Petition updateSichere Perspektive für Ahmed Mohamed Odowaa - Einbürgerung jetzt!Offener Brief an Ministerpräsident Herr Dr. Markus Söder und Innenminister Herr Joachim Herrmann
Steffen GleiserGermany
11 May 2025

Liebe Unterstützer*innen,

 

über 130.000 Unterschriften auf beiden Petitionen haben sich bis heute für ein Bleiberecht von Ahmed Mohamed Odowaa ausgesprochen - ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal von ganzen Herzen für Euer Engagement bedanken!

Um der Forderung nach einer Einbürgerung von Herrn Odowaa noch einmal Nachdruck zu verleihen, habe ich einen Offenen Brief verfasst und an Ministerpräsident Herrn Dr. Markus Söder sowie an Innenminister Herrn Joachim Herrmann gesendet, um mit dem Rückenwind Eurer Unterstützung eine sichere Bleibeperspektive für Ahmed Mohamed zu fordern.

Noch einmal ausdrücklich lieben Dank, bleibt stabil!

 

Text des Offenen Briefes:

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Markus Söder, sehr geehrter Herr Innenminister Joachim Herrmann,   

bei dem furchtbaren Attentat in Aschaffenburg vom 22. Januar 2025 starben zwei Menschen - ein zweijähriger marokkanischer Junge sowie ein deutscher Mann, welcher sich dem Täter in den Weg stellte und seinen Einsatz mit dem Leben bezahlen musste.


Ahmed Mohamed Odowaa, ein Flüchtling aus Somalia, verfolgte damals ebenfalls den Täter und ermöglichte mit seiner Zivilcourage der Polizei die Verhaftung des Täters. Durch sein beherztes Eingreifen hat Ahmed Mohamed damit möglicherweise Schlimmeres verhindert. Sie, Herr Innenminister Herr Herrmann, erklärten anschließend: "Das verdient Anerkennung und unseren höchsten Respekt."


Dennoch verfügte Ihre Behörde, Herr Herrmann, Anfang diesen Monats den Befehl zur Abschiebung von Ahmed Mohamed Odowaa. Bis zum Juni diesen Jahres sollte Ahmed unser Land verlassen, ansonsten würde er abgeschoben werden. Ihre Behörde, Herr Hermann, welche zugleich im Falle des Attentäters von Aschaffenburg so sehr versagte und einen geltenden Haftbefehl gegen diesen Täter nicht umsetzte, bringt sich hier gegen einen Menschen in Stellung, der bei dieser furchtbaren Tat hingesehen hatte, während andere Menschen wegschauen. Der mutig und verantwortungsvoll handelte, um weitere Taten zu verhindern.


Die Entscheidung ihrer Behörde, Herr Herrmann - Sie sind nicht nur der Staatsminister des Innern im Freistaat Bayern, sondern haben seit März 2018 auch die zusätzlich die Zuständigkeit für den Bereich Integration in Ihrem Aufgabenbereich - führte, nachdem sie veröffentlicht wurde, zu Recht zu großem Unverständnis bei vielen Menschen, so auch bei mir. Innerhalb weniger Tage erreichten zwei Petitionen, welche auf der Plattform change.org gestartet wurden mit dem Ziel, die Abschiebung von Ahmed Mohamed Odowaa zu verhindern und diesem mutigen Menschen eine dauerhafte Perspektive auf eine Zukunft in diesem Land zu ermöglichen, hunderttausend Unterschriften, das mediale Echo war immens.

 
Infolgedessen hatte das bayrische Innenministerium die drohende Abschiebung zunächst zurückgenommen. Sie, Herr Herrmann, sprachen von einem "Mißverständnis". Ein Mißverständnis, welches Herr Odowaa allerdings schriftlich aus Ihrer Behörde in den Händen hielt! Außerdem hat die Zurücknahme des ausgestellten Abschiebebefehls leider auch ein Geschmäckle: Ahmed Mohamed Odowaa, so hörte man es aus dem Innenministerium, würde ja schließlich noch als Zeuge benötigt. Und danach? Noch immer hat der Mensch, welche von vielen Mitbürgern als ein Held angesehen wird, der ungeachtet der Gefahr für sein eigenes Leben Engagement zeigte, keine dauerhafte Perspektive in unserem, in seinem Land, für welches er sich mit seiner Courage eingesetzt hat, noch immer ist er abhängig davon, das seine nach wie vor befristete Aufenthaltsgenehmigung auch beim nächsten Male verlängert wird und er nicht doch noch, sobald er als Zeuge ausgesagt hat, erneut mit einer Abschiebung bedroht wird.

