EILT ! STOPPT überdimensionierten Brückenbau für 46 Mio. € in Berlins Mitte !

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Berliner Senat zerstört die Zukunft von Berlins historischer Mitte! Keine Autobahnbrücke an Berlins Gründungsort!

Die Mühlendammbrücke gehört zu den bedeutendsten Orten der Stadt, eingebettet in ein denkmalgeschütztes städtebauliches Umfeld. Der historische Ursprung Berlins soll nun erneut den überkommenen Zielen der autogerechten Stadt geopfert werden.

Vorgesehen ist ein Ersatzneubau der seit 1968 bestehenden 8-spurigen, 45 Meter breiten Mühlendammbrücke. Die Auslobung des Realisierungswettbewerbs zum Neubau steht unmittelbar bevor. Vorgegeben ist dabei ein Brückenneubau in den gleichen Abmessungen !!! Hierbei sind in jeder Fahrtrichtung zwei- bis dreispurige Flächen für den Kfz-Verkehr vorgesehen, die den "aktuellen verkehrlichen Anforderungen" (Jan Thomsen, SenUVK) entsprechen.

Sieht so ein zukunftsfähiges Konzept der Senatsverwaltung für eine klimaresiliente, CO2-neutrale Stadt aus?

Der Bau einer so bedeutenden Stadtbrücke muss sowohl städtebaulich als auch gestalterisch öffentlich diskutiert werden, denn eine Mühlendammbrücke mit 32 Metern Breite ist ausreichend, um die notwendigen Flächen für die verschiedenen Verkehrsarten (Tram, Fuss, Rad und Kfz) stadtverträglich unterzubringen. Der Bezirk Mitte geht langfristig von einer Halbierung des Kfz-Verkehrs auf 35.000 Kfz pro Tag aus, dafür reicht eine Kfz-Spur pro Richtung vollkommen aus.

Stattdessen wird versucht, mit einem 1:1-Ersatzneubau die öffentliche Beteiligung zu umgehen!

Stoppt das Verfahren, denn es ist städtebaulicher, ökonomischer und ökologischer Irrsinn und zerstört für die nächsten 80 Jahre die Innenstadt:

- städtebaulich: weitere Zäsur in Berlins historischer Mitte - der geplante Straßenquerschnitt trennt weiterhin Nord- und Südmitte
- ökonomisch: völlig überdimensionierte Infrastruktur mit hohen Bau-und Unterhaltskosten, gleichzeitig fehlt das Geld für die öffentliche Infrastruktur (Schulbau, Fahrpreiserhöhung beim ÖPNV, andere marode Brücken)
- ökologisch: entgegen aller klimapolitischen Ziele des Senats und der damit festgeschriebenen und notwendigen Verkehrswende
- historisch: statt die einmalige Chance für ein Aufleben des Gründungsortes Berlins zu nutzen, werden die Entwicklungsbereiche Alte Münze, Molkenmarkt und das Nikolaiviertel dauerhaft zerschnitten und ihre Zugänglichkeit für Nachbarschaft und Besucher erschwert. Dadurch werden öffentliche Investitionen von über 20Mio.€ ad absurdum geführt

Wir fordern die Senatsverwaltung für Umwelt, Klimaschutz und Verkehr auf, das Verfahren sofort zu stoppen !

Wir brauchen stadtverträgliche Lösungen und demokratische Mitwirkung !

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IG Leipziger Straße e.V. (Interessengemeinschaft Leipziger Str. Berlin-Mitte)

Changing Cities Central - Netzwerk Fahrradfreundliche Mitte (Changing Cities e.V.) 

VCD Nordost (Verkehrsclub Deutschland Landesverband Nordost e.V.)

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Mehr Informationen:

- Sofortiger Stopp der Ausschreibung im EU-Amtsblatt. Erst veröffentlichen, wenn die Ausschreibung des Wettbewerbs tatsächlich qualifiziert vorbereitet sein wird. Ist die Ausschreibung erst im Amtsblatt der EU veröffentlicht, wird es zu spät sein!

