Universität ausgestellt.” (§3 Absatz 2 Amtlichen Bekanntmachung 2004)
Laut §1b ebenda ist die Bereitstellung der Emaildienste eine Standarddienstleistung der RUB.
Email-Adressen wurden immer als lebenslang garantiert kommuniziert. Seitdem haben viele zehntausende Studierende und Mitarbeitende mit dieser Garantie geplant.
Das damalige Rektorat empfindet diese eigene amtliche Bekanntmachung jedoch als rechtlich nicht bindend, und setzt sich deshalb stillschweigend darüber hinweg. Aus Gründen, die nicht nachvollziehbar sind.
Gründe des Rektorat-Beschluss
Laut des Sitzungprotokolls, in welchem das neue Email-Konzept vorgestellt wurde, gab der damalige Rektor an, dass das neue Email-Konzept “als Konsequenz des Hackerangriffs erarbeitet wurde” ( Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21).
Es wird nicht weiter kommuniziert, was dieser “Hackerangriff” sei und auf welche Weise das neue Email-Konzept vor diesen “Hackern” schützen soll.
In mehreren Telefonaten mit IT-Services, mit dem Datenschutzbeauftragen sowie mit dem Studierendensekretatiat wurde die angebliche Notwendigkeit des neuen Email-Konzepts begründet wie folgt:
- Es gebe zu viele Namens-Kollisionen aufgrund der großen Menge an registrierten Email-Adressen und Email-Adressen mit Kürzel seien unästhetisch.
- Ehemalige Mitarbeiter der RUB sollen nach Ende des Arbeitsverhältnis keinen Zugriff mehr auf interne Arbeitskommunikation haben, und dies müsse mit Entzug aller @rub.de Adressen umgesetzt werden.
- Email-Adressen, die auf @rub.de enden, würden nach außen hin “zu offiziell” wirken und sollen fortan nur Mitarbeitenden gehören.
- Software-Lizenzen für Software würden pauschal an @rub.de vergeben und das System würde von Alumni missbraucht.
Kommunikation durch IT-Services
Seit 2022 publiziert IT-Services Nachrichten über den Status der technischen Implementierung des neuen Konzeptes.
Dort wird nicht beschrieben, dass der Hauptantrieb Hackerangriff sei, sondern die ästhetische Verschönerung der Email-Adressen durch die Reduktion von Namenskollisionen.
Auf der Website von IT-Services gibt es eine FAQ, in welcher angegeben wird, dass das neue Konzept der klareren Zuordnung des Status einer Person innerhalb der Uni dient, und die ästhetische Verschönerung der Emailadressen durch die vermeintliche Reduktion von Namenskollisionen. Der vom damaligen Rektor in der Senatssitzung angegebene Grund des “Hackerangriffs” findet sich hier nicht.
Weiterhin sagt IT-Services “Die Einschreibeordnung der RUB regelt bereits jetzt klar, dass die RUB-Adresse nur für dienstliche oder Studienangelegenheiten bestimmt ist.”, was falsch ist und im direkten Widerspruch mit der amtlichen Bekanntmachung steht, denn eine private Nutzung ist explizit erlaubt.
Auf die Frage, ob die RUB-Adresse privat genutzt werden darf, schreibt IT-Services weiterhin “In der Einschreibeordnung [defekter Link] ist festgelegt, dass die RUB-Adresse primär für Verwaltungszwecke verwendet werden soll. Des Weiteren ist der Benuterordnung [sic] [defekter Link] von IT.SERVICES zu entnehmen, dass die private Nutzung nur in einem geringen Maß geduldet wird.”.
“In geringem Maße geduldet” ist unpräzise formuliert, denn es bedeutet "Ja". Dass in der Einschreibeordnung 2016 geregelt sei, dass die RUB-Email-Adresse nicht privat genutzt werden darf, ist falsch.
### Das neue Konzept richtet Schaden an - Die lange Liste von Gefahren ###
Für das neue Email-Konzept wurden folgende Nachteile, Gefahren und Risiken identifiziert.
## 1) Vertrauensbruch
In der Amtlichen Bekanntmachung 2004, die vom Rektor unterschrieben wurde, wird ein unbefristetes Nutzungsrecht garantiert.
Wenn das Rektorat diese Amtlichen Bekanntmachungen im Alleingang und trotz Widerspruch aus dem Senat ignorieren und ändern kann, haben diese Amtlichen Bekanntmachungen keinerlei Bedeutung.
“Da den ehemaligen und aktuellen Studierenden zudem eine lebenslange Mail-Adresse zugesagt wurde, erwarte sie für diese Personengruppe einen Bestandsschutz. [...] Der Rektor [...] weist [...] darauf hin, dass es keine verbindliche Zusage für eine lebenslange Mailadresse gab.” (Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21)
Wenige Sätze vorher wird der Rektor im Protokoll zitiert und bezeichnet die Email-Adressen selber als lebenslang: “Das Konzept der lebenslangen Mailadresse sei dauerhaft nicht aufrecht zu halten gewesen” (ebenda).
Die Amtliche Bekanntmachung 2004, in welcher der lebenslange Zugriff auf Emails zugesagt wird, wurde vom damaligen Rektor der RUB unterzeichnet.
Der Entzug der Email-Adressen ist ein Vertrauensbruch, in welchem das damalige Rektorat für zehntausende Menschen gravierende Konsequenzen in Kauf nimmt für einen vernachlässigbaren Nutzen, der auch durch eine bessere Lösung erreicht werden kann.
## 2) RUB-Email-Adressen werden für die Forschung nutzlos
Die Email-Adressen auf allen bisherigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden nutzlos, da die Autoren darunter nicht mehr erreichbar sein werden.
Durch die Neuvergabe kann es auch passieren, dass unter den Email-Adressen der Autoren andere Menschen erreichbar sein werden.
Auf unsere schriftliche Anfrage antwortete IT-Services: "Vielleicht stellen Sie sich aber bei Publikationen schon mal auf das internationale Format ein: https://orcid.org/" (Zitat, Email von IT-Services).
ORCID ist zwar für zukünftige Paper eine möglicherweise sinnvolle Empfehlung, jedoch etabliert sich diese Praxis derzeit erst und Email ist noch das vorherrschende und verpflichtende Format.
