Jana Büttner-RoßbergOelsnitz/Erzgeb., Germany
Feb 19, 2017
Liebe UnterstützerInnen,
nach längerer Krankheit in meiner Familie möchte ich mich nun endlich mal wieder um meine Petition kümmern. Zuerst einmal vielen herzlichen Dank fürs Unterschreiben, Weiterleiten, Verbreiten usw.
Zum Stand dieser Petition ist zu sagen, dass ich einen online-Übergabeversuch am 11. Januar diesen Jahres an den Deutschen Bundestag gestartet habe. Mir wurde mitgeteilt, dass sich bereits eine sachgleiche Petition in der parlamentarischen Prüfung befindet. Diese ist zu finden unter 68089: Ausländische Flüchtlinge - Voller Flüchtlingsstatus für Flüchtlinge aus Afghanistan auf der Seite https://epetitionen.bundestag.de
Meine Petition wird deshalb als Mehrfachpetition zu dieser Leitpetition behandelt und mit ihr zusammen geprüft. Zu gegebener Zeit erhalte ich dazu eine Nachricht, die ich selbstverständlich hier veröffentlichen werde.
Angesichts der monatlichen Abschiebeflieger nach Afghanistan seit Dezember ist es unbedingt wichtig, unserem Protest gegen Abschiebungen nach Afghanistan weiterhin Stimmen zu verleihen. Das heißt, diese Petition wird bestehen bleiben und sucht nach weiteren UnterstützerInnen. Außerdem bitte ich jeden, der es bis jetzt noch nicht getan hat, auch diese Petition zu unterschreiben und zu verbreiten:
https://www.change.org/p/bundeskanzlerin-angela-merkel-keine-abschiebungen-nach-afghanistan
PRO ASYL wendet sich mit einer Protestmail an Innenminister Thomas de Maizière und fordert diesen auf, von der Idee massenhafter Abschiebungen nach Afghanistan endlich Abstand zu nehmen!
https://www.proasyl.de/thema/unsicheres-afghanistan/#topic-content
Und wieder ist für den 22.02., also in drei Tagen ein weiterer Abschiebungsflieger nach Afghanistan geplant. Dazu noch ein paar Fakten:
- Alle afghanischen Männer in Deutschland, die nur eine Duldung
haben (also ausreisepflichtig sind), sollten jetzt und bis zum 22.2.
nicht zu Hause übernachten (und auch nicht bei afghanischen
Freunden in derselben Situation, versteht sich). Wenn nötig, sollte
ein Kirchenasyl oder ein anderer sicherer Ort aufgesucht werden.
Auch Afghanen, die seit Jahren bei uns mit einer Duldung leben, sind
bedroht und sollten entsprechend informiert werden.
Keine Gefahr besteht momentan für alle, die noch im Asylverfahren
sind (die also entweder auf einen Bescheid vom BAMF warten oder
gegen eine Ablehnung Klage eingereicht haben). Auch Frauen und
Familien mit minderjährigen Kindern sind bisher sicher.
Bitte helfen Sie den eventuell betroffenen Männern!!!
- Als zweiten Schritt bitte ich Sie alle, die zuständigen Bundestags-
und Landtagsabgeordneten der jeweiligen Regierungsparteien
anzumailen. Dazu einige Fakten, mit denen ein Abschiebungsstop
nach Afghanistan schnell begründet und gerne dafür auch
kopiert werden kann:
- Afghanistan ist ein Land im Krieg, 2016 sind mehr Menschen im
Bürgerkrieg gestorben, als in den letzten 7 Jahren. Afghanistan ist
nicht sicher.
- Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR stellt in
seinem Bericht im Dezember fest, dass das gesamte Staatsgebiet
Afghanistans von einem »innerstaatlichen bewaffneten Konflikt« im
Sinne des europäischen Flüchtlingsrechtes betroffen sei. Aufgrund
der sich ständig ändernden Sicherheitslage könne man gar nicht
zwischen sicheren und unsicheren Regionen in dem
Bürgerkriegsland entscheiden. Mehr dazu unter:
https://www.proasyl.de/wp-content/uploads/2015/12/2017-Bericht-
UNHCR-Afghanistan.pdf
- Abschiebungen nach Afghanistan destabilierien das Land weiter,
bereits 1, 8 Millionen Menschen leben als Binnenflüchtlinge in
allergrößtem Elend, seit August 2015 haben Pakistan und Iran über
1,1 Millionen Afghanen abgeschoben. Sie wurden enteignet und
durften ihr Hab und Gut nicht mitnehmen. Sie leben in Afghanistan
im Elend. Es gibt weder Unterkünfte, noch Arbeit, kein Trinkwasser,
keine Ärzte.
