Petition updateWir Eltern kämpfen für den Sorbisch-Unterricht unserer Kinder!SORBISCH sein – heißt das, dass ich anders bin?
Kathleen KomolkaGermany
11 Apr 2017
Heute ergreift unsere tapfere und seit vielen Jahren für unsere Kinder und die sorbische Sprache und Kultur kämpfende Jana, Mama von drei sorbisch aufwachsenden Kindern (auf dem Bild gemeinsam mit ihrer Tochter Anna), das Wort um euch eine wichtige Facette von Jana's sorbischen Leben zu zeigen. Wir bitten euch DRINGEND und EINDRINGLICH um eure Hilfe: Bitte unterzeichnet und teilt diese Petition und steht uns bei in diesem, unserem, gemeinsamen Kampf. Doch nun lasst euch von Jana's Worten erfüllen: Oh nein – ich kann es nicht fassen. Diese Zeitungsmeldung im Nowy Casnik im Februar kann doch nicht wirklich wahr sein. Gerade haben wir am Niedersorbischen Gymnasium in langen intensiven Auseinandersetzungen kleine Erfolge erzielt. Jetzt folgt die nächste Herausforderung durch das MBJS aus Potsdam. Eine Mindestzahl für den Sorbisch-Unterricht soll festgelegt werden? Und für welchen Unterricht gilt das überhaupt: WITAJ, Fremdsprachenunterricht? Nimmt dies denn nie ein Ende? Wann werden wir nicht mehr kämpfen müssen – ein Schritt vor, zwei zurück? Eine endlose Geschichte… Mein Mann und ich kamen im Zuge unserer Ausbildung aus Mecklenburg nach Cottbus. Von den Sorben bekamen wir erst etwas mit, als wir 1997 für unsere älteste Tochter einen Kindergartenplatz suchten. Es gab einen freien Platz – in der Sielower Kita „Mato Rizo“. Für uns war es dabei zunächst zweitrangig, dass es sich um einen sorbischen Kindergarten handelte. Doch dann ging alles ziemlich schnell. Wir waren begeistert vom reichhaltigen sorbischen Brauchtum und der wunderschönen Sprache. Ganz schnell lernte unsere Große die Sprache im Kindergarten. Ich besorgte mir eine CD mit Kinderliedern und dazugehörigem Buch und schon war ich mittendrin. Nicht EINMAL in dieser ganzen Zeit stellte ich mir die Frage, wozu das alles gut sein würde. Ich wollte einfach nur noch eintauchen in Sprache und Kultur, wollte unbedingt lernen. Mit den Erzieherinnen organisierte ich einen Sprachkurs für uns Eltern. Ich wollte mit meiner Tochter mithalten könnten und lernte begeistert die ersten Worte bei Käthe Wunderowa, besorgte mir Literatur. Für uns stand außer Frage: unsere zweite Tochter würde ebenfalls diese Kita besuchen. Dieses neue Projekt – WITAJ - war sehr interessant und überzeugte uns sofort. Wir wollten, dass unsere Kinder an diesem Projekt teilhaben konnten. Doch meine Begeisterung wurde immer wieder getrübt. Ich hatte das Gefühl, in einer „Welt“ zu leben, die zweigeteilt war. Auf der einen Seite SORBISCH (damals für uns nur die kleine Welt „Kita“), auf der anderen Seite DEUTSCH – eine Verbindung zwischen beiden gab es nicht. Schon von Anfang an mussten wir uns immer wieder rechtfertigen: Warum sorbisch? Das bringt doch gar nichts für das zukünftige Leben der Kinder, damit kann man doch gar nichts beruflich anfangen. Englisch wäre doch viel sinnvoller! Doch muss ich mich ständig damit auseinandersetzen, was beruflich für mich oder meine Kinder mal wichtig sein könnte? Ich konnte dies überhaupt nicht verstehen. Schon war ich in der ständigen Argumentationsspirale gefangen: Sorbische Sprache warum – die ist doch eh tot! Immer wieder wollen die Sorben Geld. Wofür, das wäre doch für anderes viel sinnvoller. In der Schule ging der Kampf weiter. Tauchten Probleme in den Schulnoten auf, war leider bei vielen ganz schnell ein Sündenbock gefunden: SORBISCH. Immer wieder musste man mühevoll überzeugen und kämpfen. An eine Zeit ohne „Kampf“ kann ich mich gar nicht erinnern: sei es für zusätzliche Stunden, Finanzmittel, Lehrmaterial, zusätzliche Lehrer bis hin zu Auseinandersetzungen mit Schulamt und MBJS. Trotz allem sind wir mittlerweile komplett integriert, fühlen uns als Sorben, auch wenn wir ursprünglich gar nicht aus der Region kommen. Aber aus Vorpommern stammend habe ich sicher auch slawisches Blut in meinen AdernJ. Nur Sorbisch in der Kita reichte nicht. Ich wollte mehr. Durch eine Freundin wurde ich Mitglied im Deutsch-Sorbischen Ensemble Cottbus, welches ich mittlerweile seit 13 Jahren leite. Seit 2013 arbeite ich für das Sorbische National-Ensemble in der Niederlausitz. Ich engagiere mich gern und könnte mir ein „sorbenfreies“ Leben überhaupt nicht mehr vorstellen. Trotz allem möchte ich aber auch nicht verhehlen, dass ich manchmal müde bin. Müde ob der vielen Rechtfertigungen, des ständigen Kämpfens um Recht und Anerkennung, ob im Bildungssystem oder im täglichen Leben. Einer Minderheit anzugehören ist wirklich nicht immer einfach. Aber schön. Ohne geht nicht! Für unsere Kinder ist Sorbisch etwas ganz Normales, gleichrangig mit der deutschen Muttersprache. Sie nutzen die Sprache selbstverständlich und stellen sie überhaupt nicht in Frage. Es gibt eine junge sorbische Generation, die nicht erst überlegt, welchen Nutzen es eventuell bringen könnte, sorbisch zu sprechen, sorbisch zu sein und die hoffen lässt. Sie sind stolz darauf. Viel Anteil daran hat auch das WITAJ-Projekt. Unsere jüngste Tochter ist gerade in die Schule gekommen. Ich wünsche mir, dass sie auch weiterhin frei und ungehindert Sorbisch in der Schule lernen kann. Ich wünsche mir, dass dies nicht abhängig sein wird von irgendeiner willkürlich festgelegten Zahl, die jeglicher Grundlage entbehrt. Ich wünsche mir ein normales Leben ohne täglichen Kampf um Anerkennung von Minderheitenrechten. Und dafür werde ich auch weiterhin eintreten.
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