Petition update

R. Kelly in Deutschland verstummt - unser Abschlussstatement

R. Kelly stummschalten

Apr 9, 2019 — 

Liebe Unterstützende,

die #RKellystummschalten Kampagne ist nun an ihr Ende gelangt. Wir wollen uns recht herzlich bei euch allen für eure unermüdliche Unterstützung bedanken! Seit Januar 2019 haben wir durch euren Support über 242.000 Unterschriften gesammelt. Es wurde nicht nur deutschlandweit, sondern auch international über unser aller Engagement berichtet und große Aufmerksamkeit für diesen Fall generiert. Es wurden nationale Debatten angestoßen rund um die Frage nach der Trennbarkeit von Kunst und Künstler*in und auch in unserem Arbeitsbereich Hip-Hop wurde sich erstmals kritisch mit der anhaltenden Unterstützung von Künstler*innen, denen Sexualstraftaten vorgeworfen werden, auseinander gesetzt. Das ist super! Vor allem aber konnten wir an die #metoo-Bewegung anknüpfen, die besonders im englischsprachigen Raum eine große Debatte um Sexismus, sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch angestoßen hat.

Aber die Kampagne hat uns selbst emotional sehr viel abverlangt. Die Betreuung so einer Kampagne ist echt ein Vollzeitjob (neben unseren Vollzeitjobs), hinzu kommt die tagtägliche Überzeugungsarbeit, die wir für unsere Standpunkte leisten mussten und oben drauf die zahlreichen persönlichen Angriffe, die zum Teil so schwer waren, dass diese Fälle zur Anzeige gebracht wurden. Auch den skandalisierenden Umgang der Presse mit dem Thema möchten wir an dieser Stelle kritisieren. Es ging uns nie darum, mit der Kampagne irgendwen zu Fall zu bringen oder die Klatschpresse zu befeuern. Unser Ziel mit der Kampagne war es von Anfang an, uns auf die Seite Betroffener von sexualisierter Gewalt zu stellen und eine landesweite Solidarisierungswelle mit ihnen auszulösen. Es ist uns wichtig festzuhalten, dass nicht nur im Falle Kellys die Aussagen der betroffenen jungen Schwarzen Frauen und Frauen of Color ernst genommen werden und Unterstützung angeboten wird, sondern dass wir alle in unserem eigenen Umfeld Solidarität üben müssen mit Betroffenen von Sexismus, Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt. Dazu gehört auch, unser Konsumverhalten zu reflektieren. Denn schließlich stehen wir als Konsument*innen auch in der Verantwortung, uns zu informieren, welche Strukturen wir damit finanzieren, im Falle Kellys z.B. teure Anwaltskosten und Entschädigungszahlungen.

Auch wenn wir zwei Konzertabsagen in Ludwigsburg und Sindelfingen als Erfolg für die Kampagne verbuchen können, wurde bis zum Prozessbeginn Kellys trotz regem öffentlichen Protests, an den Konzerten in Neu-Ulm und Hamburg festgehalten. Der Konzern Ratiopharm aber auch die öffentliche Verwaltung in Hamburg hielten sich zum Thema bedeckt und zeigten keinerlei Verständnis oder Entgegenkommen, wodurch den Betroffenen gegenüber Gleichgültigkeit bewiesen wurde. Der Fall R. Kelly hat uns gezeigt, dass selbst nach internationalem Protest, nach der Veröffentlichung einer Dokumentation mit über 50 Zeugenaussagen und einer zwei Jahrzehnte langen Vorgeschichte mit sexuellem Missbrauch, Täter in unserer Gesellschaft immer noch mehr Schutz und Glaubwürdigkeit genießen als Betroffene. Wäre der Sänger nicht verhaftet worden, hätten die Konzerte einfach so stattgefunden, trotz Beweisen, trotz Zeugenaussagen, trotz über 242.000 Menschen, die sich dagegen aussprechen.

Daher ist es wichtig, diese Debatten zu führen und vielen, die im Stillen für sich leiden, zu signalisieren, dass uns ihre Erfahrungen nicht egal sind und dass wir nicht über die Taten eines Menschen hinwegsehen, dem seit über 20 Jahren Missbrauch Minderjähriger, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und mehr vorgeworfen wird. Sexismus und sexuelle Übergriffigkeit sind gesamtgesellschaftliche Probleme. Der Ausgang dieser Petition spiegelt uns, dass noch weitaus mehr Aufklärung über sexualisierte Gewalt erforderlich ist, um sie langfristig zu bekämpfen. Eine einzige Petition kann über Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang gefestigte Einstellungen in der Gesellschaft nicht aufarbeiten, aber zumindest einen Stein ins Rollen bringen und Präzedenzfälle schaffen, die auch in Zukunft Grundlage für Debatten sein können. So hat #RKellystummschalten hoffentlich anderen engagierten Menschen Mut gemacht, gegen gesellschaftliche Missstände aufzubegehren und Petitionen als Tool zum Generieren einer breiten Öffentlichkeit näher gebracht.

Wir wünschen euch alles Gute!

Gizem, Lucia und Salwa im Namen von #RKellystummschalten

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article191382195/Nach-Missbrauchsvorwuerfen-Hamburger-Konzert-von-R-Kelly-endgueltig-abgesagt.html


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