Für die enorme Zahl der schon veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten ist eine Umstellung auf ORCID leider ohne Zeitmaschine nicht möglich.
Das neue Email-Konzept verursacht damit deutlichen Schaden an der Spitzenforschung der RUB.
Professoren und Wissenschaftler verlieren den Kontakt zu ehemaligen Studierenden, die ihre Karriere in der Industrie fortsetzen. Das starke Netzwerk, aus welchem heraus die RUB industrienahe Forschungsprojekte startet und so den Wirtschaftsstandort Bochum fördert, wird nutzlos.
Da RUB-Adressen durch die Änderung nutzlos werden für langfristigen Kontakt, sind Forscher gezwungen, eine stabile Alternative zu nutzen. Folgedessen werden auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen keine Email-Adressen der RUB genutzt, sondern andere, verlässlichere Anbieter.
Eine Universität, die ihre Forscher zwingt, private Email-Adressen für Veröffentlichungen zu nutzen, verliert durch diese unübliche Praxis enorm an Prestige.
Andere Universitäten machen es besser
Andere Top-Universitäten respektieren ihre Verantwortung für einen verlässlichen, permanenten Emailservice:
- Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bietet lebenslange Email-Adressen: “Die @fau.de-E-Mail-Adresse ist eine persönliche E-Mail-Adresse und gilt auch nach dem Ausscheiden aus der Uni weiter”.
- Auch RWTH Aachen bietet lebenslange Emailadressen “Persönliche E-Mail-Adressen, üblicherweise in der Form vorname.nachname@rwth-aachen.de (oder ältere E-Mail-Adressen in der Form vorname.nachname@post.rwth-aachen.de), können ein Leben lang genutzt werden.”
- Auch unsere Nachbaruniversität Duisburg-Essen bietet Weiternutzung nach Austritt: “Wenn Sie dies wünschen, sind Sie weiterhin über Ihre bekannte E-Mail-Adresse erreichbar”
(edit 08.06.24: Stanford aus Liste entfernt)
Antrag auf Verlängerung
In der Sitzung vom 29.04.21, in welcher das neue Email-Konzept vorgestellt wurde, gab es auch Widerspruch aus dem Senat:
“[Ein Senatsmitglied] sehe allerdings ein Problem bei der Umsetzung hinsichtlich der Publikationstätigkeit von Wissenschaftler*innen. So seien beispielsweise auch viele Emeriti als Herausgeber*innen tätig – diese Personen sollten weiterhin über ihre rub.de-Adresse erreichbar sein. [Das Senatsmitglied] appelliert deutlich, dass bei Wissenschaftler*innen bei Bedarf auf den Alumni-Appendix verzichtet werden sollte. [...] Der Rektor wird dies noch einmal prüfen lassen, weist aber bereits darauf hin, dass damit möglicherweise ein bürokratischer Mehraufwand entstünde, der dies nicht rechtfertige.” (Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21)
Dies betrifft auch Studierende:
“[Ein Senatsmitglied] weist außerdem darauf hin, dass auch Studierende publizieren und [das Senatsmitglied] auf der Basis dieses Konzeptes keinen Anreiz für Studierende sehe, ihre RUB-Mailadresse in diesen Fällen anzugeben. [Das Senatsmitglied] macht deutlich, dass hier kein Unterschied zwischen Studierenden und Wissenschaftler*innen gemacht werden sollte.” (Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21)
Laut der Website von IT-Services sei geplant, dass es möglicherweise einen Antrag zur Verlängerung geben solle. Hierbei ist zu bedenken:
- Der Rektor hat schon festgestellt, dass das möglicherweise zu bürokratisch sei und den Nutzen nicht rechtfertige.
- Die Aussage von IT-Services hat keinerlei Garantie.
- Es wurde nicht gesagt, dass das Antragsverfahren online und unbürokratisch sein wird.
- Laut IT-Services muss der Antrag alle zwei Jahre neu gestellt werden.
- Ein Antrag kann jederzeit grundlos abgelehnt werden.
- Warum solle einem inoffiziellen, noch nicht existenten, vom Rektor bereits gemiedenen, potentiellen Antragsverfahren zur befristeten, nicht-garantierten Verlängerung einer abzuschaffenden Email-Adresse mehr vertraut werden als der Amtlichen Bekanntmachung, in welcher diese Dienstleistung bereits als zeitlich unbefristet garantiert wurde? Damit kann man nicht planen.
## 3) Vermeidbare Kosten durch Arbeitsaufwand für IT-Services
IT-Services hat aufgrund des Rektoratbeschlusses einen hohen Aufwand zur implementierung des Konzepts. Das verursacht Kosten.
Zusätzlich zum derzeitigen Aufwand müsste IT-Services Infrastruktur schaffen für die Buchhaltung über den Studierendenstatus und die fristgerechte Löschung von Postfächern.
Zusätzlich erzeugt das neue Konzept Verwaltungsaufwand.
In der Hochschulbibliographie sind 16.434 Personen verzeichnet, die mit der RUB assoziiert wissenschaftlich publizieren. Jeder davon müsste alle zwei Jahre einen Antrag zur Verlängerung der Emailadresse stellen. Angenommen, ein Antrag sei innerhalb von 30 Minuten bearbeitbar von Erhalt über Prüfung bis zur Verlängerung, ergibt sich ein Aufwand von bis zu 4108 Arbeitsstunden pro Jahr die allein zur Bearbeitung der Anträge zu leisten sind. Für dieses Arbeitspensum müssen zwei bis drei Mitarbeiter in Vollzeit eingestellt werden, was die RUB mehrere Zehntausend Euro an Gehaltskosten pro Jahr kosten wird.
Diese bürokratische, kostspielige Mehrarbeit kann sehr einfach vermieden werden.
## 4) Verlust von Accounts
Haben Sie eine vollständige Liste aller Accounts bei externen Services, die Sie auf Ihre RUB-Adresse registriert haben?
Jeden, den Sie vergessen, werden Sie verlieren.
Bieten all diese Accounts die Möglichkeit, die Email Adresse umzustellen?
Diejenigen ohne Änderungsmöglichkeit werden Sie verlieren.
Jeden Account, den Sie vergessen oder übersehen, werden Sie durch den Entzug der E-Mailadresse verlieren.
