Ehemalige SYNAGOGE darf kein "Club" werden - schnelle Lösungsfindung für Familie BULUT

Das Problem

Ravensburg, 21. Juli 2021

Wir, die Unterzeichner/innen dieser Petition, die sich an den Oberbürgermeister und den Gemeinderat der Stadt  Ravensburg, sowie an das Regierungspräsidium Tübingen (Denkmalschutzbehörde) richtet, fordern hiermit: 

a) Das Gebäude "Grüner-Turm-Straße 5 (ehemals Judengasse) in 88212 Ravensburg darf nach seinem Verkauf keinesfalls ein "Club" oder eine Club ähnliche Location werden.

b) Die Stadt Ravensburg ermöglicht der Familie Bulut rechtzeitig vor Ende des Mietverhältnisses im aktuellen Gebäude, den Umzug in das von ihr anvisierte Gebäude gegenüber dem "Café Glücklich" (ehemals NKD).

---------------------------

Bekanntlich hieß die Ravensburger "Grüner-Turm-Straße" bis zu Jahr 1934 "Judengasse", was den damals auch in Ravensburg herrschenden Nazis so missfiel, dass sie die Gasse zwischen dem ehemaligen Gefängnis und der "Zehntscheuer" regimekonform umtauften. Bis heute (2021) wurde die Straße nicht zurück benannt, obwohl es in den 1980er und 2010er Jahren dafür Bürgeranträge (Petition) gab.

In der "Grüner-Turm-Straße" liegt das türkische Restaurant SARAY in einem tief rot getünchten Fachwerkhaus an der Ecke zur benachbarten Rosmarintrasse.  In jener schmalen Nebengasse befindet sich auch der Ravensburger KONTAKTLADEN, eine niederschwellige Anlaufstelle für Drogenabhängige, die 2016 geschlossen werden sollte, aber aufgrund der Bürgerproteste und der Partei Die Linke bis heute blieb. Links und rechts vom Kontaktladen findet Mann auf den Klingelschildern der Eingangstüren Namen wie "Eva" und "Sylvia" - ohne Nachnamem. Jeder weiß, was das zu bedeuten hat.

An dem roten Fachwerkhaus befindet sich - für alle einsehbar - eine Bronzetafel, auf der unter anderem zu lesen ist, dass hier ein Haus auf dem Kellergewölbe der früheren Ravensburger Synagoge erbaut wurde. Noch heute sind im Keller des Hauses Reste eines rituellen Reinigungsbades zu finden.

Nun ist es so, dass der Eigentümer des Fachwerkhauses, eine Privatperson, dieses Gebäude verkauft hat. Die türkische Familie BULUT, die schon seit Jahrzehnten in Ravensburg lebt und mehr als gut integriert ist, hat sich um den Kauf des Hauses beworben. Doch der deutsche Besitzer lehnte ab un ließ die Familie implizit spüren, dass er ungern an sie verkaufe, weil sie Ausländer sind.  

Stattdessen habe der bisherige Eigentümer das Fachwerkhaus, die ehemalige Synagoge, an den Besitzer der Häuser rechts und links von erwähnten Kontaktladen verkauft. Konkret heißt das,

a) der "Dönerbetrieb" (er soll der beste in Ravensburg sein) wird im Herbst dieses Jahres (2021) ganz und für immer schließen,

b) der Nachfolger wird dort gewiss kein Döner-Restaurant betreiben, sondern eher ein "Club" (so Herr Bulut vieldeutig) ähnliches Unternehmen.  . . .

Warum, so die Frage, hat hier die Stadt Ravensburg nicht von ihrem automatischen Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht? Dieses Gebäude wäre doch für das "Digital-Labor" geeignet gewesen. Von wegen,  man habe jahrelang nach einer Lösung gesucht, aber keine außer dem "Coswiger Platz" gefunden. Dieses Märchen glaubt eh keiner  - von Beginn an, und nun bestätigt sich dies.

Zudem hat die Familie Bulut grundsätzlich auch ein Vorkaufsrecht, wenn sie es sich hat eintragen lassen, da in dem Haus keine weiteren Mieter leben. Das Gebäude, in dem sich zur Zeit noch das Restaurant SARAY befindet, ist denkmalgeschützt.

