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Rettet die Schwarzstörche! Rettet den Naturpark Odenwald!

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Aus dem UNESCO Geo-Naturpark Odenwald soll ein riesiges Windkraftwerk gemacht werden: Die Regionalversammlung Südhessen entscheidet in wenigen Tagen (14.12.2018) über mehr als 3000 (!) ha Windkraftfläche - mitten in den Wäldern und mitten im Lebensraum von vom Aussterben bedrohter Waldbewohner wie Schwarzsstorch, Mopsfledermaus, Milan. Der Antransport und die Errichtung hunderter fernsehturmhoher, großindustrieller Windkraftanlagen inmitten dieser ökologisch sensiblen und geschützten Waldlandschaft bedeutet faktisch die Zerstörung eines der ältesten Naturparke Deutschlands. RETTET DEN ODENWALD!

Der Odenwald ist eines der wenigen noch halbwegs zusammenhängenden großen Laubmischwaldgebiete Deutschlands - unersetzlicher Lebensraum für bedrohte Waldarten wie Schwarzstorch, Uhu, Rotmilan, Grauspecht, Haselmaus, Großes Mausohr oder Mopsfledermaus und viele mehr (die Liste ist lang…weitere Infos hier). Bereits vor mehr als 100 Jahren wurde der Wert dieser Waldregion erkannt und damit begonnen sie unter Schutz zu stellen. Seit Generationen wird versucht den Odenwald als Naturraum zu bewahren - Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, europäische Schutzgebiete (Natura 2000) und sein Status als Naturpark zeugen von diesem Bemühen. Seit 2015 hat der Odenwald als Geo-Naturpark sogar den Rang eines UNESCO Weltkulturerbes.

Doch jetzt droht der bisher vor Zersiedelung und Industrialisierung bewahrte Odenwald von einer Naturlandschaft  in eine technisch überprägte Industrielandschaft degradiert zu werden. Bereits am 14.12.18 soll nach der Beschlussvorlage des Regierungspräsidiums Darmstadt die Regionalversammlung Südhessen beschließen mitten in den Wäldern des Naturparks rund 3000 (!!) ha Windkraftvorrangflächen auszuweisen (Größenvergleich: Die Fläche des Hambacher Forstes beträgt 200 ha). Faktisch bedeutet der Bau hunderter Windkraftanlagen im Wald die Zerstörung des Naturparks - mit weitreichenden, dramatische Folgen auch für zahlreiche geschützte Tierarten und den Naturhaushalt im Odenwald.

Fossile und atomare Stromerzeugung sind nicht nachhaltig – dass heißt im Umkehrschluss aber leider noch lange nicht, dass Windkraft im Naturpark Odenwald nachhaltig ist. Windkraft ist nutzlos, wenn sie zerstört, was sie schützen soll – die Natur.

Wir – die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieser Petition – appellieren an die Delegierten der Regionalversammlung Südhessen der Beschlussvorlage des Regierungspräsidiums Darmstadt nicht zuzustimmen und für einen windkraftfreien UNESCO Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald zu sorgen!

Ökologischer Schaden und Nutzen stehen bei den geplanten Windkraftflächen im Odenwald schlichtweg in keinem Verhältnis zueinander:

Rodung und Fragmentierung des Waldes: Allein die für Fundamente und Bauplätze der Windkraftanlagen zu rodende Waldfläche wäre mehrfach so groß wie der Hambacher Forst. Dabei zählt der sommergrüne, von Buchen dominierte Laubmischwald des Odenwaldes global zu den seltenen und stark gefährdeten Waldtypen.  Bezüglich Flächenverlust, Fragmentierung, zivilisatorischer und forstwirtschaftlicher Überprägung haben unsere sommergrüne Laubwälder noch stärker als die tropischen Regenwälder gelitten (weiter Infos hier). Zwar wird oft argumentiert dass es mit 30% Flächenanteil noch genug Wald in Deutschland gäbe. Auf diese Zahl kommt man jedoch nur wenn man jedes noch so kleine Gehölz mitzählt. Waldgebiete die groß genug sind ein Waldökosystem wie das des Odenwaldes entwickeln, kommen nur noch auf rund 4% Flächenanteil. Das erklärt auch warum der Odenwald so unersetzlich als Lebensraum für etwa 5000 verschiedene Tierarten ist.