Die @edu.rub.de Adresse wird Ihnen nichts nutzen, um Accounts wieder zu erlangen, denn ab 2025 werden Sie darüber keine Emails mehr empfangen, welche an @rub.de verschickt werden.
Laut den Nutzungsbedingungen ist eine private Nutzung der Email-Adresse erlaubt, sofern die private Nutzung nicht mit einer dienstlichen Nutzung im Konflikt steht:
“Eine private Nutzung ist nur zulässig, soweit dadurch dienstliche Belange nicht tangiert werden.” (Amtliche Bekanntmachung 2004, §5).
Folgedessen hat die Entscheidung des Rektorats zur Abschaffung der @rub.de Adressen den potentiellen Verlust vieler privater Accounts zur Folge.
## 5) Account-Diebstahl
Bei Neuvergabe der Email-Adressen können die neuen Inhabenden die Accounts aller vorigen Inhabenden übernehmen, indem sie das Passwort per Email zurücksetzen.
Haben Sie eine vollständige Liste aller Accounts, bei denen ihre RUB-Adresse als Recovery Adresse eingetragen ist?
Denn auch diese können von der nächsten Person mit Ihrem Namen gekapert werden.
Online-Banking. Andere Emailpostfächer. Crypto-Wallets. Versicherungsverträge. Social Network Accounts. Passwortmanager.
Die RUB warb mit lebenslangen Email-Adressen und erlaubt die private Nutzung.
Wer haftet für den Schaden, der durch solche Account-Diebstähle entsteht? Besser ist es, eine solche Situation gar nicht erst entstehen zu lassen.
“[Ein Senatsmitglied] zeigt sich irritiert, weil die studentische Perspektive in das Konzept nicht eingeflossen sei. Darüber hinaus habe sie Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. [...] Der Rektor sieht das Datenschutz-Argument weniger kritisch.” (Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21)
## 6) Identitätsdiebstahl
Würde es Sie stören, wenn Ihre RUB-Adresse an jemand anderes vergeben wird und diese Person sich als Sie ausgibt?
Bei Neuvergabe können die neuen Inhabenden der Email-Adresse sich ohne Probleme für eine/n der VorinhaberInnen ausgeben.
Diese Personen können in Ihrem Namen Emails verschicken und die Antworten erhalten.
Zugriff auf private Kommunikation des/der VorinhaberInnen
Bei Neuvergabe Ihrer Email-Adresse bekommen Fremde Zugriff auf Ihre private Kommunikation.
Das Rektorat sieht Sie in der Verantwortung, alle Personen mit denen sie jemals per Email Kontakt hatten darüber aufzuklären, dass Sie ihre Email-Adresse verlieren werden.
Dieses Vorhaben ist praktisch nicht realisierbar: Über den Verlauf eines Studiums und einer eventuellen angeschlossenen Promotion ist es möglich, mit dutzenden, hunderten oder tausenden Personen per Email Kontakt zu haben.
Wie sollen Lehrende alle ihre vergangenen Studierenden kontaktieren, um ihnen mitzuteilen, dass die Email-Adresse nicht mehr ihnen gehört?
Forschende der RUB sind Teil interdisziplinären Industrieprojekten und internationalen Forschungsprojekten. Sollen alle Projektpartner angeschrieben werden, dass die RUB-Email-Adressen abgeschafft und neuvergeben werden?
Diese Erwartung ist komplett realitätsfern.
In vielen Fällen ist eine Auflistung aller Kontaktadressen nicht möglich, beispielsweise bei Personen die gelesene Emails löschen oder bei unwetterbedingtem Datenverlust.
“Bitte schreiben Sie nie wieder an diese Email-Adresse” - Jede/r InhaberIn einer RUB-Adresse an jede jemalige Kontaktpersonen, 2025.
## 7) Strafbar nach §10 GG und §206 StGB
“Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.” (Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland - Art 10 )
Privat genutzte Email-Postfächer unterliegen dem Briefgeheimnis.
Durch die Neuvergabe von Emailadressen ermöglicht die RUB Zugriff auf privat genutzte Postfächer. Eine Email lässt sich erst als fehl-adressiert erkennen, nachdem sie gelesen wurde. Die Nutzenden der neu vergebene Postfächer werden folgedessen ungewolltermaßen Emails bekommen und lesen, die nicht an sie gerichtet sind. So machen sie sich möglicherweise ungewollt strafbar.
Die RUB als Email-Dienstleister, welcher Fremden Zugriff auf private Kommunikation Fremder erlaubt, macht sich hier möglicherweise der Beihilfe strafbar.
Die RUB macht sich darüber hinaus möglicherweise strafbar nach §206 StGB, da sie als Email-Dienstleister Fremden Zugriff auf private Emails ermöglicht:
“(1) Wer unbefugt einer anderen Person eine Mitteilung über Tatsachen macht, die dem Post- oder Fernmeldegeheimnis unterliegen und die ihm als Inhaber oder Beschäftigtem eines Unternehmens bekanntgeworden sind, das geschäftsmäßig Post- oder Telekommunikationsdienste erbringt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ (§ 206 Verletzung des Post- oder Fernmeldegeheimnisses, Strafgesetzbuch (StGB))
## 8) Kontaktverlust zu Alumni
Sie haben damals mit jemandem zusammen studiert und wollen Kontakt halten?
Sie möchten einen ehemaligen Spitzenforscher der RUB als Referenten für die Konferenzen einladen?
Sie haben eine Ausschreibung für eine Promotion und möchten Sie an AbsolventInnen schicken?
Leider wird dies nicht mehr möglich sein, denn die E-Mailadressen die Sie kennen, wurden gelöscht oder gehören jemand anderem.
Die Alumni-Adresse kennen Sie nicht, denn die hat ein anderes Kürzel als die @rub.de Adresse oder wurde gar nicht erst beantragt - denn die normale Adresse galt ja als unbefristet.
Verteilerlisten mit @rub.de Adressen werden nutzlos, und voller gelöschter Adressen sein. Der Kontakt erlischt.
Dadurch wird das wertvolle Alumni-Netzwerk, mit dem die RUB seit mehr als 50 Jahren der Wirtschaftsstandort Bochum stärkt, zunichtegemacht.
