GemüseheldInnen Frankfurt, Georg Heunoske
Feb 25, 2021
Das noch im April 2016 von CDU und Grünen beschlossene Projekt „Innovationsquartier“ sah eine komplette Bebauung des Areals inklusive aller Freizeitgärten und Abenteuerspielplatz sowie eine Übertragung aller Grundstücke in eine Public Private Partnership-Gesellschaft vor, obwohl der Klimaplanatlas diese Planung bereits damals kritisch beurteilt hat. Das Projekt „Innovationsquartier“ und die damit verbundenen Vereinbarungen zur Flächenübertragung habe ich direkt nach meinem Amtsantritt im Juli 2016 gestoppt und das städtebauliche und landschaftsplanerische Konzept unter Klimaaspekten neu entwerfen lassen.
Im Rahmen eines breit angelegten Bürgerdialogs und unter Einbeziehung von Ortsbeirat, Klima- und Umweltexperten sowie weiteren Sachverständigen habe ich seit 2017 das sozial-ökologische Modellprojekt „Günthersburghöfe“ entwickelt. Die von mir angestoßene neue Planung hat den Flächenverbrauch um 1/3 reduziert, klimatische und ökologische Aspekte voll berücksichtigt, die Bebauung des Abenteuerspielplatzes gestoppt, die Bäume und die Gärten in die Planung integriert und klare soziale Festlegungen getroffen.
Es stimmt nicht, dass hier von einer internationalen Investorengruppe ausschließlich hochpreisiger Wohnraumgeschaffen werden soll. Die Stadt Frankfurt setzt in den „Günthersburghöfen“ konsequent den Baulandbeschluss um (d.h. 30% geförderte Wohnungen, 15% Baugruppen und Genossenschaften, 15% Mietwohnungen, 10% preisreduzierte Eigentumswohnungen). Durch die flächenschonende Bauweise in zentraler Lage verkleinert sich der ökologische Fußabdruck. Auch wenn regionale Zusammenarbeit wichtig ist, verbraucht jede Wohnung, die in der Region weiter draußen gebaut wird, deutlich mehr Fläche (bis zu 8fach) und erzeugt deutlich mehr Verkehr.
Bei den „Günthersburghöfen“ setzen wir soziale und ökologische Vorgaben, die in dieser umfassenden Form bisher von keiner Frankfurter Stadtregierung getroffen wurden:
- 75% der heute unversiegelten Flächen bleiben auch weiterhin unversiegelt, 44 der heute 47 vorhandenen Kleingärten bleiben erhalten.
- Die heute geschlossenen Freizeitgärten werden zu einer Gartenwildnis umgestaltet und für alle Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Freizeit- und Gemeinschaftsgärten können auch künftig in der Gartenwildnis und im Parkband Platz finden (allerdings nicht mehr auf durchschnittlich 600qm pro Garten, sondern auf ca. 250qm pro Garten). Um die Idee der Gemeinschaftsgärten zu fördern, hat die Stadt Frankfurt bereits jetzt Flächen für die Gemüseheld:innen zur Verfügung gestellt.
- Der Abenteuerspielplatz bleibt an seinem heutigen Standort erhalten. - Zwischen Friedberger Landstraße und dem Gartenpark sollen in unmittelbarer Nähe zur Straßenbahn rund 1.500 dringend benötigte Wohnungen entstehen, davon rund 500 geförderte Wohnungen, rund 250 Wohnungen für gemeinschaftliche Wohnprojekte und Genossenschaften, rund 250 Mietwohnungen und rund 150 preisreduzierte Eigentumswohnungen.
- Außerdem entsteht soziale Infrastruktur: eine Grundschule, ein Gymnasium und 3 Kitas für die „Günthersburghöfe“ und das Nordend.
- Das Quartier soll autoarm gestaltet werden, d.h. auf dem überwiegenden Teil der Straßen haben Fußgängerinnen und Fußgänger „Vorfahrt“ und in den meisten Innenhöfen werden keine Tiefgaragen errichtet – damit hier auch weiterhin große Bäume wachsen können. Zu Fuß gehen, der Radverkehr und die Nutzung des ÖPNV werden bevorzugt.
- Die Frischluftzufuhr funktioniert sowohl für das Gebiet als auch für das Nordend. Die Baustrukturen wurden extra so gewählt, dass eine Durchlüftung gewährleistet ist. Die Freiraumplanung sorgt zudem für ein gutes Mikroklima innerhalb des Quartiers, insbesondere durch viel Grün, eine hohe Verdunstungsleistung und eine gute Gestaltung der Gebäude: Fassaden und Dächer der neuen Gebäude sollen begrünt,
zahlreiche neue Bäume gepflanzt werden, das Regenwasser soll komplett im Gebiet versickern.
- Der Günthersburgpark soll erweitert und mit dem Wasserpark verbunden werden. Dazu sollen am nördlichen Rand des Günthersburgparks ca. 20.000 qm Fläche entsiegelt werden.
- Rund 40% der Flächen gehören der Stadt Frankfurt. Diese städtischen Flächen werden nicht veräußert. Die übrigen Flächen gehören verschiedenen privaten Eigentümern und sollen nicht nur von einem Akteur entwickelt werden.
Die vorliegende Planung der „Günthersburghöfe“ soll nun im Rahmen der sogenannten „Offenlage“ öffentlich diskutiert und kommentiert werden. Bei dieser Beteiligung bekommen sowohl Kritiker:innen als auch Befürworter:innen des Projekts die Gelegenheit, Stellungnahmen abzugeben. Alle Stellungnahmen der Bürger:innen, Verbände und Initiativen müssen rechtsverbindlich im weiteren Verfahren berücksichtigt werden. Die damit verbundene Abwägung der Stellungnahmen unterliegt rechtlichen Kontrollmöglichkeiten. Es ist natürlich denkbar, dass nach dieser Offenlage aufgrund der eingegangenen Stellungnahmen an den Planungen Änderungen vorgenommen werden. Nach der Offenlage sollen zu den Gebäuden und Platzgestaltungen weitere Wettbewerbe folgen, die auch konkrete Festlegungen zu Materialien enthalten.
Ich stehe für Dialog und Bürgerbeteiligung und rufe alle dazu auf, sich an der Debatte zu beteiligen und die weitere Bürgerbeteiligung nicht zu blockieren.
Weitere Informationen und alle vorliegenden Gutachten sind unter folgendem Link abrufbar: https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/g_nthersburgh_fe_17130.html
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