
Liebe Unterstützer/innen,
wir wünschen Euch frohe Ostertage gehabt zu haben und möchten Euch in Sachen Abschlussprüfungen auf den neuesten Stand bringen.
Für die Familien der diesjährigen Prüflinge und für die Prüflinge selbst sind diese Tage sehr nervenaufreibend. Haben wir gedacht, mit der Zulassung zur wohnortunabhängigen Abschlussprüfung, zu der sich die Bildungsministerin Yvonne Gebauer aufgrund des öffentlichen Drucks doch noch durchdringen konnte, kehrt Ruhe ein und die Schüler können sich nun gezielt vorbereiten, wurden wir bald eines Besseren belehrt. Plötzlich bekamen die Familien Briefe in denen ihnen mitgeteilt wurde, sie seien ab jetzt einem anderen Regierungsbezirk zugeteilt und würden dort auch die Abschlussprüfungen ablegen. Die Prüflinge wurden dazu über ganz NRW verteilt. Die Bildungsministerin fühlte sich nicht mehr an ihre Zusage gebunden, die Prüfungen im Regierungsbezirk Arnsberg abzunehmen, hielt es aber nicht für nötig, dies auch mit der Schulleitung der web-individualschule zu besprechen – wohlwissend, dass dies abgelehnt werden müsste, da eine Begleitung der Prüflinge durch ihre Lehrer nicht mehr möglich sei. Schließlich kann ein Lehrer nicht zur gleichen Zeit an mehreren Orten sein wenn er mehrere Prüflinge betreuen muss. Die wohnortunabhängige Prüfung im zuständigen Regierungsbezirk Arnsberg ist unabdingbare Voraussetzung dafür, dass unsere Prüflinge durch ihre Lehrer begleitet werden können, weil sie in dieser Situation ganz besonders auf die Sicherheit und das Vertrauen auf ihre Lehrer angewiesen sind.
Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Belange der beeinträchtigten Prüflinge der Bezirksregierung Arnsberg und der Bildungsministerin völlig egal sind, sie den betroffenen Familien weitere Steine in den Weg legen wollen und sicher nicht aus Einsicht und Großzügigkeit ein weiteres Jahr wohnortunabhängige Abschlussprüfung zuließen. Bei den betroffenen Familien führte dies erneut zu einer kompletten Verunsicherung. Wie soll sich so ein Schüler auf seine Prüfungsvorbereitung konzentrieren können?
Kurzerhand wurde darauf hin von einer der betroffenen Familien Ende März eine Eilklage gegen das Land NRW eingereicht. Da dies die Interessen der web-individualschule berührt, wurde die Schule beigeladen. Bei einer Anfang April durch das Verwaltungsgericht Arnsberg einberufenen Sitzung, bei der ein Vergleich erwirkt werden sollte, wurden jedoch alle durch das Gericht vorgeschlagenen Möglichkeiten durch die Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg rigoros abgelehnt, so wie auch vorher schon alle durch die web-individualschule angebotenen Möglichkeiten kategorisch abgelehnt worden sind. So unterbreitete das Gericht also einen schriftlichen Vergleichsvorschlag, zu welchem das Land NRW bis spätestens 11. April Stellung beziehen musste - Ablehnung oder Zustimmung. Dies bedeutete wieder eine Woche Hoffen und Bangen. Am 11.4. bat man um Fristverlängerung um einen Tag wegen technischer Probleme (?). Dieser wurde stattgegeben. Scheinbar wurde die Frist zur Stellungnahme maximal genutzt, so dass wir erst am übernächsten Morgen die Nachricht erhielten, dass der Vergleich abgelehnt wurde – mit einer haarsträubenden Begründung, die uns sprachlos macht, weil sie eine Ohrfeige ins Gesicht aller ist, die die Wahrheit kennen und insbesondere für die Betroffenen. Schließlich hat kein Vertreter der Bezirksregierung und erst recht nicht des Bildungsministeriums je mit unseren Prüflingsfamilien geredet (Begründung steht auszugsweise im offenen Brief im Anhang).
Die Gegenseite hat es überdies leider geschafft, die ursprünglich vom Gericht noch vor Ostern angedachte richterliche Entscheidung im Falle einer Ablehnung durch kaltherziges Kalkül auf Kosten unserer Kinder hinauszuzögern. Vor dem 20.04. ergeht kein Richterspruch, so dass alle Betroffenen in ein höchst unruhiges Ostern gegangen sind. Dazu kommt, dass viele Nachteilsausgleiche, auf die die Prüflinge dringend angewiesen sind, von den jeweiligen jetzt zuständigen Bezirksregierungen abgelehnt wurden und hiergegen auch anwaltlich vorgegangen werden muss. Dies betrifft bspw. das Schreiben per Laptop und einen Einzelraum beides häufig unabdingbar für Autisten. Ohne die per ärztlichem Attest beantragten Nachteilsausgleiche wird es vielen nicht möglich sein an der Prüfung überhaupt teilzunehmen! Wir sprechen hier von Prüfungen die bereits am 04.05. beginnen!
Da wir als Eltern vom Land NRW nicht angehört werden, über unsere Köpfe entschieden wird und das alles angeblich zum Wohle unserer Kinder, haben wir einen offenen Brief an die Bildungsministerin von NRW Yvonne Gebauer (FDP) geschrieben und bitten Euch diesen über alle sozialen Medien zu verbreiten. Wir möchten damit die breite Öffentlichkeit erreichen und die Medien um erneut auf diesen menschenverachtenden Umgang mit unseren Kindern hinzuweisen.
Dies verstößt eindeutig gegen die UN-Behindertenrechtskonvention und behindert die Zukunft unserer Kinder in erheblichem Maße!
Unsere Hoffnung für die nächsten Abschlussjahrgänge liegt nun darin dass die Bewohner des Bundeslandes NRW im Mai die FDP abwählen, um den Weg freizumachen für eine Schulpolitik die auch beeinträchtigten Kindern eine Chance gibt und mit der web-individualschule als Jugendhilfeträger zusammenarbeitet statt gegen sie. Bitte tragt es in die Welt hinaus, was gerade passiert! Zeigt, dass Ihr mit dieser Schulpolitik nicht einverstanden seid, die beeinträchtigte Kinder so behindert! Verbreitet unseren offenen Brief (s Link oder gern auch über die Facebookseite der web-individualschule (https://www.facebook.com/webindividualschule
https://bit.ly/37m0SvN (Brief als Google Form)
Vielen herzlichen Dank für ihre Unterstützung. Wir wissen das sehr zu schätzen!
P.S: Falls dies Eltern von Schülern unserer web lesen und noch nicht in unserer offiziellen Facebook-Infogruppe sind, dürfen sie gern hinzukommen. Da dies ein Kommunkationskanal zwischen der Schulleitung und uns Eltern ist, werden nur Eltern, die momentan ein Kind an der web haben, aufgenommen:
https://www.facebook.com/groups/5378517172192885
Katrin Schellhorn
im Namen der Elternschaft der web-individualschule