“[Ein Senatsmitglied] weist darauf hin, dass die RUB lange mit der lebenslangen Adresse geworben habe. [Das Senatsmitglied] erkundigt sich außerdem, wie nun die Alumni informiert beziehungsweise eingebunden werden. Der Rektor erhofft sich über diesen Schritt auch einen stärkeren Zulauf für das Alumni-Netzwerk. Dass es aber auch teilweise Unmut geben werde, sei zu erwarten.” (Protokoll des Senats am 29.04.21.)
## 9) SPAM by design! "Gebrauchte" Email-Adressen für Erstis und neue Mitarbeitenden
Neue Studierende an der RUB bekommen gebrauchte Email-Adressen, die schon mal anderen Personen gehört haben.
Sie bekommen den gesamten Spam aller VorinhaberInnen.
Tausende Spam-Email pro Tag.
Die Email-Adresse ist de facto nutzlos, da sie die wichtigen Emails unter der Flut von Spam nicht erkennen können.
Selbst wenn InhaberInnen die NachfolgerInnen schützen wollen, ist das schwierig machber. Ich weiß nicht ob Sie schon einmal versucht haben, auf Spam-Emails zu antworten und sie zu bitten, keinen Emails mehr zu schicken - in der Regel bekommen Sie dann nur noch mehr Spam.
Neue Studierende können sich auf diversen Websiten nicht registrieren, da ihre Adresse in Benutzung sei, weil die VorgängerInnen sich bereits dort registrierten.
Sie bekommen ungewollt den gesamten privaten, gewollten und ungewollten, Datenverkehr aller VorinhaberInnen.
Relevante Nachrichten in einem Postfach zu entdecken, das täglich eine beliebig große Zahl an Spam-Email bekommt, ist anspruchsvoll und macht das Postfach praktisch nutzlos.
Das neue Email-Konzept adressiert dieses Problem nicht.
## 10) Unnötige Verkomplizierung
Durch die Trennung von @edu.rub.de Adressen, @rub.de Adressen, in Kombination mit der Neuvergabe, kann folgendes passieren:
Beispielhaft nehmen wir Sabine Müller als häufigen deutschen Namen. Es gibt zwei gleichnamige Sabine Müllers, die zeitversetzt an der RUB studieren und arbeiten.
- Sabine Müller (Sabine1) beginnt ihr Studium
bekommt sabine.mueller@edu.rub.de. - Eine andere Sabine Müller (Sabine2) beginnt als Angestellte in der Verwaltung der RUB, bekommt sabine.mueller@rub.de.
- Sabine1 beginnt neben dem Studium einen Job als SHK, und
Bekommt wegen Kollision mit Sabine1 eine Adresse mit Kürzel sabine.mueller-abc@rub.de - Sabine1 schließt ihr Studium ab, verlässt die RUB, und
verliert ihre @edu.rub.de Adresse und ihre @rub.de Adresse - Sabine2 beginnt ein berufsbegleitendes Studium an der RUB, und bekommt die alte, freigewordene Edu-Email-Adresse von Sabine 1.
- Sabine1 kommt zurück zur RUB zwecks Promotion als Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
- Leider ist ihre alte Edu-Adresse neu vergeben worden an Sabine2. Sie bekommt also eine neue mit neuem Kürzel sabine.mueller-xyz@edu.rub.de
- Ihre alte SHK-Email-Adresse Adresse ist noch frei, also bekommt sie sabine.mueller-abc@rub.de zurück.
Quizfragen: Welche Email-Adresse gehört nun welcher Sabine?
Das neue Email-Konzept führt zu unnötiger und vermeidbarer Komplexität.
Im alten System hat jede Person eine lebenslange personengebundene Emailadresse. Es ist simpel. Es ist besser.
## 11) Illusorische Reduktion von Namens-Kollisionen
Laut der Website von IT-Services gebe es pro Jahr 400 Kollisionen bei der Vergabe von Email-Adressen an Menschen mit häufigem Namen.
Durch das neue Konzept wird das Problem der Kollisionen aber nicht behoben.
Lediglich die erste Person mit einem häufigen Namen bekommt eine kürzel-freie Email-Adresse, alle weiteren Personen bekommen wieder wie gewohnt ein Kürzel. D.h. wenn 50 Kevin Müller an der RUB gleichzeitig existieren, freut sich 1 Kevin Müller, die 49 anderen haben nur Nachteile.
Diese marginale Verbesserung der ästhetischen Verschönerung von Email-Adressen einiger wenigen Personen steht in keinerlei Verhältnis zu dem Arbeitsaufwand der Postfachmigration sowie dem potentiellen damit verbundenen Schaden an zehntausenden betroffenen Studierenden, WissenschaftlerInnen und Mitarbeitenden.
### Fazit ###
Wir, die Studierenden, Mitarbeitenden, Forschenden und ProfessorInnen der RUB sehen keine Notwendigkeit für das neue Email-Konzepts.
Es wurde mit uns nicht abgestimmt, und ist nicht in unserem Interesse.
Im Gegenteil, es verursacht großen Schaden und muss gestoppt werden.
Mit dieser Petition zeigen wir, wie der Senat und das Rektorat im Sinne der RUB-Angehörigen handeln könnte und das neue Email-Konzept stoppen sollte.
Die RUB hat lebenslange Emailadressen versprochen, und dieses Versprechen muss gehalten werden.
1.314
Das Problem
TL;DR: Die RUB wird Ihre Email-Adresse löschen und sogar neu vergeben, obwohl sie als lebenslang garantiert wurde.
Das hat viele Nachteile: Vertrauensbruch, Schaden an der Wissenschaft, Prestigeverlust, Unnötige Kosten, Accountverlust und Accountdiebstahl, Identitätsdiebstahl, Leaks von privaten Emails, Bruch des Briefgeheimnis, Schaden am Alumni-Netzwerk, Gebrauchte Postfächer mit tonnenweise Spam, Namensverwirrung und illusorische Reduktion von Namenskollisionen. (Details siehe unten).
Wir stimmen dagegen!
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Das Neue Konzept …
In der Sitzung vom 29.04.2021 verabschiedet das Rektorat der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ein neues Email-Konzept. Dieser Beschluss hat folgende Konsequenzen:
- Studierende, Alumni, Wissenschaftler und Mitarbeitende verlieren ihre Email-Adressen nach Verlassen der RUB.
