
Kerstin KonradGermany

Apr 8, 2017
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Nahles,
vielen Dank, dass sie sich am Rande der Veranstaltung "Politischer Aschermittwoch in Zirndorf" Zeit für unsere Petition genommen haben und uns einen Termin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales zugesagt haben. Darüber freuen wir uns sehr, denn für diese Angelegenheit brauchen wir ihre Unterstützung.
Möglicherweise hat es den Anschein, dass das Thema nun weniger dringlich ist, weil die "Fume Event Sprechstunde" laut der Geschäftsleitung zum 01.05.2017 wiedereröffnet wird. Tatsächlich ist es aber so, dass die Anlaufstelle aktuell komplett geschlossen ist, auch für Bestandspatienten.
Außerdem hat nun der international renommierte Arbeitsmediziner Professor Xaver Baur, er war an der jüngsten Veröffentlichung zum Thema kontaminierter Kabinenluft in Zusammenarbeit mit Frau PD Dr. Heutelbeck beteiligt, mit sofortiger Wirkung seinen Gastwissenschaftler-Status an der Charité in Berlin verloren.
Als Leiter der dortigen Arbeitsmedizin konnte er an wenigen Tagen im Monat Lungenuntersuchungen durchführen und weitere valide Ergebnisse für die "Fume Event" Forschung objektivieren.
Da nun innerhalb kürzester Zeit zwei überaus engagierte und kundige Arbeitsmediziner zu diesem Fachgebiet ihre Forschungstätigkeit nicht weiterführen können, geht einerseits für die Patienten eine weitere Untersuchungsmöglichkeit verloren und andererseits drängt sich die Frage auf, ob dies mehr ist, als ein unglücklicher Zufall zeitgleicher universitärer Entscheidungen.
Die arbeitsmedizinische Forschung wird, wie leider auch vom Gesetzgeber gefördert, nahezu ausschließlich von der arbeitgeberfinanzierten gesetzlichen Unfallversicherung, sprich den Berufsgenossenschaften betrieben. Damit entsteht aus unserer Sicht ein Interessenkonflikt zu Ungunsten der Arbeitnehmer.
Es fehlt die notwendige Unterstützung der Betroffenen, vielfältig stehen vor allem erkrankte junge Frauen vor dem sozialen Abstieg und damit auch deren Familien. Leider werden diese erkrankten Frauen häufig diskriminiert, weil viele der Betroffenen ganz bewusst von den beteiligten Institutionen wie BG und Betriebsärzten in psychische Behandlungen gewiesen werden, ohne die belegbaren organischen Schäden an Lunge und Nerven zu beachten. Eine weitere unabhängige Erforschung ist dringend erforderlich.
In diesem Zusammenhang begrüßen wir das Vorhaben der BG Verkehr, nun endlich dem Verdacht der Gesundheitsschäden durch sogenannte "Fume Events" an Bord von Verkehrsflugzeugen, in einem ersten Schritt durch Human Bio Monitoring im Rahmen einer Studie nachzugehen.
Es stellt sich allerdings die Frage, warum das einzige Institut, nämlich das der Universitätsmedizin Göttingen, welches sich bislang umfangreich mit der Thematik beschäftigt hat und auf deren Erkenntnisse diese Studie laut Aussage Dr. Feltens von der BG Verkehr fußt, an dem Vorhaben weder beratend beteiligt noch integriert ist. Zumal die Flughäfen Hannover und Leipzig in relativer Nähe sind. Ferner werden die Laboruntersuchungen der Stoffnachweise ausschließlich vom IPA Bochum, ein Institut der gesetzlichen Unfallversicherung, sprich der BG durchgeführt.
Verehrte Frau Nahles, wir appellieren an Sie als oberste Instanz für Arbeitsschutz im Bereich Prävention.
Unterstützen Sie uns bei der Wahrung unseres Grundrechtes auf körperliche Unversehrtheit.
Gerne würden wir den mündlich von Ihnen zugesagten Termin wahrnehmen, um mit Ihnen über diesesThema zu diskutieren.
Ihr Petitionsteam
Kerstin Konrad, Michael Kramer, Ekaterini Bary-Schüller, Oliver Lindenau
Nachtrag zum Update:
Fälschlicherweise haben wir Professor Baur als Institutsleiter bezeichnet, tatsächlich war er Leiter der Arbeitsgruppe “Arbeitsbedingte Lungenkrankheiten und Allergien“ . Ein Großteil seiner Aktivität bezog sich auf Beratungen von Erkrankten.
Foto: Josh Reuter
Support now
Sign this petition
Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X