Petition updateLassen Sie alle Prüflinge der web-individualschule zur wohnortunabhängigen Prüfung zu!Wir fordern für alle weiteren Jahrgänge wohnortunabhängige Prüfungen, Frau Gebauer!
Katrin SchellhornGermany
Feb 14, 2022

Liebe Unterstützer*innen,

nach unserem Teilerfolg ist es nach außen etwas ruhiger geworden. Das bedeutet aber nicht, dass wir Euch nicht mehr brauchen. Denn hinter den Kulissen beobachten wir das weitere Vorgehen der Landesbildungspolitik in NRW scharf. Und was wir sehen, stimmt uns nicht gerade positiv. Das Prozedere der Abschlüsse der nächsten Jahrgänge ist weiterhin in der Schwebe. Und was für die diesjährigen Prüflinge galt, gilt auch für die nachfolgenden.

In der Schulausschusssitzung des Landtages NRW am Mittwoch, den 09.02.22 wurde erneut über die Prüfungen der web-individualschule diskutiert. Die Bildungsministerin Yvonne Gebauer stellte dabei heraus, dass sie es geschafft habe, dass die Prüfungen dieses Jahr doch noch wohnortunabhängig durchgeführt werden und damit 80 Prüflinge (Falsch! 70) zu einem Abschluss kommen können. Welche Rolle der öffentliche Druck und die Berichterstattung spielten, darf sich jeder selbst ausmalen. Dass es nur noch 70 Prüflinge von ursprünglich 120 sind, ist natürlich nicht erwähnenwert. 50 Prüflinge haben aufgrund der großen Verunsicherung ihre Prüfungsanmeldung zurückgezogen.

Die Bezirksregierung Arnsberg wurde für ihr Verantwortungsgefühl gelobt zu sagen, dass sie überfordert sei mit der Anzahl der Prüflinge. (Wir erinnern uns: zwei Monate vor dem Ende der Prüfungsanmeldungen, ohne dass es für die Schule vorher abzusehen war. Alle durch die Schule vorgeschlagenen Möglichkeiten wurden abgelehnt.)

Der Schulleiterin wurde vorgeworfen, sie habe während des Findens einer einvernehmlichen Lösung die Medien und die Öffentlichkeit für sich genutzt. Liebes Bildungsministerium: Welche Möglichkeiten gab es denn noch, nachdem alle Wege abgeschnitten wurden?

Im Übrigen haben wir als Webschuleltern eine eigene, ganz klare Meinung dazu. Dazu muss man uns nicht aufrufen, dies öffentlich zu machen: Dieser Skandal MUSS an die Öffentlichkeit! Es muss gezeigt werden, wie schwer beeinträchtigten Jugendlichen die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft verbaut wird, weil man es nicht ermöglichen kann/will, bürokratische Hürden zu überwinden. Es muss gezeigt werden, dass hier das Wohl der Kinder hintenan steht.

Frau Bildungsministerin Yvonne Gebauer hat da eine Vision: Sie möchte ein eigenes staatliches Digitalangebot für unsere Kinder entwickeln – frei von kommerziellen Interessen. Liebe Frau Bildungsministerin, dass Sie sich unserer Kinder annehmen wollen, ist ein hehres Ziel. (Man darf sich trotzdem fragen, wie dieses Ziel nach fünf Jahren im Amt, also kurz vor der Wahl, zustandekommt.) Nur sind diese Überlegungen so völlig unausgereift, dass sie schiefgehen werden!!! Und unseren Kindern verhilft dies in nächster Zeit auch nicht zu einer wohnortunabhängigen Prüfung.

Sie befeuern im Schulausschuss eine Diskussion zum Thema kommerzielle Anbieter und haben nicht die Spur einer Ahnung davon, dass die web-individualschule ein Jugendhilfeträger ist, der nicht von den Eltern selbst, sondern über die Eingliederungshilfe als Teilhabe an Bildung bezahlt wird. So wie jeder andere Träger auch, der Einrichtungen oder Angebote der Jugendhilfe unterhält. Ist es Ihnen nicht peinlich, über etwas urteilen und entscheiden zu wollen und doch so völlig ahnungslos zu sein?

Stattdessen wurde Stimmung gemacht, es werde Schulgeld im fünfstelligen Bereich erhoben, und es würde vom Geldbeutel der Familie abhängen, ob man Schüler werden könne. Die tendenziöse Stimmung gegen die web-individualschule war eindeutig zu spüren. Frau Bildungsministerin, worum geht es hier eigentlich wirklich? Führen Sie gerade einen persönlichen Kreuzzug auf Kosten unserer Kinder? Es ist beschämend, wenn der schulpolitische Sprecher der SPD Ihnen die Funktionen eines Jugendhilfeträgers erklären und die tatsächliche Höhe der Eingliederungshilfe mitteilen muss. Und es ist beschämend, dass Ihnen dies nicht peinlich ist und sie ihn fragen, warum es so eine Aufregung gäbe.

Wir fordern Sie auf, nicht gegen die Schule zu kämpfen, sondern mit ihr und zwar für weitere wohnortunabhängige Prüfungen und dafür alles in Ihrer Macht stehende zu tun. Arbeiten Sie mit der Schule zusammen. Schätzen Sie diese Schule in Ihrem Bundesland, die aus dem staatlichen Schulsystem gefallenen Kindern eine Chance auf Bildung und Zukunft gibt. Sie hat die Erfahrung und das Knowhow von 20 Jahren. Nutzen Sie dies. Es geht schließlich um die Kinder! Schöpfen Sie alle Möglichkeiten aus. Es gibt immer einen Weg, wenn man will. Auch über die Bezirksregierung Arnsberg hinaus.

Und entscheiden Sie nicht über uns Betroffene, ohne mit uns zu reden! Hören Sie sich die Leidenswege der Kinder und der Familien an. Hören Sie sich an, wie schwer der Weg durch unser staatliches Schulsystem ist bis an die web-individualschule. Und wie unsere Kinder dafür kämpfen, diesen Abschluss zu bekommen, um sich ihre Träume zu verwirklichen! Hören Sie hin und begegnen Sie uns auf Augenhöhe! Und danach sagen Sie uns und unseren Kinder direkt, welche Zukunft sie haben werden durch Ihre Entscheidung!

Katrin Schellhorn

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