- Studierende verlieren ihre derzeitige Email-Adresse, erhalten stattdessen eine @edu.rub.de.
- Alte Email-Adressen können nach 5 Jahren neu vergeben werden.
- Nur noch Mitarbeitende bekommen @rub.de Adressen
… bricht das alte Versprechen
Diese Änderungen sind im direkten Widerspruch zu der Amtlichen Bekanntmachung 2004 §3 Abs 2, nach welcher der Zugriff auf die Grunddienstleistungen der RUB für alle zeitlich unbefristet garantiert wird, auch nach Verlassen der RUB.
“Die Berechtigung zur Nutzung der Standarddienstleistungen wird den Nutzern der Grunddienstleistungen, den Studierenden, den Gruppen- und Personalvertretungen sowie den unbefristet eingestellten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ohne zeitliche Begrenzung erteilt. Alle sonstigen Zugangskennungen werden in der Regel für die Dauer der Zugehörigkeit zur Ruhr-Universität ausgestellt.” (§3 Absatz 2 Amtlichen Bekanntmachung 2004)
Laut §1b ebenda ist die Bereitstellung der Emaildienste eine Standarddienstleistung der RUB.
Email-Adressen wurden immer als lebenslang garantiert kommuniziert. Seitdem haben viele zehntausende Studierende und Mitarbeitende mit dieser Garantie geplant.
Das damalige Rektorat empfindet diese eigene amtliche Bekanntmachung jedoch als rechtlich nicht bindend, und setzt sich deshalb stillschweigend darüber hinweg. Aus Gründen, die nicht nachvollziehbar sind.
Gründe des Rektorat-Beschluss
Laut des Sitzungprotokolls, in welchem das neue Email-Konzept vorgestellt wurde, gab der damalige Rektor an, dass das neue Email-Konzept “als Konsequenz des Hackerangriffs erarbeitet wurde” ( Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21).
Es wird nicht weiter kommuniziert, was dieser “Hackerangriff” sei und auf welche Weise das neue Email-Konzept vor diesen “Hackern” schützen soll.
In mehreren Telefonaten mit IT-Services, mit dem Datenschutzbeauftragen sowie mit dem Studierendensekretatiat wurde die angebliche Notwendigkeit des neuen Email-Konzepts begründet wie folgt:
- Es gebe zu viele Namens-Kollisionen aufgrund der großen Menge an registrierten Email-Adressen und Email-Adressen mit Kürzel seien unästhetisch.
- Ehemalige Mitarbeiter der RUB sollen nach Ende des Arbeitsverhältnis keinen Zugriff mehr auf interne Arbeitskommunikation haben, und dies müsse mit Entzug aller @rub.de Adressen umgesetzt werden.
- Email-Adressen, die auf @rub.de enden, würden nach außen hin “zu offiziell” wirken und sollen fortan nur Mitarbeitenden gehören.
- Software-Lizenzen für Software würden pauschal an @rub.de vergeben und das System würde von Alumni missbraucht.
Kommunikation durch IT-Services
Seit 2022 publiziert IT-Services Nachrichten über den Status der technischen Implementierung des neuen Konzeptes.
Dort wird nicht beschrieben, dass der Hauptantrieb Hackerangriff sei, sondern die ästhetische Verschönerung der Email-Adressen durch die Reduktion von Namenskollisionen.
Auf der Website von IT-Services gibt es eine FAQ, in welcher angegeben wird, dass das neue Konzept der klareren Zuordnung des Status einer Person innerhalb der Uni dient, und die ästhetische Verschönerung der Emailadressen durch die vermeintliche Reduktion von Namenskollisionen. Der vom damaligen Rektor in der Senatssitzung angegebene Grund des “Hackerangriffs” findet sich hier nicht.
Weiterhin sagt IT-Services “Die Einschreibeordnung der RUB regelt bereits jetzt klar, dass die RUB-Adresse nur für dienstliche oder Studienangelegenheiten bestimmt ist.”, was falsch ist und im direkten Widerspruch mit der amtlichen Bekanntmachung steht, denn eine private Nutzung ist explizit erlaubt.
Auf die Frage, ob die RUB-Adresse privat genutzt werden darf, schreibt IT-Services weiterhin “In der Einschreibeordnung [defekter Link] ist festgelegt, dass die RUB-Adresse primär für Verwaltungszwecke verwendet werden soll. Des Weiteren ist der Benuterordnung [sic] [defekter Link] von IT.SERVICES zu entnehmen, dass die private Nutzung nur in einem geringen Maß geduldet wird.”.
“In geringem Maße geduldet” ist unpräzise formuliert, denn es bedeutet "Ja". Dass in der Einschreibeordnung 2016 geregelt sei, dass die RUB-Email-Adresse nicht privat genutzt werden darf, ist falsch.
### Das neue Konzept richtet Schaden an - Die lange Liste von Gefahren ###
Für das neue Email-Konzept wurden folgende Nachteile, Gefahren und Risiken identifiziert.
## 1) Vertrauensbruch
In der Amtlichen Bekanntmachung 2004, die vom Rektor unterschrieben wurde, wird ein unbefristetes Nutzungsrecht garantiert.
Wenn das Rektorat diese Amtlichen Bekanntmachungen im Alleingang und trotz Widerspruch aus dem Senat ignorieren und ändern kann, haben diese Amtlichen Bekanntmachungen keinerlei Bedeutung.
“Da den ehemaligen und aktuellen Studierenden zudem eine lebenslange Mail-Adresse zugesagt wurde, erwarte sie für diese Personengruppe einen Bestandsschutz. [...] Der Rektor [...] weist [...] darauf hin, dass es keine verbindliche Zusage für eine lebenslange Mailadresse gab.” (Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21)
Wenige Sätze vorher wird der Rektor im Protokoll zitiert und bezeichnet die Email-Adressen selber als lebenslang: “Das Konzept der lebenslangen Mailadresse sei dauerhaft nicht aufrecht zu halten gewesen” (ebenda).
Die Amtliche Bekanntmachung 2004, in welcher der lebenslange Zugriff auf Emails zugesagt wird, wurde vom damaligen Rektor der RUB unterzeichnet.
Der Entzug der Email-Adressen ist ein Vertrauensbruch, in welchem das damalige Rektorat für zehntausende Menschen gravierende Konsequenzen in Kauf nimmt für einen vernachlässigbaren Nutzen, der auch durch eine bessere Lösung erreicht werden kann.
