Die Bezeichnung nur einer Stiftfarbe als "hautfarben" unterstützt strukturellen Rassismus


Die Bezeichnung nur einer Stiftfarbe als "hautfarben" unterstützt strukturellen Rassismus
Das Problem
In fast jedem Stifteset gibt es auch einen beigen/rosa/apricotfarbenen Stift, der die Farbbezeichnung "hautfarben" trägt. In deutschen Schulen sind aber nicht nur Kinder mit beiger/rosa/apricotfarbener Haut zu finden. Das führt oberflächlich zunächst zu einem Problem: Angenommen, ein Kind möchte eine Person mit dunkler Haut malen und fragt seine*n Sitznachbar*in nach dem hautfarbenen Stift, bekommt im Gegenzug nun einen beigen Stift. Es muss also spezifizieren: "Nein, ich brauche den braunen Stift", es muss einen Umweg gehen, den es nicht gehen müsste, wenn es eine hellhäutige Person malen wollte. Wahrscheinlicher ist sogar, dass das Kind direkt nach dem braunen Stift fragen wird, da es weiß, dass es sonst die falsche Farbe bekommen wird.
Haut gibt es in zu vielen verschiedenen Farben, als dass es Sinn ergeben würde, einen einzigen Stift ihr zuzuordnen. Ebenso müsste man sich schon sehr anstrengen, um auf die Idee zu kommen, einen Stift "brotfarben", "autofarben" oder "paprikafarben" zu nennen, da diese Gegenstände regelmäßig in den verschiedensten Farben auftreten. Schwierig wäre es auch, ein Kind zu finden, das Äpfel nur mit offiziell "apfelfarbenen" oder Sand mit offiziell "sandfarbenen" Stiften malen kann. Es besteht also keine Notwendigkeit, einen Stift "hautfarben" zu nennen, um Kindern bei der Farbauswahl beim Malen zu helfen.
Solche Benennungen reproduzieren die Vorstellung, helle Haut sei die Norm, dunkle Haut sei etwas Abweichendes. Würde der Stift offiziell nicht "hautfarben" heißen, gäbe es keinen Bezugspunkt beim herstellenden Unternehmen, der es legitimieren würde, Kindern in Bildungskontexten beizubringen, dass beige/rosa/apricotfarbene Stifte "hautfarben" seien; in der Folge würde andersfarbige Haut seltener als etwas fremdes, als etwas von der Norm abweichendes gelesen. Die Assoziation "hautfarben" = hellhäutig, "braun etc." = dunkelhäutig ist gefährlich. Haut ist etwas menschliches. Bei wenigen Spezies ist sie nicht von Fell oder Federn verdeckt. Wird nun aber kollektiv mit "hautfarben" nur helle Haut assoziiert, werden also beige/rosa/apricot mit etwas so Menschlichem in Verbindung gebracht, während "braun" einfach nur "braun" heißt, so vertiefen sich gesamtgesellschaftlich strukturell rassistische Denkweisen. Sprache schafft soziale Realität, sie zeigt uns Kategorien, in denen gedacht werden kann. Im Fall von "hautfarbenen" Stiften entsteht eine Assoziation von nur wenigen hellen Farbtönen mit der Farbe von Haut, die Kategorie schließt andere Farben aus, die in menschlicher Haut ebenfalls häufig vorkommen.
Keine einzelne Farbe irgendeines herstellenden Unternehmens sollte mehr offiziell "hautfarben" heißen, oder irgendwo so beworben werden, weder beige/rosa/apricot, noch hell- oder dunkelbraun/oliv. Hautfarben-Packs sollten das gesamte Spektrum menschlich möglicher Hautfarben gleichmäßig bedienen, nicht größtenteils aus hellen Farbtönen bestehen.
Noch ein paar Links:
STABILOs zwar offiziell "apricot" genannter Stift, wird auch als "Hautfarbe" beworben.
Damit nicht-beige/rosa/apricotfarbene Stifte als "hautfarben" verstanden werden, bedarf es immer Sonderpacks, wie diesem von LYRA, die an anderer Stelle wiederum nur einen "hautfarbenen" Stift kennen.
COPIC bietet dieses Hautfarben-Pack an, das sieben helle Farben, einen hell- und einen dunkelbraunen Stift enthält, von denen zwar keiner offiziell "hautfarben" heißt, die aber eben als Hautfarbenmöglichkeiten vertrieben werden.

