

Aussagen der Polizei:
In Deutschland ist die sogenannte „freiwillige Prostitution“ zwar legal, tatsächlich aber ist hier nach Aussage der Kriminalpolizei Zwangsprostitution der Alltag. „Kompetente, kriminalpolizeiliche Ermittler gehen davon aus, dass in Deutschland 96 bis 98 Prozent der Frauen in der Prostitution fremdbestimmt sind“, so Kriminalhauptkommissar a.D. Manfred Paulus. Helmut Sporer, Leiter des Kommissariats 1 der Kriminalpolizeiinspektion in Augsburg sagt, dass 90 Prozent der Frauen nicht freiwillig der Prostitution nachgehen, 80 Prozent der Frauen seien Migrantinnen und würden aus den neu angeschlossenen Osteuropäischen Staaten kommen. „Deutschland ist längst zur Drehscheibe von Menschenhandel und Zwangsprostitution geworden“.
Wir müssen also davon ausgehen, dass über 90 Prozent der Menschen in der Prostitution (größtenteils Mädchen und Frauen) Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel sind!
Aussagen von Ärzten und Psychotraumatologinnen:
Der Übergang zwischen Zwangsprostitution und „freiwilliger“ Prostitution ist meistens fließend, deshalb ist es schwierig diese zwei Begriffe eindeutig zu trennen und separat zu behandeln.
Der Einstieg in die Prostitution verläuft oft über Gewalterfahrungen in der Kindheit, deshalb kann man in diesem Kontext nicht wirklich von Freiwilligkeit sprechen. Die „freiwillige“ Entscheidung in die Prostitution zu gehen, setzt gewisse Bedingungen voraus. Auch hier gibt es vielzählige Studien, die einen Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen in der Kindheit und Prostitution aufweisen. Viele weisen eine Geschichte von mangelndem Schutz in ihrer Kindheit auf und daraus folgend mangelndem Selbstschutz. Diese Frauen haben sehr früh gelernt, sich „abzuschalten“.
Sexualität erfordert ein Zusammenspiel von Geist und Körper. Um fremden Menschen die Penetration des eigenen Körpers zu ermöglichen, ist ein Abschalten natürlicher Funktionen erforderlich, die sonst unweigerlich wären: Angst, Scham, Fremdheit, Ekel, Verachtung, Geruch, Schmerzen etc. Dieses Abschalten ist ein Phänomen, das man Dissoziation nennt. Alkohol und Drogen helfen zusätzlich, den seelischen Schmerz zu ertragen. Die Benutzung der Vagina als ein gefühlsloses Arbeitsinstrument ist nur unter dem Zustand einer Dissoziation möglich.
Deshalb sind die Traumafolgen so weit verbreitet in der Prostitution: In den Studien, die das Ulmer Traumazentrum zusammengetragen hat, werden Prostituierte als Hochrisiko-Gruppe für Traumastörungen eingeordnet: „Arbeit mit Folgen: Zwischen 47 und 87 Prozent der befragten weiblichen Prostituierten leiden Studien zufolge an einer posttraumatischen Belastungsstörung, berichten Wissenschaftler des Traumazentrums der Universität Ulm“.
Die Häufigkeit eine PTBS in der Prostitution zu entwickeln ist mehr als doppelt so hoch als für Kriegsopfer (die eine Prävalenz für die Entwicklung einer PTBS von 20% aufweisen). Die Traumatisierung in der Prostitution ist auch komplexer. Oft wird der Vergleich mit anderen Tätigkeiten benutzt (wie z.B. als Reinemachefrau oder als Verkäuferin in einem Großhandel). Prostitution ist aber nicht mit solchen Tätigkeit vergleichbar da hier der höchstpersönliche Intimbereich einer Frau missbraucht wird. Immer mehr Ausgestiegene / Überlebende der Prostitution berichten über die Traumatisierung und sagen, dass die Sexindustrie „einem beibringt, kein Mensch mehr zu sein.“
89 Prozent der Frauen in der Prostitution äußern den Wunsch die Prostitution zu verlassen. Viele Frauen machen es, weil sie keine andere Option sehen und/oder keine Alternativen haben. Die Prostitution, so wie sie heute in Deutschland stattfindet, ist überwiegend Zwangs- und Armutsprostitution von der hauptsächlich dritte Personen profitieren.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Ingeborg Kraus
Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: Das Nordische Modell zu Prostitution