## 2) RUB-Email-Adressen werden für die Forschung nutzlos
Die Email-Adressen auf allen bisherigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden nutzlos, da die Autoren darunter nicht mehr erreichbar sein werden.
Durch die Neuvergabe kann es auch passieren, dass unter den Email-Adressen der Autoren andere Menschen erreichbar sein werden.
Auf unsere schriftliche Anfrage antwortete IT-Services: "Vielleicht stellen Sie sich aber bei Publikationen schon mal auf das internationale Format ein: https://orcid.org/" (Zitat, Email von IT-Services).
ORCID ist zwar für zukünftige Paper eine möglicherweise sinnvolle Empfehlung, jedoch etabliert sich diese Praxis derzeit erst und Email ist noch das vorherrschende und verpflichtende Format.
Für die enorme Zahl der schon veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten ist eine Umstellung auf ORCID leider ohne Zeitmaschine nicht möglich.
Das neue Email-Konzept verursacht damit deutlichen Schaden an der Spitzenforschung der RUB.
Professoren und Wissenschaftler verlieren den Kontakt zu ehemaligen Studierenden, die ihre Karriere in der Industrie fortsetzen. Das starke Netzwerk, aus welchem heraus die RUB industrienahe Forschungsprojekte startet und so den Wirtschaftsstandort Bochum fördert, wird nutzlos.
Da RUB-Adressen durch die Änderung nutzlos werden für langfristigen Kontakt, sind Forscher gezwungen, eine stabile Alternative zu nutzen. Folgedessen werden auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen keine Email-Adressen der RUB genutzt, sondern andere, verlässlichere Anbieter.
Eine Universität, die ihre Forscher zwingt, private Email-Adressen für Veröffentlichungen zu nutzen, verliert durch diese unübliche Praxis enorm an Prestige.
Andere Universitäten machen es besser
Andere Top-Universitäten respektieren ihre Verantwortung für einen verlässlichen, permanenten Emailservice:
- Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bietet lebenslange Email-Adressen: “Die @fau.de-E-Mail-Adresse ist eine persönliche E-Mail-Adresse und gilt auch nach dem Ausscheiden aus der Uni weiter”.
- Auch RWTH Aachen bietet lebenslange Emailadressen “Persönliche E-Mail-Adressen, üblicherweise in der Form vorname.nachname@rwth-aachen.de (oder ältere E-Mail-Adressen in der Form vorname.nachname@post.rwth-aachen.de), können ein Leben lang genutzt werden.”
- Auch unsere Nachbaruniversität Duisburg-Essen bietet Weiternutzung nach Austritt: “Wenn Sie dies wünschen, sind Sie weiterhin über Ihre bekannte E-Mail-Adresse erreichbar”
(edit 08.06.24: Stanford aus Liste entfernt)
Antrag auf Verlängerung
In der Sitzung vom 29.04.21, in welcher das neue Email-Konzept vorgestellt wurde, gab es auch Widerspruch aus dem Senat:
“[Ein Senatsmitglied] sehe allerdings ein Problem bei der Umsetzung hinsichtlich der Publikationstätigkeit von Wissenschaftler*innen. So seien beispielsweise auch viele Emeriti als Herausgeber*innen tätig – diese Personen sollten weiterhin über ihre rub.de-Adresse erreichbar sein. [Das Senatsmitglied] appelliert deutlich, dass bei Wissenschaftler*innen bei Bedarf auf den Alumni-Appendix verzichtet werden sollte. [...] Der Rektor wird dies noch einmal prüfen lassen, weist aber bereits darauf hin, dass damit möglicherweise ein bürokratischer Mehraufwand entstünde, der dies nicht rechtfertige.” (Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21)
Dies betrifft auch Studierende:
“[Ein Senatsmitglied] weist außerdem darauf hin, dass auch Studierende publizieren und [das Senatsmitglied] auf der Basis dieses Konzeptes keinen Anreiz für Studierende sehe, ihre RUB-Mailadresse in diesen Fällen anzugeben. [Das Senatsmitglied] macht deutlich, dass hier kein Unterschied zwischen Studierenden und Wissenschaftler*innen gemacht werden sollte.” (Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21)
Laut der Website von IT-Services sei geplant, dass es möglicherweise einen Antrag zur Verlängerung geben solle. Hierbei ist zu bedenken:
- Der Rektor hat schon festgestellt, dass das möglicherweise zu bürokratisch sei und den Nutzen nicht rechtfertige.
- Die Aussage von IT-Services hat keinerlei Garantie.
- Es wurde nicht gesagt, dass das Antragsverfahren online und unbürokratisch sein wird.
- Laut IT-Services muss der Antrag alle zwei Jahre neu gestellt werden.
- Ein Antrag kann jederzeit grundlos abgelehnt werden.
- Warum solle einem inoffiziellen, noch nicht existenten, vom Rektor bereits gemiedenen, potentiellen Antragsverfahren zur befristeten, nicht-garantierten Verlängerung einer abzuschaffenden Email-Adresse mehr vertraut werden als der Amtlichen Bekanntmachung, in welcher diese Dienstleistung bereits als zeitlich unbefristet garantiert wurde? Damit kann man nicht planen.
## 3) Vermeidbare Kosten durch Arbeitsaufwand für IT-Services
IT-Services hat aufgrund des Rektoratbeschlusses einen hohen Aufwand zur implementierung des Konzepts. Das verursacht Kosten.
Zusätzlich zum derzeitigen Aufwand müsste IT-Services Infrastruktur schaffen für die Buchhaltung über den Studierendenstatus und die fristgerechte Löschung von Postfächern.
Zusätzlich erzeugt das neue Konzept Verwaltungsaufwand.
In der Hochschulbibliographie sind 16.434 Personen verzeichnet, die mit der RUB assoziiert wissenschaftlich publizieren. Jeder davon müsste alle zwei Jahre einen Antrag zur Verlängerung der Emailadresse stellen. Angenommen, ein Antrag sei innerhalb von 30 Minuten bearbeitbar von Erhalt über Prüfung bis zur Verlängerung, ergibt sich ein Aufwand von bis zu 4108 Arbeitsstunden pro Jahr die allein zur Bearbeitung der Anträge zu leisten sind. Für dieses Arbeitspensum müssen zwei bis drei Mitarbeiter in Vollzeit eingestellt werden, was die RUB mehrere Zehntausend Euro an Gehaltskosten pro Jahr kosten wird.
