Petition updateRettet die Wagenburg Osnabrück, unser Zuhause!Eile-Bau macht super-flau
WabOS e. V.
21 mar 2021

Liebe Unterstützer*innen,

wir möchten euch zu allererst ein großes DANKE schicken für alles, was ihr für uns tut!

Einen Bericht zu der (unerwartet) echt gut besuchten Demo für den Erhalt unseres Zuhauses am Finkenhügel am 09.03.2021 könnt ihr auf unserer Homepage lesen: https://wabos.org/9-marz-2021-viele-und-laut/

Ansonsten sieht es leider nicht so gut aus. Auf der Ratssitzung, die unmittelbar nach der Demo stattfand, wurde die WabOS noch nicht mal namentlich genannt, obwohl in den Empfehlungen der Ausschüsse auch die "Mitteilung zur Kenntnisnahme" bzgl. der Bebauungspläne, d. h. auch die Kündigung unseres seit 23 Jahren bestehenden Pachtvertrages zu Ende März und die Rodung der teils über 100 Jahre alten Bäume, enthalten war. In einem Tagesordnungspunkt wurde die Straße Am Hirtenhaus, an der wir leben, beispielhaft für die angebliche Notwendigkeit des mehrstöckigen Zubetonierens genannt. Dabei entstand der Eindruck, die SPD habe eine besondere Abneigung gegenüber unserem bunten und nachhaltigen Wohnprojekt und der naturnahen Fläche in dem sonst eher durch monetäre Reichtümer geprägten Stadtteil entwickelt.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt, "Änderung des Handlungsprogramms bezahlbarer Wohnraum", der weit am Ende der langen Liste von Punkten stand, kamen wir indirekt als "alternatives Wohnprojekt" in einem Antrag der Linken vor. Änderungsanträge zu der Änderung der Änderung gab es gleich mehrere. Von der Linken, unterstützt von Piraten und UWG, wurde unter anderem eine Anhebung der Quote von bezahlbarem Wohnraum auf 50 %, die Berücksichtigung barrierefreien Wohnens, die Senkung des Erbpachtzinses auf 1 %, und dass, wie es im Bündnis für bezahlbaren Wohnraum (ergo mit SPD und Grünen!) verabredet worden war, keine bestehenden Projekte (d. h., auch unsere WabOS) durch die Pseudo-Wohnungsgesellschaft, die Stadtwerke-Tochter WiO ("Wohnen in Osnabrück"), verdrängt werden dürften, gefordert. Binnen 2 Minuten wurden knapp nach 22 Uhr die Änderungen zu den Änderungen und (unter Gegenstimmen der Linken und Enthaltungen von FDP, Piraten und UWG) die Änderung selbst explosionsartig durch den Saal bestimmt. Am Ende stand wieder WiO drauf, wo Höchstpreise drin sind. Ein Friedensstempel auf das Wort "Leuchtturmprojekte" (zu denen die WabOS aus Gründen(?) entbehrend jeder Logik offenbar nicht gezählt wird), fertig.

Wir sind fest davon überzeugt, dass die Regierenden von CDU, SPD und Grünen sich durch selbst auferlegten Wohnraumschaffungs-Neubau-Wahn erst recht in Hinblick auf die anstehenden Kommunal- und Bundestagswahlen im September in Zeiten einer Pandemie keinen Gefallen tun. Neubauten sind per se niemals klimaneutral, egal wie sehr sich die Haushalte später selbst mit Energie versorgen. Anstatt sich in Ruhe Gedanken zu machen, wie tatsächlich bezahlbarer Wohnraum kommunal entstehen kann, wie ältere Bauten auch von Eigentümer*innen ohne entsprechenden Geldbeutel energie- und wohnflächeneffizienter gestaltet werden können, und den Fokus auf eine drastische Verkehrswende zu legen, damit wir auch in 20 Jahren noch einen bewohnbaren Planeten haben, wird im Eilverfahren alles zubetoniert, was auch nur im Ansatz dem Erhalt von Biodiversität und der Förderung physischer und psychischer Gesundheit von Stadtmenschen dienen könnte.

Und das schreiben wir hier nicht einfach so, weil wir extrem wütend und traurig darüber sind, wie mit uns als Menschen, mit unserem Projekt als solches und mit dem, was wir auf unserer Fläche zu schätzen wissen und was selbst einen intrinsischen Wert hat, umgegangen wird.

Die Ratssitzung beinhaltete eine halbe Bürgi-Fragestunde, während derer sich ein engagierter Mensch danach erkundigte, wie es denn sein kann, dass trotz Gegenrede des Projektleiters selbst und trotz Widerspruchs in sich auf ein und derselben Sitzung die Förderung des Hochschulforschungsprojektes "Grüne Finger" (https://gruene-finger.de/ beschlossen wird und zugleich weiter Zement in Gigatonnen-Dimensionen vergossen. [Anmerkung: Allein die Herstellung(!) von Zement ist für rund 8 % aller CO2-Emissionen verantwortlich.] Die Antwort des Stadtbaurats im Namen der Regierenden lautete, für das Abwarten von Studienergebnissen sei keine Zeit. -?!?- Richtig. Das ist irrational. Liebe Regierende, das mit den Pandemien ist die wirklich dringende Baustelle - ebenso wie und Hand in Hand mit Klimawandel, Biodiversitätsverlust und dringend notwendiger Umfairteilung.

Liebe Unterstützer*innen, wir hoffen sehr, dass wir euch im nächsten Update fröhlichere Frühlingsnachrichten verkünden können.
Bis dahin schaut gerne auch mal auf der Homepage der Bürger*inneninitiative Naturnaher Schinkel (https://www.naturnaher-schinkel.de/ in Osnabrück vorbei. Ob Ost oder West, die Suppe hat im Grunde nämlich dasselbe Rezept.

Allzeit gutes Upcycling,
eure WabOS

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