Soziale Ungerechtigkeit durch neue Bestellform beim Schulmittagessen

Aktuelle Unterzeichner*innen:
nadja duffke und 11 andere Personen haben kürzlich unterschrieben.

Das Problem

 

 

Immer mehr Kinder in Berliner Schulen erhalten kein Mittagessen, nicht weil sie keinen Anspruch darauf haben, sondern weil es von ihren Eltern nicht rechtzeitig digital vorbestellt wurde. Das aktuell verpflichtende Online-Bestellsystem schafft damit eine zusätzliche Hürde, die besonders sozial benachteiligte Familien trifft. Gerade die Kinder, die am dringendsten auf ein warmes, kostenfreies Mittagessen angewiesen sind, werden so ausgeschlossen. Deswegen wenden wir, Eltern der HasenGrund Schule an die Senatsverwaltung.



Sehr geehrte Damen und Herren,


Wir wenden uns als Gesamtelternvertretung der HasenGrund-Schule in Berlin Niederschönhausen mit einem Anliegen an Sie, dessen Relevanz über unsere Einzelschule hinaus geht. 


Seit 2024 sind die Caterer von Berliner Schulen verpflichtet, ein digitales Bestell- und Abrechnungssystem zu nutzen, um unnötige Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Dies bedeutet für die Erziehungsberechtigten, dass sie regelmäßig über eine Website oder App des jeweiligen Caterers das Mittagessen für ihre Kinder rechtzeitig vor- und ggf. bei Krankheit auch wieder abbestellen müssen. Bei zu häufiger Nichtinanspruchnahme des bestellten Essens kann die Mittagessensvereinbarung im Individualfall aufgekündigt werden.


Wir begrüßen prinzipiell Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung, möchten aber darauf aufmerksam machen, dass die Notwendigkeit, jede Mahlzeit vorbestellen zu müssen, systematisch diejenigen Kinder benachteiligt, die den größten Bedarf für eine kostenfreie Mahlzeit haben. Wird kein Essen vorbestellt, weil die Bestellung durch die Erziehungsberechtigten nicht ausgelöst oder vergessen wurde, erhalten die betroffenen Kinder kein Essen. Dabei sind die Wahrscheinlichkeiten, dass dieser Fall eintritt, nicht fair verteilt. Vor allem Kinder aus Familien mit einer nicht im jeweiligen Catering-System angelegten Herkunftssprache, Kinder aus sozioökonomisch schwachen Haushalten ohne Zugang zum Internet oder digitalen Endgeräten, Kinder von Eltern, die alleinerziehend sind und/oder mehrere Jobs haben (und aufgrund dessen potenziell häufiger abwesend, übermüdet oder überfordert sind), Kinder von Eltern mit schweren oder chronischen Erkrankungen und durch Vernachlässigung betroffene Kinder sind in besonderem Maße auf ein regelmäßiges, warmes, gesundes und kostenfreies Mittagessen angewiesen. Es sind jedoch gerade diese Kinder, für die die Barriere für ebendiese Mahlzeit durch das neu eingeführte System enorm erhöht wurde und für die infolgedessen ein erhöhtes Risiko besteht, kein Mittagessen mehr zu erhalten. Sie werden durch die Notwendigkeit einer erforderlichen Online-Bestellung daher systematisch benachteiligt. An unserer Schule in Pankow-Niederschönhausen haben viele Kinder in den vergangenen Monaten nur deshalb ein warmes Mittagessen erhalten, weil sich die pädagogischen Fachkräfte unserer Schule auch außerhalb ihrer Arbeitszeit mit enormem persönlichem Engagement dafür eingesetzt haben, betroffene Familien bei der Essensbestellung zu unterstützen. Dies kann keineswegs für alle Schulen vorausgesetzt werden und ist mit Sicherheit nicht Sinn und Zweck der neuen Regelung.

Den betroffenen Kindern wird im schlimmsten Fall hierdurch nicht nur ihr Mittagessen verwehrt, sondern auch das Lernen und die soziale Teilhabe in der Schule erschwert. Ein Mittagessen im Schulalltag ist funktional notwendig, um Aufmerksamkeitsprozesse und Lernen zu ermöglichen. Außerdem sehen wir vor allem in der Grundschule die Gefahr von sozialem Ausschluss und Stigmatisierung, wenn ein Kind nicht als Teil der sozialen Gruppe am Mittagessen teilhaben kann. Die unnötige Schaffung einer Barriere bei der Mittagessensbestellung ist für uns deshalb absolut nicht nachvollziehbar. Das Auslagern der Verantwortlichkeit an die Familien reduziert unserer Ansicht nach die Chancengleichheit der betroffenen Kinder und ist kaum in Einklang zu bringen mit dem Berliner Schulgesetzes (SchulG §19 Absatz (2) und (3)), mit der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 24 und 27 Absatz (3)) oder dem Bildungs- und Teilhabepaket.


Es gibt eine Vielzahl an alternativen Modellen, die ebenfalls eine geringe Lebensmittelverschwendung, minimale Bürokratie und damit deutlich höhere Chancengleichheit erwarten lassen (z.B. Opt-Out, Finnland-Modell, Tageswahl/-abfrage).

Wir fordern daher eine angemessene Regelung, die ALLEN Kindern ein nicht nur kosten- sondern auch barrierefreies Mittagessen sichert. Diese Regelung darf auf keinen Fall die Verantwortlichkeit für das Schulmittagessen an die Familien auslagern. Dies könnte zum Beispiel die Rückkehr zum sogenannten "Schüsselessen" sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Julia Schindler und Mascha Krüger

i.V. der Elternschaft der HasenGrund-Schule 

 

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Mascha KrügerPetitionsstarter*in

723

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nadja duffke und 11 andere Personen haben kürzlich unterschrieben.