 
Als einer der Initiatoren der Petitionen gegen die von Ihnen zunächst geplante Abschiebung (https://www.change.org/einbürgerung_odowaa freue ich mich natürlich über das große Echo und die Empathie der vielen Menschen, welche den Protest gegen die Abschiebung von Ahmed Mohamed mit ihren Unterschriften unterstützten, bereits in den ersten fünf Tagen kamen bereits hunderttausend Unterschriften zusammen, welche sich gegen die Abschiebung von Herrn Odowaa aussprachen. Es ist ein völlig falsches Zeichen für eine gerechte Asylpolitik, wenn Sie die Deportationsfantasien der Rechtspopulisten übernehmen und Menschen, welche durch ihr Verhalten deutlich beweisen, dass sie bereit sind, sich für unser Land einzusetzen, ausweisen wollen, während durch Ihre Behörde Ihnen schon bekannte Gefährder nicht gefasst werden.

 
Vor über einem Jahr sorgten die aufgedeckten Geheimpläne der in weiten Teilen inzwischen offen rechtsextrem agierenden AfD über die millionenfache Deportation (von denen verharmlosend "Remigration" genannt) von unseren Mitbürgern mit Migrationshintergrund noch bundesweit für Entsetzen, der Begriff von der "millionenfachen" Abschiebung zeigte dabei nur allzu deutlich, dass es der AfD dabei längst nicht nur um die Abschiebung von straffällig gewordenen Asylbewerbern geht. Inzwischen hatte sich der Diskurs in unserer Gesellschaft immer weiter nach rechts verschoben, neben den Medien, welche den Gewalttaten von Migranten im Vergleich zur statistischen Wirklichkeit überdurchschnittlich viel Raum in der Berichterstattung geben und damit die öffentliche Meinung beeinflussen, sind es auch die demokratischen Parteien in unserem Land, welche inzwischen versuchen, mit einer möglichst harten Remigrationspolitik die Rechtspopulisten noch rechts zu überholen. Wenn wir aber auf diese Weise die menschenverachtende Agenda der Rechtspopulisten übernehmen, um vermeintlich Wählerstimmen zurückzugewinnen und diese Narrative damit salonfähig machen, stärken wir am Ende nur die AfD! Es ist entscheidend, dass sich alle demokratischen Parteien von deren Rhetorik distanzieren und stattdessen konsequent demokratische und humanistische Werte vertreten.

 
Aus diesem Grunde möchte ich Sie im Namen der über 131.683 Unterzeichnenden (Stand 11.05.2025) beider Petitionen hiermit nachdrücklich auffordern, in dem konkreten Fall von Ahmed Mohamed Odowaa dem "christlich" in dem Namen Ihrer Partei gerecht zu werden und Mitmenschlichkeit beweisen, indem Sie die Einbürgerung von Herrn Odowaa prüfen.

 
Herr Innenminister Herrmann, Ihrem Ministerium ist seit 2018 der Bereich zugeordnet, welcher nicht umsonst auch die Bezeichnung "Integration" trägt. Sie haben die Möglichkeit, im Falle von Ahmed Mohamed nicht nur bürokratisch nach Aktenzeichen zu entscheiden, sondern eine gerechte Lösung zu finden, welche Ahmed Mohamed eine zuverlässige und dauerhafte Perspektive in dem Land ermöglicht, für das er sich nicht zuletzt mit seiner Zivilcourage und seinen Mut eingesetzt hatte. In einem ähnlich gelagerten Fall in Frankreich wurde von den dortigen Behörden dem Menschen, der sich einem Attentäter in den Weg gestellt hatte, die Einbürgerung ermöglicht. Bitte prüfen Sie, ob Sie im Falle von Ahmed Mohamed eine ähnliche Lösung finden können, um die Dankbarkeit für sein Verhalten nicht nur in warmen Worten und vielleicht auch noch einer Medaille auszudrücken. Einem Menschen, der beispielhaft für die Werte steht, welche unser Land in dieser fragilen Welt so dringend benötigt: Mut, Zusammenhalt, Verantwortung.

 
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Markus Söder, bitte nutzen auch Sie das Ihnen in Ihrem Amt mögliche Ermessen, in dem konkreten Fall von Ahmed Mohamed Odowaa eine gerechte und humanitäre Lösung zu finden, welche ihm ein dauerhaftes Bleiberecht und damit eine Perspektive ermöglicht. Sie haben in den vergangenen Tagen ausdrücklich betont, dass die gesichert rechtsextreme AfD die Union zerstören würde. Sie können aber die AfD nicht dadurch politisch stellen, indem Sie deren Positionen übernehmen.

 
Beenden möchte ich mein Schreiben an Sie, verehrter Herr Ministerpräsident Söder sowie verehrter Innenminister Herr Herrmann, mit den Worten von dem Mitglied des Bundestages Herr Adis Ahmetović, welcher in einem offenen Brief, ebenfalls zu der geplanten Abschiebung von Ahmed Mohamed Odowaa, folgende Worte fand:

 
"Ahmed Mohamed Odowaa hat seinen Teil getan. Jetzt ist es an uns, ihm gerecht zu werden."

Hochachtungsvoll

Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X