Ali Bulut beschreibt mir auch die unsichere berufliche Zukunft der Familie. Man habe sich bei der Stadt Ravensburg darum beworben, das Restaurant in Zukunft in dem Gebäude gegenüber dem "Café Glücklich", dem ehemaligen NKD betreiben zu können. Doch - so Herr Bulut Junior - die Ravensburger Stadtverwaltung mache der türkischen Familie große Schwierigkeiten und findet immer neue Argumente, damit dies nicht möglich wird.

Ich kenne die Familie Bulut, die aus Antolien kommt, seit nun fast 30 Jahren. Lange Zeit waren sie meine Wohnnachbarn. Besser integriert als diese Familie kann man/frau/kind nicht sein. Und als ehemaliger Flüchtlingssozialberater weiß ich, wovon ich rede. In dem Gespräch machte Ali Bulut deutlich, dass die Familie sich von dem Oberbürgerbürgermeister Dr, Rapp total im Stich gelassen fühlt. Und das ist hier noch sehr moderat formuliert . . .

Ich sprach heute "face to face" auch mit einem der Ravensburger Stadträte über diese Geschichte. Der wusste nichts davon und fiel aus allen "blau-weißen" Wolken. Der Herr Stadtrat meinte, dass sei eben die Folge dessen, dass die Stadt Ravensburg in diesem "Eck" keinen Sperrbezirk eingerichtet hätte. Und dass ein deutscher Hausbesitzer ungern an Ausländer verkaufe, sei ein Skandal. Ravensburg ist bunt? Träumerei! Die Wahrheit liegt wohl mehr Rechts. Leider!

Wir appellieren an die Stadt Ravensburg, der Familie Bulut zu ermöglichen, ihr türkisches Restaurant in der "Grüner-Turm-Straße" in dem von ihr anvisierten Gebäude weiter betreiben zu können. Außerdem appellieren wir an selbige Adresse und den Gemeinderat, einen Club ähnlichen Betrieb in der ehemaligen Synagoge zu untersagen und zu klären, was der  neue Besitzer mit diesem Gebäude vorhat. 

Im Namen der Mitpetent/innen,

Stefan Weinert, Ravensburg

avatar of the starter
Stefan WeinertPetitionsstarter*in
Erfolg
Diese Petition war mit 82 Unterstützer*innen erfolgreich!

Das Problem

Ravensburg, 21. Juli 2021

Wir, die Unterzeichner/innen dieser Petition, die sich an den Oberbürgermeister und den Gemeinderat der Stadt  Ravensburg, sowie an das Regierungspräsidium Tübingen (Denkmalschutzbehörde) richtet, fordern hiermit: 

a) Das Gebäude "Grüner-Turm-Straße 5 (ehemals Judengasse) in 88212 Ravensburg darf nach seinem Verkauf keinesfalls ein "Club" oder eine Club ähnliche Location werden.

b) Die Stadt Ravensburg ermöglicht der Familie Bulut rechtzeitig vor Ende des Mietverhältnisses im aktuellen Gebäude, den Umzug in das von ihr anvisierte Gebäude gegenüber dem "Café Glücklich" (ehemals NKD).

---------------------------

Bekanntlich hieß die Ravensburger "Grüner-Turm-Straße" bis zu Jahr 1934 "Judengasse", was den damals auch in Ravensburg herrschenden Nazis so missfiel, dass sie die Gasse zwischen dem ehemaligen Gefängnis und der "Zehntscheuer" regimekonform umtauften. Bis heute (2021) wurde die Straße nicht zurück benannt, obwohl es in den 1980er und 2010er Jahren dafür Bürgeranträge (Petition) gab.

In der "Grüner-Turm-Straße" liegt das türkische Restaurant SARAY in einem tief rot getünchten Fachwerkhaus an der Ecke zur benachbarten Rosmarintrasse.  In jener schmalen Nebengasse befindet sich auch der Ravensburger KONTAKTLADEN, eine niederschwellige Anlaufstelle für Drogenabhängige, die 2016 geschlossen werden sollte, aber aufgrund der Bürgerproteste und der Partei Die Linke bis heute blieb. Links und rechts vom Kontaktladen findet Mann auf den Klingelschildern der Eingangstüren Namen wie "Eva" und "Sylvia" - ohne Nachnamem. Jeder weiß, was das zu bedeuten hat.

An dem roten Fachwerkhaus befindet sich - für alle einsehbar - eine Bronzetafel, auf der unter anderem zu lesen ist, dass hier ein Haus auf dem Kellergewölbe der früheren Ravensburger Synagoge erbaut wurde. Noch heute sind im Keller des Hauses Reste eines rituellen Reinigungsbades zu finden.