Das Problem
In fast jedem Stifteset gibt es auch einen beigen/rosa/apricotfarbenen Stift, der die Farbbezeichnung "hautfarben" trägt. In deutschen Schulen sind aber nicht nur Kinder mit beiger/rosa/apricotfarbener Haut zu finden. Das führt oberflächlich zunächst zu einem Problem: Angenommen, ein Kind möchte eine Person mit dunkler Haut malen und fragt seine*n Sitznachbar*in nach dem hautfarbenen Stift, bekommt im Gegenzug nun einen beigen Stift. Es muss also spezifizieren: "Nein, ich brauche den braunen Stift", es muss einen Umweg gehen, den es nicht gehen müsste, wenn es eine hellhäutige Person malen wollte. Wahrscheinlicher ist sogar, dass das Kind direkt nach dem braunen Stift fragen wird, da es weiß, dass es sonst die falsche Farbe bekommen wird.
Haut gibt es in zu vielen verschiedenen Farben, als dass es Sinn ergeben würde, einen einzigen Stift ihr zuzuordnen. Ebenso müsste man sich schon sehr anstrengen, um auf die Idee zu kommen, einen Stift "brotfarben", "autofarben" oder "paprikafarben" zu nennen, da diese Gegenstände regelmäßig in den verschiedensten Farben auftreten. Schwierig wäre es auch, ein Kind zu finden, das Äpfel nur mit offiziell "apfelfarbenen" oder Sand mit offiziell "sandfarbenen" Stiften malen kann. Es besteht also keine Notwendigkeit, einen Stift "hautfarben" zu nennen, um Kindern bei der Farbauswahl beim Malen zu helfen.
Solche Benennungen reproduzieren die Vorstellung, helle Haut sei die Norm, dunkle Haut sei etwas Abweichendes. Würde der Stift offiziell nicht "hautfarben" heißen, gäbe es keinen Bezugspunkt beim herstellenden Unternehmen, der es legitimieren würde, Kindern in Bildungskontexten beizubringen, dass beige/rosa/apricotfarbene Stifte "hautfarben" seien; in der Folge würde andersfarbige Haut seltener als etwas fremdes, als etwas von der Norm abweichendes gelesen. Die Assoziation "hautfarben" = hellhäutig, "braun etc." = dunkelhäutig ist gefährlich. Haut ist etwas menschliches. Bei wenigen Spezies ist sie nicht von Fell oder Federn verdeckt. Wird nun aber kollektiv mit "hautfarben" nur helle Haut assoziiert, werden also beige/rosa/apricot mit etwas so Menschlichem in Verbindung gebracht, während "braun" einfach nur "braun" heißt, so vertiefen sich gesamtgesellschaftlich strukturell rassistische Denkweisen. Sprache schafft soziale Realität, sie zeigt uns Kategorien, in denen gedacht werden kann. Im Fall von "hautfarbenen" Stiften entsteht eine Assoziation von nur wenigen hellen Farbtönen mit der Farbe von Haut, die Kategorie schließt andere Farben aus, die in menschlicher Haut ebenfalls häufig vorkommen.
Keine einzelne Farbe irgendeines herstellenden Unternehmens sollte mehr offiziell "hautfarben" heißen, oder irgendwo so beworben werden, weder beige/rosa/apricot, noch hell- oder dunkelbraun/oliv. Hautfarben-Packs sollten das gesamte Spektrum menschlich möglicher Hautfarben gleichmäßig bedienen, nicht größtenteils aus hellen Farbtönen bestehen.
Noch ein paar Links:
STABILOs zwar offiziell "apricot" genannter Stift, wird auch als "Hautfarbe" beworben.
Damit nicht-beige/rosa/apricotfarbene Stifte als "hautfarben" verstanden werden, bedarf es immer Sonderpacks, wie diesem von LYRA, die an anderer Stelle wiederum nur einen "hautfarbenen" Stift kennen.
COPIC bietet dieses Hautfarben-Pack an, das sieben helle Farben, einen hell- und einen dunkelbraunen Stift enthält, von denen zwar keiner offiziell "hautfarben" heißt, die aber eben als Hautfarbenmöglichkeiten vertrieben werden.

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Petition am 10. Juni 2020 erstellt