
Dr. Ingeborg KrausGermany

Jan 14, 2017
Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Frau Scharfenberg, äußert in einem Interview, dass sie sich Sexualassistenz für Alte und Pflegebedürftige Menschen nach holländischem Modell vorstellen könne. Der darauf erschienene Artikel in Zeit-Online gerät unter starke Kritik.
Maria Klein-Schmeink, verteidigt ihre Parteikollegin: die Medien hätten aus einer kleinen Randfrage ein Medienhype gemacht. Binnen weniger Minuten erntet sie dafür über 1000 Likes, auch von grünen ProstitutionskritikerInnen.
Prostitutionskritik wird bei den Grünen weitgehend ignoriert. Dort, wo es Kritik gibt, richtet diese sich eher gegen den Zeitpunkt der Äußerung – ausgerechnet jetzt im Wahljahr! – als gegen den für alle Seiten demütigenden Vorschlag an sich. Die restliche Kritik zielt auf die angeblich mangelnde „Differenziertheit“ derer, die diesen angedachten Rechtanspruch auf das Anliefern anderer Menschen, meistens Frauen, für sexuelle Handlungen nicht akzeptieren wollen. Ein verzerrendes und die Realitäten verleugnendes Werbevideo der Lobbyistin Nina de Vriess in einer extrem naiven ZDF-Sendung wird verlinkt. In der Gruppe der grünen Feministinnen und Grünen Frauen löst das Thema „Sexualassistenz“ jedenfalls keine große Empörung aus. Warum auch? Wenn Prostitution eine Dienstleistung wie jede andere ist, dann sollten doch benachteiligte Menschen auch etwas davon abkriegen. Nach dieser Logik wäre es ja diskriminierend nicht alle davon profitieren zu lassen.
Boris Palmer zum Beispiel äußert sich nach zwei Tagen verärgert über andere Kanäle und sagt, dass man im Wahljahr „gut gemeinte Ideen lieber im Koffer lassen sollte“. Er kritisiert also nicht wirklich die Idee, sondern nur die Tatsache damit zu Früh rausgerückt zu sein. Die Partei, die mit dem Slogan „wir bleiben unbequem“ in den Wahlkampf zieht, sollte also im Wahljahr nicht zu unbequem erscheinen! Eine Partei der „Beliebigkeit“ schreibt der Spiegel in der Chronik 2016.
War die Sache mit Scharfenbergs Äußerung wirklich nur ein Randthema, ein Ausrutscher, eine Sache die von den Medien aufgeputscht wurde? Nicht wirklich. Die Grünen haben sich bei vielen Themen von ihren eigenen Werten distanziert. In Sachen Prostitution haben sich die grünen Frauen zu Pseudo-Feministinnen verwandelt und sind zu Zuarbeiterinnen grausamster patriarchaler Praktiken geworden. Sie scheinen damit gut leben zu können, solang der Politbarometer stimmt und die eigene Karriere nicht in Gefahr gerät.
Im folgenden Text beschreibt Florence Humbert sehr genau, was die Krise der Grünen Frauen ausmacht. Und ich Frage mich, wie lange die Grünen noch diesen inneren Widerspruch tragen können, bevor sie daran zugrunde gehen?
Mit besten feministischen Grüßen
Dr. Ingeborg Kraus
Hier der Text von Florence Humbert: http://www.trauma-and-prostitution.eu/2017/01/13/wie-die-evangelische-kirche-und-der-gruene-pseudo-feminismus-zu-unterstuetzer-der-zuhaelterei-in-deutschland-wurden/
Support now
Sign this petition
Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X