Petition updateWorte schaffen Werte: STOPP der verbalen Gewalt gegen Frauen!Erfolg! Oh, Du fröhliche...
Professor Dr. Kristina WolffGermany
Dec 21, 2018

update: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.abgeordneter-heiner-merz-uni-stuttgart-verbannt-afd-politiker-von-ihrer-homepage.9fe71c66-60c2-42b1-984a-1461f0bb585b.html

Liebe Community, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

mit weit mehr als 40.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern, innerhalb von weniger als drei Wochen, hat die Petition zum Erfolg geführt: Die Alma Mater des baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Dr. Merz distanziert sich mit deutlichen Formulierungen von ihrem Alumnus, die offizielle Stellungnahme der Universität Stuttgart vom 21.12.2018 lautet wie folgt:

„Die jüngsten Einlassungen des Herrn Dr. Merz, MdL zur paritätischen Zusammensetzung von Gremien aus Gründen der Chancengleichheit haben dazu geführt, dass der Rektor der Universität Stuttgart auf der online-Plattform change.org gebeten wird, dem Alumnus der Universität Stuttgart die Doktorwürde zu entziehen. Zunächst bleibt festzuhalten, dass diese Meinungsäußerung des Herrn Dr. Merz in keinem Zusammenhang mit der Universität Stuttgart getätigt wurde.

Die Petition geht insofern an rechtlichen Grundlagen vorbei, als der Entzug des Doktorgrades gemäß der Rechtsprechung eine wissenschaftsbezogene Verfehlung voraussetzt. Dies ist im § 36 Abs. 7 des Landeshochschulgesetztes Baden-Württemberg so festgelegt: „Der von einer baden-württembergischen Hochschule verliehene Hochschulgrad kann … entzogen werden, wenn die Inhaberin oder der Inhaber durch ihr oder sein späteres Verhalten gravierend gegen die allgemein anerkannten Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis und Redlichkeit verstoßen hat." Für einen Entzug des Doktorgrades besteht also keine rechtliche Grundlage. Die Universität Stuttgart wird selbstverständlich geltendes Recht wahren.

Indessen hat die Universität Stuttgart Herrn Dr. Merz mitgeteilt, dass seine Einlassungen dazu angetan sind, den internationalen Ruf der Universität als Chancengleichheit und Vielfalt wertschätzende Hochschule zu schaden. Die Universitätsleitung hat daher im Einvernehmen mit der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und dem Betriebswirtschaftlichen Institut beschlossen, den Namen des Herrn Dr. Merz auf der Homepage der Universität Stuttgart nicht mehr unter den Alumni und Alumnae aufzuführen. Diversität ist an der Universität Stuttgart eine Maxime, Normalität und gelebter Alltag. Toleranz, Respekt und Fairness bilden dabei die Basis der Zusammenarbeit in Forschung, Lehre und Administration.“

Darüber hinaus liegt mir ein persönliches, hochschuloffizielles Schreiben des Rektors der Universität Stuttgart, Herrn Professor Dr. Wolfram Ressel vor, in dem von Bedauern und Verdruss darüber, dass die Äußerung von einem Alumnus der Universität getätigt worden sei, die Rede ist. Unter anderem lässt der Rektor mich wissen, dass solche diffamierenden Aussagen Mitgliedern der Universität Stuttgart und so auch Alumni unwürdig seien. Es verstehe sich von selbst, dass misogyne Einlassungen jeglicher Art mit der Maxime der Diversität der Universität Stuttgart unvereinbar seien. Inter alia schreibt Herr Professor Dr. Ressel, habe man daher nicht nur großes Verständnis für meine Reaktion, sondern teile auch meine Empörung.

Beide vorliegenden, universitären Stellungnahmen mögen alle, die meinen, verbale Gewalt gegen Frauen sei nach wie vor ein harm- und folgenloser „Kavaliersdelikt“ exemplarisch und langfristig daran erinnern, dass die Zeit des eingeschüchtert schützenden Stillhaltens vorbei ist.

Insofern freue ich mich sehr über die klare, universitäre Haltung. Vielleicht dient der, aus einem beschämenden Anlass resultierende Beschluss vielen anderen Institutionen als Impuls, einen präventiven Verhaltenskodex, sanktionierende Maßnahmen eingeschlossen, aufzusetzen. Ich bin sicher, die durch die Petition „Worte schaffen Werte“ erreichte Maßnahme dient dem gemeinschaftlichen Gefüge, weit über den akademischen Campus in Stuttgart hinaus.

Mein Dank gilt allen Menschen, die sich in den letzten drei Wochen hier so deutlich und mit viel Einsatz positioniert haben, ganz besonders Dir, Lu: Es ist Ihr/Euer/Dein Verdienst, dass der unsäglichen Beleidigung sowohl im realen, als auch im digitalen Gedächtnis ein Gegengewicht gesetzt ist. Ihnen/Euch allen ein wunderbares und friedvolles Weihnachtsfest!

Prof. Dr. Kristina Wolff

Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X