Gefährdung streng geschützter Arten: Vor allem die bereits jetzt schon vom Aussterben bedrohten, im Odenwald lebenden Vogel- und Fledermausarten sind durch die Windkraftpläne  existenziell betroffen: In Deutschland fallen Windrädern heute im Jahr bis zu 250.000 Fledermäuse und über 12.000 Greifvögel zum Opfer. Windkraftanlagen im Naturpark Bergstraße-Odenwald haben fatale Folgen für die lokale Population von Schwarzsstörchen, Greifvögeln wie Rot- und Schwarzmilan, Habicht, Baum- und Wanderfalke und Wespenbussard aber oder Eulenvögeln wie  Uhu, Wald-, Stein-, Sperlings- und Raufußkauz, Schleier- und Waldohreule – um nur einige zu nennen (hier weitere Infos). Gleichermaßen betroffen wären Großes Mausohr, Mopsfledermaus, Bechsteinfledermaus oder Wimpernfledermaus (hier weiter Infos)

o  Trinkwassergefährdung:  Viele Odenwalddörfer beziehen ihr Trinkwasser aus lokalen Quellen - weshalb gerade im zerklüfteten Buntsandstein der Waldboden als Trinkwasserfilter so bedeutsam ist.  Welche Gefahren für die Wasserversorgung von Windkraftanlagen im Einzugsgebieten der Quellen ausgeht zeigen die bereits außerplanmäßig gebauten WKA auf den bewaldeten Bergrücken: Arsenbelasteter Schotter wurde verbaut [2] und Öl trat auf der Baustelle aus und lief in den Waldboden [3]. Und trotz einer noch immer anhängigen Klage der Gemeinde Mossautal wegen der Gefährdung ihres Trinkwassers durch  ENBW Windräder wurden diese inzwischen trotzdem gebaut - obwohl das Gericht ENBW gebeten hatte die Bauarbeiten einzustellen bis ein Urteil gefällt wird [4].

Ende des nachhaltigen Naturtourismus: In der deutschen Klimaschutzdebatte wird Tourismus als Quelle von Treibhausgasemissionen ausgeblendet. Dabei tragen laut einer aktuellen Studie allein die deutschen Touristen durch Fernreisen mit jährlich 329 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent deutlich mehr zum anthropogenen Treibhauseffekt bei als die gesamte deutsche Stromerzeugung. Langfristig ist der Klimaschutzbeitrag den der Odenwald als Naturerholungsregion durch die Vermeidung von Tourismus in weiter entfernte Natururlaubdestinationen  erheblich bedeutsamer als seine Transformation in ein Mittelgebirgskraftwerk. Denn auch wenn in Deutschland die letzten von der Industrialisierung bislang verschonten Naturregionen verschwinden und den Bedürfnissen regenerativen Stromerzeugungstechnik unterworfen werden, so heißt das noch lange nicht, dass deshalb auch das Bedürfnis und die Sehnsucht vieler Menschen nach technisch nicht überprägten Naturräumen - und damit einhergehend der Naturtourismus - verschwinden. Im Gegenteil! Nach der Zerstörung des Odenwaldes als Naturpark und Naherholungsgebiet werden Naturtouristen künftig nur noch weitere Strecken zurücklegen und das Emissionsaufkommen im Verkehr weiter steigern. Das Bedürfnis nach Naturerleben ist nichts Neues sondern trieb bereits zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Menschen aus den Industriestädten der Rheinebene die die Wälder des Odenwaldes und stand am Anfang  - und jetzt leider wieder Rückabgewickelten - Natur- und Landschaftsschutzes.

o  Zahlreiche weitere negative Folgen des radikalen Windkraftausbaus im Naturpark ließen sich weiter ausführen - wie die weitere Fragmentierung des Waldes und die Störung seines Mikroklimas; die Lärmbelastung für die Dorfbewohner; die winterliche Sperrung der Höhenwanderwege aufgrund von Eisschlag der Rotoren, usw.  

All dies soll aufgegeben werden für "Klimaschutz". Denn - so die Argumentation - durch die Windräder im Naturpark wird ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Und da der Klimawandel die größte Bedrohung der Natur ist, ist der Bau von Windrädern praktizierter Natur- und Artenschutz.

Doch wie groß wäre der Beitrag zum Klimaschutz tatsächlich? 

Es geht bei dieser Petition eigentlich nicht um Grundsatzfragen der Windkraft und der Energiewende. Doch weil das Klimaschutzargument so über allem thront und das einzige, aber unantastbare "pro Windkraft" Argument ist, wollen wir hierauf zumindest kurz eingehen:

Bezogen auf den rasanten Ausbau der Windkraft und die regenerative Stromerzeugung ist die Energiewende natürlich ein Erfolg. Doch in Bezug auf den Klimaschutz ist sie dennoch ein Desaster: Trotz eines Anteils der regenerativen Stromproduktion an de Gesamtstromerzeugung von inzwischen mehr als 30% ist der CO2 Ausstoß (im Stromsektor wohlgemerkt!) seit 2010 nahezu unverändert! Wo ist der Klimaschutz geblieben? Angesichts der Tatsache dass Deutschland mit 25 Mrd EUR für die Förderung von Ökostrom jährlich so viel Geld ausgibt wie die Türkei fürs Militär, ist klar warum sowohl der Bundesrechnungshof als auch die eigene Gutachterkomission der Bundesregierung zum Monitoring der Energiewende seit Jahren von einem Versagen der Energiewende beim Klimaschutz sprechen und ein Ende der direkten Windkraftförderung zugunsten einer auf direkte CO2-bepreisung  basierenden Klimaschutzpolitik fordern. Das Problem liegt eben nicht darin, dass es zu wenig Förderung für regenerative Stromerzeugung oder nur noch nicht genügend Windräder gibt. Der ganze, ausschließlich auf klassischer Technologieförderung basierende Ansatz funktioniert nicht - im Sinne von "viel hilft eben nicht immer viel": Windkraft wird in immer windschwächeren und ökologisch immer sensibleren Gebieten gefördert in der Hoffnung, dass der "öko"Strom dann die Kohle vom Markt verdrängt - was er aber nicht tut (und ohne Speicherung des volantilen Stroms auch nicht tun wird und weshalb die Kohlekraftwerke weiter laufen.  Noch offensichtlicher wird das Versagen dieser auf dem Wachstum "grüner" Technologie basierenden "Klimaschutzstrategie" wenn man nicht nur Strom, sondern den Gesamtenergiebedarf - also auch die anderen Energiesektoren - Wärme und Verkehr - mit einbezieht: Zur Deckung des deutschen Gesamtenergiebedarfs trägt Windkraft trotz der Milliardenförderung nicht einmal zu drei Prozent bei - und leistet damit in etwa den gleichen Betrag zur regenerativen Energieversorgung wie das Brennholz, dass seit Jahrhunderten aus dem Wald geerntet wird.

Würde man den Naturpark Odenwald tatsächlich mit zig hundert Windkraftanlagen zubauen würde die jährlich erzeugte Energiemenge bei weitem noch nicht ausreichen z.B. die Jahresproduktion des GKM Kraftwerk in Mannheim zu ersetzen. Selbst wenn alle noch bisher verbliebenen Naturflächen der Region wie Pfälzer Wald, die Haardtwälder und der Odenwald mit Windrädern zugestellt würden, wäre die Energiemenge des GKM noch lange nicht erreicht (weitere Infos hier). Und dass soll eine "Nachhaltige" Lösung des Klimaschutzproblems sein? Die letzten Naturräume industrialisieren und geschützte Arten aufs Spiel setzen um den Strom eines einzigen Kraftwerks zu erzeugen (wobei der Strom ohne Speicher nicht mal verfügbar wäre)? Und selbst wenn es gelänge den Strom aller Haushalte Deutschlands durch einen weiteren dramatischen Windkraftausbau zu erzeugen, so wären erst 4% der Energiewende geschafft. Denn der Stromverbrauch der privaten Haushalte beträgt 22% des gesamten Stromverbrauchs, und dieser wiederum beträgt 17,5% des gesamten Energieverbrauchs, und 22% von 17,5% sind eben nur die genannten 4%.  Deshalb geben Windkraftprojektierer gerne auch an wieviele Haushalte sie mit Strom versorgen (könnten!). Der Beitrag der Windkraft zur Energiewende sieht nur deshalb so groß aus, da er in Einheiten der kleinen „Münze" Haushaltsstrom angegeben wird.

Eine wirklich ernst gemeinte nachhaltige Klimaschutzpolitik muss sich auf die schnellsten und wirksamsten Möglichkeiten der Einsparung von Treibhausgasen konzentrieren - die Vermeidung und Reduzierung von Energieverbrauch und eine Bepreisung von CO2 - bei einer gleichzeitigen Beachtung und Verschärfung der Schutzvorschriften zum Erhalt der "Restnatur".

Fazit: Das Argument den Naturpark Odenwald zugunsten von "Klimaschutz" durch Windkraft opfern zu müssen tönt hohl angesichts der drastischen Folgen für Natur,  Landschaft und Mensch und steht in einem geradezu schon grotesken Missverhältnis zu einem mehr theoretischen denn praktischen oder gar messbaren "Klimaschutz" durch Windkraft auf der anderen Seite. In Deutschland ist laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz jede dritte Art vom Aussterben bedroht – die Ursache dafür ist (bisher zumindest) nicht der Klimawandel sondern die Zerstörung der natürlichen Lebensräume durch den Menschen. Beim Odenwald ist eigentlich offensichtlich was bei der Abwägung von Schaden und Nutzen von Windkraft schwerer wiegt.

Schaden und Nutzen stehen bei Windkraft im Odenwald in keinem Verhältnis zueinander.  Wir – die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieser Petition – appellieren an die Delegierten der Regionalversammlung Südhessen der Beschussvorlage des Regierungspräsidiums Darmstadt nicht zuzustimmen und sich für einen Windkraftfreien UNESCO Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald einzusetzen!


[2] http://rettet-den-odenwald.de/2018/03/greiner-eck-arsen-im-bauschotter-der-windkraftanlagen/
[3] http://rettet-den-odenwald.de/2017/03/oelunfall-im-greiner-eck-was-bisher-bekannt-ist/
[4] https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/mossautal/bareis-alles-getan-was-moglich-ist_18577050

 



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