Diese bürokratische, kostspielige Mehrarbeit kann sehr einfach vermieden werden.
## 4) Verlust von Accounts
Haben Sie eine vollständige Liste aller Accounts bei externen Services, die Sie auf Ihre RUB-Adresse registriert haben?
Jeden, den Sie vergessen, werden Sie verlieren.
Bieten all diese Accounts die Möglichkeit, die Email Adresse umzustellen?
Diejenigen ohne Änderungsmöglichkeit werden Sie verlieren.
Jeden Account, den Sie vergessen oder übersehen, werden Sie durch den Entzug der E-Mailadresse verlieren.
Die @edu.rub.de Adresse wird Ihnen nichts nutzen, um Accounts wieder zu erlangen, denn ab 2025 werden Sie darüber keine Emails mehr empfangen, welche an @rub.de verschickt werden.
Laut den Nutzungsbedingungen ist eine private Nutzung der Email-Adresse erlaubt, sofern die private Nutzung nicht mit einer dienstlichen Nutzung im Konflikt steht:
“Eine private Nutzung ist nur zulässig, soweit dadurch dienstliche Belange nicht tangiert werden.” (Amtliche Bekanntmachung 2004, §5).
Folgedessen hat die Entscheidung des Rektorats zur Abschaffung der @rub.de Adressen den potentiellen Verlust vieler privater Accounts zur Folge.
## 5) Account-Diebstahl
Bei Neuvergabe der Email-Adressen können die neuen Inhabenden die Accounts aller vorigen Inhabenden übernehmen, indem sie das Passwort per Email zurücksetzen.
Haben Sie eine vollständige Liste aller Accounts, bei denen ihre RUB-Adresse als Recovery Adresse eingetragen ist?
Denn auch diese können von der nächsten Person mit Ihrem Namen gekapert werden.
Online-Banking. Andere Emailpostfächer. Crypto-Wallets. Versicherungsverträge. Social Network Accounts. Passwortmanager.
Die RUB warb mit lebenslangen Email-Adressen und erlaubt die private Nutzung.
Wer haftet für den Schaden, der durch solche Account-Diebstähle entsteht? Besser ist es, eine solche Situation gar nicht erst entstehen zu lassen.
“[Ein Senatsmitglied] zeigt sich irritiert, weil die studentische Perspektive in das Konzept nicht eingeflossen sei. Darüber hinaus habe sie Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. [...] Der Rektor sieht das Datenschutz-Argument weniger kritisch.” (Zitat Protokoll der Senatssitzung 29.04.21)
## 6) Identitätsdiebstahl
Würde es Sie stören, wenn Ihre RUB-Adresse an jemand anderes vergeben wird und diese Person sich als Sie ausgibt?
Bei Neuvergabe können die neuen Inhabenden der Email-Adresse sich ohne Probleme für eine/n der VorinhaberInnen ausgeben.
Diese Personen können in Ihrem Namen Emails verschicken und die Antworten erhalten.
Zugriff auf private Kommunikation des/der VorinhaberInnen
Bei Neuvergabe Ihrer Email-Adresse bekommen Fremde Zugriff auf Ihre private Kommunikation.
Das Rektorat sieht Sie in der Verantwortung, alle Personen mit denen sie jemals per Email Kontakt hatten darüber aufzuklären, dass Sie ihre Email-Adresse verlieren werden.
Dieses Vorhaben ist praktisch nicht realisierbar: Über den Verlauf eines Studiums und einer eventuellen angeschlossenen Promotion ist es möglich, mit dutzenden, hunderten oder tausenden Personen per Email Kontakt zu haben.
Wie sollen Lehrende alle ihre vergangenen Studierenden kontaktieren, um ihnen mitzuteilen, dass die Email-Adresse nicht mehr ihnen gehört?
Forschende der RUB sind Teil interdisziplinären Industrieprojekten und internationalen Forschungsprojekten. Sollen alle Projektpartner angeschrieben werden, dass die RUB-Email-Adressen abgeschafft und neuvergeben werden?
Diese Erwartung ist komplett realitätsfern.
In vielen Fällen ist eine Auflistung aller Kontaktadressen nicht möglich, beispielsweise bei Personen die gelesene Emails löschen oder bei unwetterbedingtem Datenverlust.
“Bitte schreiben Sie nie wieder an diese Email-Adresse” - Jede/r InhaberIn einer RUB-Adresse an jede jemalige Kontaktpersonen, 2025.
## 7) Strafbar nach §10 GG und §206 StGB
“Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.” (Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland - Art 10 )
Privat genutzte Email-Postfächer unterliegen dem Briefgeheimnis.
Durch die Neuvergabe von Emailadressen ermöglicht die RUB Zugriff auf privat genutzte Postfächer. Eine Email lässt sich erst als fehl-adressiert erkennen, nachdem sie gelesen wurde. Die Nutzenden der neu vergebene Postfächer werden folgedessen ungewolltermaßen Emails bekommen und lesen, die nicht an sie gerichtet sind. So machen sie sich möglicherweise ungewollt strafbar.
Die RUB als Email-Dienstleister, welcher Fremden Zugriff auf private Kommunikation Fremder erlaubt, macht sich hier möglicherweise der Beihilfe strafbar.
Die RUB macht sich darüber hinaus möglicherweise strafbar nach §206 StGB, da sie als Email-Dienstleister Fremden Zugriff auf private Emails ermöglicht:
“(1) Wer unbefugt einer anderen Person eine Mitteilung über Tatsachen macht, die dem Post- oder Fernmeldegeheimnis unterliegen und die ihm als Inhaber oder Beschäftigtem eines Unternehmens bekanntgeworden sind, das geschäftsmäßig Post- oder Telekommunikationsdienste erbringt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ (§ 206 Verletzung des Post- oder Fernmeldegeheimnisses, Strafgesetzbuch (StGB))
## 8) Kontaktverlust zu Alumni
Sie haben damals mit jemandem zusammen studiert und wollen Kontakt halten?