- Mit Beteiligung der Öffentlichkeit und unabhängiger Fachleute wird die Brücke mit Sicherheit besser, kleiner und kostengünstiger. Das eingesparte Geld steht dann für andere, dringend notwendige Maßnahmen zur Verfügung.

- Die Ausschreibung muss die vom Senat selbst gesteckten Ziele des Berliner Energiewendegesetzes (EWG), des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK 2030), des Stadtentwicklungsplans Verkehr und des Berliner Mobilitätsgesetzes (MobG) berücksichtigen. Aktuell werden sie ignoriert.

- Ebenso müssen die 2016 einstimmig im Abgeordnetenhaus verabschiedeten Ziele der Bürgerleitlinien berücksichtigt werden: „Die Berliner Mitte wird verkehrsberuhigt. Sie wird leiser. Auch wird sie zukünftig besser mit den umliegenden Stadtvierteln vernetzt.“ Diese verbindlichen Leitlinien werden aktuell mit Füßen getreten.

- Durch den Ausbau der Ringstruktur (Stadtring) und den Ausbau des Umweltverbunds wird sich der Kfz-Verkehr in der Berliner Mitte weiter reduzieren. Das ist in keiner Weise berücksichtigt.

- Durch den Ersatzneubau in gleicher Größe wird ein sonst notwendiges planungsrechtliches Verfahren mit Auslegung und öffentlicher Beteiligung der Pläne unterbunden. Das ist undemokratisch und widerspricht zutiefst der durch Senat und Bezirke proklamierten Beteiligungskultur Berlins.

- Der derzeitigen Planung liegt kein räumlich übergeordnetes städtebauliches und verkehrliches Konzept zugrunde. Die Mühlendammbrücke reiht sich in eine Abfolge von Maßnahmen zur Rückgewinnung des städtischen Raums ausgehend vom Potsdamer Platz bis zum Molkenmarkt und darüber hinaus ein. Das wird aktuell in keiner Weise berücksichtigt.

- Es werden gleichzeitig über 20 Mio. € zur Umgestaltung des angrenzenden Molkenmarktes und zur Reanimierung des Nikolaiviertels als historische Orte investiert, die durch die Planung von einer autobahnähnlichen Trasse zerschnitten werden und die bisherigen Investitionen ad absurdum führen.

 

Geschichte:

Der Mühlendamm ist die erste urkundlich erwähnte Querung der Spree und gilt als Ursprung der spätmittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Kölln, die sich ab ca. 1200 beidseitig der Spree um Nikolaikirche und Molkenmarkt sowie um Petrikirche und Köllnischen Fischmarkt entwickelte. Der Mühlendamm diente sowohl als Wehr als auch als Mühlenstau.

Der enge Mühlendamm zeigte sich als eine der belebtesten Geschäftsstraßen Berlins, die 1687 durch den Bau der Nehringschen Kolonnaden aufgewertet wurden.

1891 führten zehn Pferdelinienbahnen über den Mühlendamm, der nach seinem Umbau 1894 eine Breite von 26,5 Metern hatte. Die Bürgersteige maßen je 5,75 Metern. Seit 1894 gibt es eine Schleuse am Mühlendamm.

In den 1920ern plante die Stadt eine Verbreiterung des Mühlendammes von auf 37 Meter und den Bau einer Zweikammerschleuse. 1935 begannen die Abbrucharbeiten, 1939 war die Behelfsbrücke fertig gestellt und das Ephraim-Palais verschwunden, 1940 der Bau der neuen Schleusenanlage beendet.

Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Behelfsbrücke wurde provisorisch wiederaufgebaut. Dem Wiederaufbau folgte ab 1964 der Abbruch der alten Schleusenreste. 1966 bis 1968 entstand die heutige Spannbetonbrücke mit einer Breite von 45,2 Metern.

(Quelle: Verein für die Geschichte Berlins e.V.)