- Es widerspricht dem gesunden Menschenverstand, gut integrierte
Menschen, die hier in die Schule gegangen sind, eine Ausbildung
machen und einen Beitrag nicht nur zu der Wirtschaftskraft
Deutschlands leisten, des Landes zu verweisen. Von den zwei
vergangenen Abschiebungen betroffen, waren vorwiegend Männer,
die teilweise schon sehr lange in Deutschland leben.
- Es entspricht unserem historischen Selbstverständnis und der in
Deutschland nach 1945 nicht nur von Deutschen gelebten
Leitkultur, Schutzsuchende aufzunehmen und Asyl zu gewähren.
Solidarität gehört zum Kernbestand unserer Kultur und wir sollten
diese Grundwerte verteidigen.
- Gerade die afghanischen Schutzsuchenden werden speziell von
Innenminister de Maiziére aber auch allen anderen, die nach mehr
Abschiebungen rufen, skrupellos zum Menschenopfer gemacht.
Menschen sollen geopfert werden, um unsere Dämonen zu
besänftigen, um über tatsächliche oder vermeintliche Fehler der
Sicherheitsbehörden hinwegzutäuschen. Das ist nicht nur dumm, es
ist vor allem grausam. Keiner der jetzt von Abschiebung bedrohten
Afghanen hat irgendetwas mit dem Anschlag in Berlin zu tun.
Keiner der am 14.12. abgeschobenen war ein Gefährder. Es ist
grausam und unzivilisiert, Menschen stellvertretend für etwas zur
Verantwortung zu ziehen, wofür sie nicht verantwortlich sind und
sie damit ihrer Existenz zu berauben. Es ist vielleicht nicht mehr
modern es zu erwähnen, aber man muss es trotzdem und gerade
deshalb tun:
Das hatten wir schon und wir wollen es nicht wieder haben. In
diesem Land darf es nie wieder eine kollektive Ausgrenzung,
Entrechtung und Entmenschlichung von Menschen allein aufgrund
ihrer Herkunft geben. Wir dürfen das nicht hinnehmen. Wer heute
Massenabschiebungungen zur obersten Priorität der
Sicherheitspolitik ausruft, muss sich nicht wundern, wenn morgen
die Lunte zündet und noch ganz anderer menschenverachtender
Unsinn salonfähig wird.
- Es gibt nicht einen einzigen vernünftigen Grund ein, warum man
Menschen in ein Land abschieben soll, in dem der
Bundesinnenminister sich nicht ohne kugelsichere Weste aus dem
Flugzeug wagt.
(Diese kleine Faktensammlung ist an die Rede der Rechtanwältin Juliane Scheer zur Mahnwache am 14.1.2017 in München angelehnt. Besser hätte ich es nicht zusammen fassen können.)
- Ich finde es noch wichtig zu wissen, dass die Abgeschobenen in
Afghanistan kaum Unterstützung von irgendeiner Seite erhalten,
entgegen den Aussagen von de Maizère. Viele der Abgeschobenen
sind hilflos im ohnehin schon armen und überfüllten Kabul, haben
keine Freunde, die Familien sind oft selbst ins Ausland geflüchtet
oder tot. Einige sind obdachlos oder auf Medikamente angewiesen …
Selbst wenn sie noch irgendwen irgendwo haben, können sie nicht
zurück gehen, denn das Leben in Afghanistan ist für sie noch
gefährlicher als Rückkehrer als es ohnin schon ist.
BITTE helfen Sie weiterhin mit, auf diese Verletzung der Menschenwürde aufmerksam zu machen.
Herzlichen Dank
Jana Büttner-Roßberg
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