Sie möchten einen ehemaligen Spitzenforscher der RUB als Referenten für die Konferenzen einladen?
Sie haben eine Ausschreibung für eine Promotion und möchten Sie an AbsolventInnen schicken?
Leider wird dies nicht mehr möglich sein, denn die E-Mailadressen die Sie kennen, wurden gelöscht oder gehören jemand anderem.
Die Alumni-Adresse kennen Sie nicht, denn die hat ein anderes Kürzel als die @rub.de Adresse oder wurde gar nicht erst beantragt - denn die normale Adresse galt ja als unbefristet.
Verteilerlisten mit @rub.de Adressen werden nutzlos, und voller gelöschter Adressen sein. Der Kontakt erlischt.
Dadurch wird das wertvolle Alumni-Netzwerk, mit dem die RUB seit mehr als 50 Jahren der Wirtschaftsstandort Bochum stärkt, zunichtegemacht.
“[Ein Senatsmitglied] weist darauf hin, dass die RUB lange mit der lebenslangen Adresse geworben habe. [Das Senatsmitglied] erkundigt sich außerdem, wie nun die Alumni informiert beziehungsweise eingebunden werden. Der Rektor erhofft sich über diesen Schritt auch einen stärkeren Zulauf für das Alumni-Netzwerk. Dass es aber auch teilweise Unmut geben werde, sei zu erwarten.” (Protokoll des Senats am 29.04.21.)
## 9) SPAM by design! "Gebrauchte" Email-Adressen für Erstis und neue Mitarbeitenden
Neue Studierende an der RUB bekommen gebrauchte Email-Adressen, die schon mal anderen Personen gehört haben.
Sie bekommen den gesamten Spam aller VorinhaberInnen.
Tausende Spam-Email pro Tag.
Die Email-Adresse ist de facto nutzlos, da sie die wichtigen Emails unter der Flut von Spam nicht erkennen können.
Selbst wenn InhaberInnen die NachfolgerInnen schützen wollen, ist das schwierig machber. Ich weiß nicht ob Sie schon einmal versucht haben, auf Spam-Emails zu antworten und sie zu bitten, keinen Emails mehr zu schicken - in der Regel bekommen Sie dann nur noch mehr Spam.
Neue Studierende können sich auf diversen Websiten nicht registrieren, da ihre Adresse in Benutzung sei, weil die VorgängerInnen sich bereits dort registrierten.
Sie bekommen ungewollt den gesamten privaten, gewollten und ungewollten, Datenverkehr aller VorinhaberInnen.
Relevante Nachrichten in einem Postfach zu entdecken, das täglich eine beliebig große Zahl an Spam-Email bekommt, ist anspruchsvoll und macht das Postfach praktisch nutzlos.
Das neue Email-Konzept adressiert dieses Problem nicht.
## 10) Unnötige Verkomplizierung
Durch die Trennung von @edu.rub.de Adressen, @rub.de Adressen, in Kombination mit der Neuvergabe, kann folgendes passieren:
Beispielhaft nehmen wir Sabine Müller als häufigen deutschen Namen. Es gibt zwei gleichnamige Sabine Müllers, die zeitversetzt an der RUB studieren und arbeiten.
- Sabine Müller (Sabine1) beginnt ihr Studium
bekommt sabine.mueller@edu.rub.de. - Eine andere Sabine Müller (Sabine2) beginnt als Angestellte in der Verwaltung der RUB, bekommt sabine.mueller@rub.de.
- Sabine1 beginnt neben dem Studium einen Job als SHK, und
Bekommt wegen Kollision mit Sabine1 eine Adresse mit Kürzel sabine.mueller-abc@rub.de - Sabine1 schließt ihr Studium ab, verlässt die RUB, und
verliert ihre @edu.rub.de Adresse und ihre @rub.de Adresse - Sabine2 beginnt ein berufsbegleitendes Studium an der RUB, und bekommt die alte, freigewordene Edu-Email-Adresse von Sabine 1.
- Sabine1 kommt zurück zur RUB zwecks Promotion als Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
- Leider ist ihre alte Edu-Adresse neu vergeben worden an Sabine2. Sie bekommt also eine neue mit neuem Kürzel sabine.mueller-xyz@edu.rub.de
- Ihre alte SHK-Email-Adresse Adresse ist noch frei, also bekommt sie sabine.mueller-abc@rub.de zurück.
Quizfragen: Welche Email-Adresse gehört nun welcher Sabine?
Das neue Email-Konzept führt zu unnötiger und vermeidbarer Komplexität.
Im alten System hat jede Person eine lebenslange personengebundene Emailadresse. Es ist simpel. Es ist besser.
## 11) Illusorische Reduktion von Namens-Kollisionen
Laut der Website von IT-Services gebe es pro Jahr 400 Kollisionen bei der Vergabe von Email-Adressen an Menschen mit häufigem Namen.
Durch das neue Konzept wird das Problem der Kollisionen aber nicht behoben.
Lediglich die erste Person mit einem häufigen Namen bekommt eine kürzel-freie Email-Adresse, alle weiteren Personen bekommen wieder wie gewohnt ein Kürzel. D.h. wenn 50 Kevin Müller an der RUB gleichzeitig existieren, freut sich 1 Kevin Müller, die 49 anderen haben nur Nachteile.
Diese marginale Verbesserung der ästhetischen Verschönerung von Email-Adressen einiger wenigen Personen steht in keinerlei Verhältnis zu dem Arbeitsaufwand der Postfachmigration sowie dem potentiellen damit verbundenen Schaden an zehntausenden betroffenen Studierenden, WissenschaftlerInnen und Mitarbeitenden.
### Fazit ###
Wir, die Studierenden, Mitarbeitenden, Forschenden und ProfessorInnen der RUB sehen keine Notwendigkeit für das neue Email-Konzepts.
Es wurde mit uns nicht abgestimmt, und ist nicht in unserem Interesse.
Im Gegenteil, es verursacht großen Schaden und muss gestoppt werden.
Mit dieser Petition zeigen wir, wie der Senat und das Rektorat im Sinne der RUB-Angehörigen handeln könnte und das neue Email-Konzept stoppen sollte.
Die RUB hat lebenslange Emailadressen versprochen, und dieses Versprechen muss gehalten werden.
1.314
Petition am 17. Oktober 2023 erstellt