Antisemitische Ausfälle in offiziellem Kirchenblatt

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An Herrn Prof. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland;
Herrn Dr. h.c. Christian Schad, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche Pfalz;
und die Damen und Herren der Landessynode
(offener Brief)
 
Betrifft: Evangelischer Kirchenbote vom 23. 08.2019 Artikel von Ulrich Duchrow
http://www.evangelischer-kirchenbote.de/artikel/detailansicht/news/befreiung-von-besatzung-auch-befreiung-fuer-israel/?fbclid=IwAR2Xib5uKFvxD_HghJOgUgCVzC9HwSWTDO3fhBF_N--DKt1aEByF4ybCr_c
 
Sehr geehrter Herr Prof. Bedford –Strohm, sehr geehrter Herr Dr. Schad, sehr geehrte Damen und Herren der Landessynode,
 
wir, die Unterzeichnenden protestieren aufs Schärfste gegen den aktuellen Artikel im Pfälzischen Evangelischen Landesboten von Ulrich Duchrow mit dem Titel: „Befreiung von Besatzung auch Befreiung für Israel“.
Herr Duchrow hat bereits vor einem Jahr mit einem zutiefst geschichtsklitternden und offen antisemitischen Buch von sich reden gemacht, damals distanzierte sich der Kirchenrat nach dem Erscheinen von diesem Pamphlet, dem stereotyper Antisemitismus und Historische Ungenauigkeit nachgewiesen werden konnte.
 
Der aktuelle Artikel legt allerdings nahe, dass es sich bei Duchrow um einen Überzeugungstäter handelt: Wenn er hier den Tod von palästinensischen Terrorattentätern mit der Shoa gleichsetzt, und die Toten im dem Krieg, der Israel seit der Staatsgründung von der arabischen Welt aufgezwungen wird, mit den Toten im Holocaust aufrechnen möchte, – und das im EKB veröffentlichen darf! –  dann hatten der Kirchenrat selbst oder zumindest die Redakteure der Zeitschrift wohl nicht die Absicht, allzu sehr an ihrem von Luther tradierten Antisemitismus zu arbeiten.
 
Duchrow propagiert in diesem Artikel nicht nur klassischen Schuldabwehr-Antisemitismus, sondern auch Israelbezogenen Judenhass in seiner klarsten Form.

• Er verschweigt die rund 900.000 Juden, die ohne jede „Landnahme“ aus arabischen Ländern vertrieben, enteignet, ermordet wurden;

• er ignoriert die zahlreichen Nachweise, dass Israel vor und zur Zeit seiner Gründung mehrfach (auch in seinem Gründungsdokument) ein gedeihliches Miteinander mit der arabischen Bevölkerung angeboten hat,

• ebenso wie die Tatsache, dass nachweislich an die 400.000 der damals geflohenen Araber bereits vier Wochen vor Ausrufung des Staates und über Nacht verschwunden waren, nach Aufrufen des Muftis von Jerusalem und anderer arabischer Führer.

• Auch, dass Millionen von arabischen Muslimen sehr gern und ohne Probleme im Jüdischen Staat leben, findet keine Erwähnung, weil das nicht ins Bild passt. 

• Dass seit dem Bau der inkriminierten „Mauer“ (die keine ist, sondern meist ein Zaun und eine Barriere gegen Terror), die Attentate auf israelische Zivilsten um 90% zurückgegangen sind, ignoriert Duchrow ebenfalls.

• Terrorakte mit Mörsergranaten, Raketenwerfern, Schnellfeuergewehren, das Herankarren von Minderjährigen in Bussen, um am Grenzzaun zu destabilisieren und den Scharfschützen in der zweiten Reihe als lebender Schutzschild zu dienen, die Tausenden von Israelischen Zivilisten, die unter Feuerteufeln, Attentätern, Raketen und Steinwürfen mit Todesfolge zu leiden haben – all das ist Herrn Duchrow keine Zeile wert.

• Ganz abgesehen vom Terror der Hamas und der als gemäßigt verniedlichten Fatah gegen die eigene Bevölkerung in Gaza und den Gebieten der sogenannten Palästinensischen Autonomiebehörde, die hier ebenfalls nicht einmal am Rande erwähnt werden.

Das sind nur einige Beispiele, eine genauere Aufschlüsselung sprengte den Rahmen.

Dieser Artikel ließe sich historisch,politisch, sachlich und objektiv buchstäblich Satz für Satz widerlegen, doch auch ungeübte Leser erkennen seine zutiefst antisemitische Zielrichtung.
Natürlich gibt es auch in Israel und den umstrittenen Gebieten – wie in jeder Kriegssituation –  vieles konkret zu bemängeln.
Das tut Herr Duchrow aber nicht, er weist vollkommen einseitig nur Israel jede Schuld zu, er dämonisiert, delegitimiert den jüdischen Staat und misst ihn mit doppelten Standards. In paternalistischer, ja geradezu kolonialer Weise meint er, besser zu erkennen, was diesen Konflikt ausmache und bis heute am Leben erhält. Ohne jedes Wissen über tatsächliche Zusammenhänge, nicht nur politischer, sondern nicht zuletzt auch islamisch-theologischer Art, verknüpft er den Judenhass, dem Israel heute ausgesetzt ist, mit der deutschen Vergangenheit, und entblößt so zum wiederholten Mal sein zutiefst amoralisches, überhebliches und antisemitisches Weltbild.
 
Wir fordern, dass der Evangelische Kirchenrat sich sofort und deutlich von diesem Artikel und auch von der Person Ulrich Duchrow distanziert, und klarmacht, dass Antisemitismus keinen Platz in der Evangelischen Gemeinschaft hat.
 
Ersteller der Petition und Erstunterzeichner: Sandra Kreisler & Daniel Killy