
Liebe Unterstützer:innen,
letzte Woche hatten wir über die erneuten Hürden für das Fracking-Terminal in Brunsbüttel berichtet – und diese Woche scheint Stade dran zu sein! Dort musste der Vorhabenträger Hanseatic Energy Hub nun einen weiteren wichtigen Schritt des Projekts verschieben: Den Start der verbindlichen Open Season. Die Realisierung des Projekts wird damit immer unwahrscheinlicher – und wir nutzen jeden zusätzlichen Tag zum Widerstand gegen die Pläne!
Eigentlich wollte Hanseatic Energy Hub (HEH) noch dieses Jahr mit dem Bau ihrer Anlage in Stade beginnen. Wie auch in Brunsbüttel wird daraus jedoch nichts werden, denn schon wieder musste der Vorhabenträger nun einen Meilenstein für das Projekt verschieben – aus dem Anbieten von Transportkapazitäten des Terminals an potentielle Kund:innen, dem so genannten verbindlichen Teil der „Open Season“, wird nichts. Eigentlich wollte HEH den Prozess im Januar 2022 starten, nachdem dieser Schritt eigentlich schon im zweiten Quartal 2021 durchgeführt werden sollte. Der Grund für die erneute Verschiebung: Die hohen Gaspreise machten Entscheidungen für potentielle Käufer derzeit zu schwierig. Das wirkt sich natürlich auch auf den weiteren Verlauf des Vorhabens aus: Die finale Investitionsentscheidung (FID) wird wohl nicht wie zuletzt geplant im ersten Quartal 2023 fallen, sondern sich noch weiter verzögern.
Wir sind im Grunde ja schon etwas beeindruckt vom Durchhaltewillen der Vorhabenträger. Trotz der zahllosen Rückschläge machen sie unbeirrt weiter, obwohl mit einer Inbetriebnahme 2026 wohl jetzt endgültig nicht mehr zu rechnen ist. Angesichts der klimapolitischen Fakten möchten wir unseren Appell dann aber doch an dieser Stelle noch einmal wiederholen: Stellt die Pläne für euer Fracking-Terminal doch einfach ein! Denn die Realität holt euch mit immer größeren Schritten ein: Rechtlich gesehen müssen wir spätestens 2045 mit fossilem Gas aufhören, wenn wir es aber ernst meinen mit dem Klimaschutz wohl schon deutlich eher. Uns bleibt einfach keine Zeit mehr für ein neues fossiles Megaprojekt, wie in Stade geplant.
Wahrscheinlich müssen wir aber noch weiter Überzeugungsarbeit leisten, bis wir unser Ziel erreicht haben. Anlässe dazu gibt es genug: Der Weg zu Bau und Genehmigung des Terminals ist noch lang, und wir werden uns in alle Teilschritte einbringen. Im besten Fall aber kommt es erst gar nicht zum Antrag auf Genehmigung oder der Investitionsentscheidung. Damit das passiert, können wir auch schon jetzt etwas tun: Hanseatic Energy Hub hofft derzeit darauf, dass sich die Marktbedingungen auch dadurch verbessern, dass die EU fossiles Gas in ihrer Taxonomie als nachhaltig einstuft. Wir haben dagegen protestiert, ein Rechtsgutachten veröffentlicht und einen Eilappell an die Bundesregierung aufgesetzt, damit diese sich gegen den EU-Vorschlag stellt. Ihr könnt jetzt noch unterschreiben, damit HEH sein klimazerstörendes fossiles Projekt in Zukunft nicht auch noch als „grün“ labeln kann!
Es zeigt sich also einmal mehr: Die Fracking-Terminalprojekte sind eben nicht „rein private“ Projekte, wie es immer wieder behauptet wird, sondern sie hängen ganz entscheidend von den richtigen Signalen aus der Politik ab. Das gilt nicht nur für die EU-Vorgänge, sondern auch für die Bundespolitik. Zwar hat die Diskussion um den Zubau neuer Gaskraftwerke hierzulande eigentlich nichts mit den LNG-Terminals zu tun. Die Planer fossiler Megavorhaben muss das aber nicht weiter stören – sie schreiben sich einfach jede halbwegs positive Aussage der Politik zu fossilem Gas als Unterstützungsargument für ihre Dinosaurierprojekte auf die Fahne.
Mit jedem Zugeständnis an fossiles Gas durch die Politik wächst also das Risiko, neue fossile Gasinfrastruktur zu legitimieren, die wir nicht brauchen – und die später dann doch zum „Stranded Assset“ werden wird, für das wir alle aufkommen müssen. Sorgen wir dafür, dass es nicht so weit kommt.
Lili, Gustav und
Constantin von der Deutschen Umwelthilfe