Das Problem

 

 

Immer mehr Kinder in Berliner Schulen erhalten kein Mittagessen, nicht weil sie keinen Anspruch darauf haben, sondern weil es von ihren Eltern nicht rechtzeitig digital vorbestellt wurde. Das aktuell verpflichtende Online-Bestellsystem schafft damit eine zusätzliche Hürde, die besonders sozial benachteiligte Familien trifft. Gerade die Kinder, die am dringendsten auf ein warmes, kostenfreies Mittagessen angewiesen sind, werden so ausgeschlossen. Deswegen wenden wir, Eltern der HasenGrund Schule an die Senatsverwaltung.



Sehr geehrte Damen und Herren,


Wir wenden uns als Gesamtelternvertretung der HasenGrund-Schule in Berlin Niederschönhausen mit einem Anliegen an Sie, dessen Relevanz über unsere Einzelschule hinaus geht. 


Seit 2024 sind die Caterer von Berliner Schulen verpflichtet, ein digitales Bestell- und Abrechnungssystem zu nutzen, um unnötige Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Dies bedeutet für die Erziehungsberechtigten, dass sie regelmäßig über eine Website oder App des jeweiligen Caterers das Mittagessen für ihre Kinder rechtzeitig vor- und ggf. bei Krankheit auch wieder abbestellen müssen. Bei zu häufiger Nichtinanspruchnahme des bestellten Essens kann die Mittagessensvereinbarung im Individualfall aufgekündigt werden.


Wir begrüßen prinzipiell Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung, möchten aber darauf aufmerksam machen, dass die Notwendigkeit, jede Mahlzeit vorbestellen zu müssen, systematisch diejenigen Kinder benachteiligt, die den größten Bedarf für eine kostenfreie Mahlzeit haben. Wird kein Essen vorbestellt, weil die Bestellung durch die Erziehungsberechtigten nicht ausgelöst oder vergessen wurde, erhalten die betroffenen Kinder kein Essen. Dabei sind die Wahrscheinlichkeiten, dass dieser Fall eintritt, nicht fair verteilt. Vor allem Kinder aus Familien mit einer nicht im jeweiligen Catering-System angelegten Herkunftssprache, Kinder aus sozioökonomisch schwachen Haushalten ohne Zugang zum Internet oder digitalen Endgeräten, Kinder von Eltern, die alleinerziehend sind und/oder mehrere Jobs haben (und aufgrund dessen potenziell häufiger abwesend, übermüdet oder überfordert sind), Kinder von Eltern mit schweren oder chronischen Erkrankungen und durch Vernachlässigung betroffene Kinder sind in besonderem Maße auf ein regelmäßiges, warmes, gesundes und kostenfreies Mittagessen angewiesen. Es sind jedoch gerade diese Kinder, für die die Barriere für ebendiese Mahlzeit durch das neu eingeführte System enorm erhöht wurde und für die infolgedessen ein erhöhtes Risiko besteht, kein Mittagessen mehr zu erhalten. Sie werden durch die Notwendigkeit einer erforderlichen Online-Bestellung daher systematisch benachteiligt. An unserer Schule in Pankow-Niederschönhausen haben viele Kinder in den vergangenen Monaten nur deshalb ein warmes Mittagessen erhalten, weil sich die pädagogischen Fachkräfte unserer Schule auch außerhalb ihrer Arbeitszeit mit enormem persönlichem Engagement dafür eingesetzt haben, betroffene Familien bei der Essensbestellung zu unterstützen. Dies kann keineswegs für alle Schulen vorausgesetzt werden und ist mit Sicherheit nicht Sinn und Zweck der neuen Regelung.

Den betroffenen Kindern wird im schlimmsten Fall hierdurch nicht nur ihr Mittagessen verwehrt, sondern auch das Lernen und die soziale Teilhabe in der Schule erschwert. Ein Mittagessen im Schulalltag ist funktional notwendig, um Aufmerksamkeitsprozesse und Lernen zu ermöglichen. Außerdem sehen wir vor allem in der Grundschule die Gefahr von sozialem Ausschluss und Stigmatisierung, wenn ein Kind nicht als Teil der sozialen Gruppe am Mittagessen teilhaben kann. Die unnötige Schaffung einer Barriere bei der Mittagessensbestellung ist für uns deshalb absolut nicht nachvollziehbar. Das Auslagern der Verantwortlichkeit an die Familien reduziert unserer Ansicht nach die Chancengleichheit der betroffenen Kinder und ist kaum in Einklang zu bringen mit dem Berliner Schulgesetzes (SchulG §19 Absatz (2) und (3)), mit der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 24 und 27 Absatz (3)) oder dem Bildungs- und Teilhabepaket.


Es gibt eine Vielzahl an alternativen Modellen, die ebenfalls eine geringe Lebensmittelverschwendung, minimale Bürokratie und damit deutlich höhere Chancengleichheit erwarten lassen (z.B. Opt-Out, Finnland-Modell, Tageswahl/-abfrage).

Wir fordern daher eine angemessene Regelung, die ALLEN Kindern ein nicht nur kosten- sondern auch barrierefreies Mittagessen sichert. Diese Regelung darf auf keinen Fall die Verantwortlichkeit für das Schulmittagessen an die Familien auslagern. Dies könnte zum Beispiel die Rückkehr zum sogenannten "Schüsselessen" sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Julia Schindler und Mascha Krüger

i.V. der Elternschaft der HasenGrund-Schule 

 

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Petition am 20. Februar 2026 erstellt