Petition updateRettet die Langener MusikschuleWas wird aus unserer Musikschule Langen?
Holger LößnerGermany
Nov 10, 2025

Spürbare Einschränkungen im Unterrichtsbetrieb:

1. Seit dem letzten Jahr haben 9 Lehrkräfte die Musikschule verlassen – sowohl junge als auch langjährig erfahrene Lehrkräfte. Die Gründe waren unsichere Zukunftsperspektiven sowie bessere Bedingungen und feste Anstellungen an anderen Musikschulen oder allgemeinbildenden Schulen. Deshalb gibt es zum Beispiel keinen klassischen Gesangsunterricht mehr an der Musikschule Langen.

2. Lehrkräfte dürfen trotz Kapazitäten und langen Wartelisten aktuell keine neuen Schüler*innen aufnehmen. Es besteht eine nicht offen kommunizierte Deputatssperre.

3. Dadurch bedingt müssen Kinder, Jugendliche und Erwachsene lange auf Unterricht warten.

4. Rückgang der Wochenunterrichtsstunden an der Musikschule von ca. 680 im Frühjahr 2024 auf 536 im Oktober 2025. Leidtragende sind vor allem die klassischen Instrumentalfächer (z.B. Streicher, Bläser).

 

Was bedeutet die Umwandlung der städtischen Musikschule in die gGmbH?

Die Musikschule soll künftig nicht mehr als städtische Musikschule, sondern als kommunale gemeinnützige GmbH betrieben werden. Der Magistrat wurde mit der Aufstellung eines Wirtschaftsplans und eines pädagogischen Konzepts auf folgender Basis beauftragt. Dies liegt nun vor:

- Kein Ausgleich möglicher Anfangsverluste der gGmbH

- Vergütung der Musiklehrer nur in Anlehnung an den TVÖD (Tarifvertrag öffentlicher Dienst)

- Städtischer Zuschuss von ca. 350.000 € (Erhöhung um 30.000 € im Vergleich zu den Vorjahren, die Stadtverordnetenversammlung hat es mehrheitlich abgelehnt, den städtischen Zuschuss signifikant zu erhöhen)

- Verdichtung des Unterrichts durch verstärkten Gruppenunterricht

- Fortführung der Familien- und Sozialermäßigung wird geprüft

- Prüfung der Zusammenarbeit mit den Musikschulen in Egelsbach und Dietzenbach

 

Die Konsequenzen betreffen uns alle:

1.      Erhebliche Entgeltsteigerungen in allen Bereichen, z.B. wird Einzelunterricht für Langener Musikschüler bis 21 Jahre um 20%, Einzelunterricht für Erwachsene um 35% und Einzelunterricht für auswärtige* Musikschüler um 50% teurer (*betrifft also Musikschüler z.B. aus Egelsbach oder Dreieich).

2.      Keine Verpflichtung zur Einhaltung tariflicher Standards für die Lehrkräfte, d.h. keine Verpflichtung Gehälter tatsächlich an TVöD zu orientieren. Es besteht die Gefahr einer willkürlichen Gehaltsabsenkung.

Außerdem: eine geplante Erhöhung der Arbeitszeit um 33% auf 40 Wochenstunden bewirkt die Gefahr einer weiteren Abwanderung von Lehrkräften. 

Zur Information: im TVöD für Musikschullehrkräfte sind 30 Wochenstunden festgelegt zzgl. sogenannter Zusammenhangstätigkeiten wie:

•      Vor- und Nachbereitung des Unterrichts (Vorbereitungszeiten)

•      Erarbeitung neuer Noten

•      Stundenplaneinteilungen

•      Abhaltung von Sprechstunden/Elterngespräche

•      Teilnahme an Konferenzen und Elternabenden

•      Teilnahme an Vorspielen/Konzerten der Schülerinnen und Schüler

•      Mitwirkung an Veranstaltungen der Musikschule sowie Mitwirkung im Rahmen der Beteiligung der Musikschule an musikalischen Veranstaltungen von Kooperationspartnern (z.B. Orchesteraufführungen, Musikwochen und ähnliche Veranstaltungen)

•      Mitwirkung an Musikwettbewerben und ähnlichen Veranstaltungen

•      Teilnahme an Musikschulfreizeiten an Wochenenden und in den Ferien

Im TVöD sind daher 30 Wochenstunden festgeschrieben, eine Erhöhung auf 40 Wochenstunden ist eine verdeckte Tarifflucht.

3. Verstärkte Ausrichtung auf Gruppenunterricht, laut Vorlage zu 30 %, was pädagogisch schwierig ist (z.B. wegen unterschiedlicher Lernfortschritte).

4. Einschränkungen bei den Ensembles, sie sollen um fast 50 % reduziert werden.

5. Die im Sommer 2024 beendeten Schulkooperationen waren ein Indikator für Fördermittel des Landes und müssten erst wiederbelebt werden. Durch Förderung von Bund und Land wäre es möglich, sie kostendeckend durchzuführen.

6. Schleichender Abbau und deutlich ausgedünntes Angebot, das sich weiter verschlechtern dürfte, da andere Musikschulen eine bessere Vergütung bieten könnten und Lehrkräfte abwandern.

7. Eine Musikschule mit weniger Lehrkräften und Fächern verfehlt ihren kulturellen Bildungsauftrag. Kultur und kulturelle Bildung kosten Geld – das gilt auch für Musikschulen.

8. Die aktuelle Sparpolitik des Magistrates zielt allein auf Wirtschaftlichkeit, ignoriert wichtige pädagogisch-künstlerische Aspekte und verkennt die essentielle Bedeutung der Musikschule für die Stadtgesellschaft insgesamt in Langen.

Fazit: Der vorliegende Plan der Stadt Langen zur Gründung der Musikschule Langen als gemeinnützige GmbH ist eine schöngefärbte Mogelpackung, die u.a. den schon begonnenen Rückgang der Unterrichtsangebote, die verringerte Zusammenarbeit mit Schulen sowie die Abwanderung von Musiklehrerinnen und -lehrern weiter verstärken wird.

 

Quellenlink zur Sitzungsvorlage für den Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport am 13.11.2025: 

https://langen.ris-portal.de/sitzungen?p_p_id=RisSitzung&p_p_lifecycle=0&p_p_state=normal&p_p_mode=view&_RisSitzung_mvcRenderCommandName=%2Ftop-detail&_RisSitzung_sitzungId=150899&_RisSitzung_topId=1617428

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