Nun ist es so, dass der Eigentümer des Fachwerkhauses, eine Privatperson, dieses Gebäude verkauft hat. Die türkische Familie BULUT, die schon seit Jahrzehnten in Ravensburg lebt und mehr als gut integriert ist, hat sich um den Kauf des Hauses beworben. Doch der deutsche Besitzer lehnte ab un ließ die Familie implizit spüren, dass er ungern an sie verkaufe, weil sie Ausländer sind.  

Stattdessen habe der bisherige Eigentümer das Fachwerkhaus, die ehemalige Synagoge, an den Besitzer der Häuser rechts und links von erwähnten Kontaktladen verkauft. Konkret heißt das,

a) der "Dönerbetrieb" (er soll der beste in Ravensburg sein) wird im Herbst dieses Jahres (2021) ganz und für immer schließen,

b) der Nachfolger wird dort gewiss kein Döner-Restaurant betreiben, sondern eher ein "Club" (so Herr Bulut vieldeutig) ähnliches Unternehmen.  . . .

Warum, so die Frage, hat hier die Stadt Ravensburg nicht von ihrem automatischen Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht? Dieses Gebäude wäre doch für das "Digital-Labor" geeignet gewesen. Von wegen,  man habe jahrelang nach einer Lösung gesucht, aber keine außer dem "Coswiger Platz" gefunden. Dieses Märchen glaubt eh keiner  - von Beginn an, und nun bestätigt sich dies.

Zudem hat die Familie Bulut grundsätzlich auch ein Vorkaufsrecht, wenn sie es sich hat eintragen lassen, da in dem Haus keine weiteren Mieter leben. Das Gebäude, in dem sich zur Zeit noch das Restaurant SARAY befindet, ist denkmalgeschützt.

Ali Bulut beschreibt mir auch die unsichere berufliche Zukunft der Familie. Man habe sich bei der Stadt Ravensburg darum beworben, das Restaurant in Zukunft in dem Gebäude gegenüber dem "Café Glücklich", dem ehemaligen NKD betreiben zu können. Doch - so Herr Bulut Junior - die Ravensburger Stadtverwaltung mache der türkischen Familie große Schwierigkeiten und findet immer neue Argumente, damit dies nicht möglich wird.

Ich kenne die Familie Bulut, die aus Antolien kommt, seit nun fast 30 Jahren. Lange Zeit waren sie meine Wohnnachbarn. Besser integriert als diese Familie kann man/frau/kind nicht sein. Und als ehemaliger Flüchtlingssozialberater weiß ich, wovon ich rede. In dem Gespräch machte Ali Bulut deutlich, dass die Familie sich von dem Oberbürgerbürgermeister Dr, Rapp total im Stich gelassen fühlt. Und das ist hier noch sehr moderat formuliert . . .

Ich sprach heute "face to face" auch mit einem der Ravensburger Stadträte über diese Geschichte. Der wusste nichts davon und fiel aus allen "blau-weißen" Wolken. Der Herr Stadtrat meinte, dass sei eben die Folge dessen, dass die Stadt Ravensburg in diesem "Eck" keinen Sperrbezirk eingerichtet hätte. Und dass ein deutscher Hausbesitzer ungern an Ausländer verkaufe, sei ein Skandal. Ravensburg ist bunt? Träumerei! Die Wahrheit liegt wohl mehr Rechts. Leider!

Wir appellieren an die Stadt Ravensburg, der Familie Bulut zu ermöglichen, ihr türkisches Restaurant in der "Grüner-Turm-Straße" in dem von ihr anvisierten Gebäude weiter betreiben zu können. Außerdem appellieren wir an selbige Adresse und den Gemeinderat, einen Club ähnlichen Betrieb in der ehemaligen Synagoge zu untersagen und zu klären, was der  neue Besitzer mit diesem Gebäude vorhat. 

Im Namen der Mitpetent/innen,

Stefan Weinert, Ravensburg

avatar of the starter
Stefan WeinertPetitionsstarter*in

Erfolg

Diese Petition war mit 82 Unterstützer*innen erfolgreich!

Jetzt die Petition teilen!

Die Entscheidungsträger*innen

Gemeinderat Ravenburg
Gemeinderat Ravenburg
Regierungspräsidium Tübingen
Regierungspräsidium Tübingen
Klaus.Tappeser@rpt.bwl.de
Neuigkeiten zur Petition