Petition updateMonatelange Wartezeiten – und jetzt werden psychotherapeutische Leistungen gekürzt?Die Lage wird noch ernster – Bitte macht heute mit und schreibt den Abgeordneten im Bundestag!
Johanna Alisa JungUlm, Germany
28 Apr 2026

Liebe Unterstützer*innen,

Wahnsinn, wir gehen mit großen Schritten auf 600.000 Unterschriften zu. Knapp 600.000 Menschen fordern einen Stopp der Kürzungen in der Psychotherapie! Dafür möchte ich Euch von Herzen danken, habe aber auch ein wichtiges Anliegen: Bitte schreibt heute Bundestagsabgeordneten via abgeordnetenwatch oder E-Mail! Denn wir müssen bestürzt feststellen: Die Lage wird nicht besser, sie wird noch ernster.

Seit der Veröffentlichung des Beschlusses am 11. März 2026 ist unglaublich viel passiert: Es gab Protestaktionen, Demonstrationen, Gespräche, Berichte, Solidarität und enormes Engagement. Viele Menschen haben sichtbar gemacht, was hier auf dem Spiel steht: nicht nur die wirtschaftliche Situation einer Berufsgruppe, sondern die Versorgung psychisch erkrankter Menschen in diesem Land.

Und trotzdem entsteht aktuell nicht der Eindruck, dass die Regierung die Dramatik dieser Entwicklung ausreichend ernst nimmt.

Bereits zum 1. April 2026 wurde die Vergütung vieler psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % abgesenkt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bezeichnete diese Entscheidung als „fatal“ und als Benachteiligung der Psychotherapeut*innen zulasten psychisch kranker Menschen. Sie kündigte rechtliche Schritte an und klagt gegen diesen Beschluss. Die Bundestagspetition zur Vergütung psychotherapeutischer Leistungen wurde eingereicht, ist aber weiterhin nicht zur öffentlichen Mitzeichnung freigegeben. Zudem macht das Bundesministerium für Gesundheit bislang nicht den Anschein, als wolle es den Beschluss zur Honorarkürzung beanstanden, obwohl genau diese Beanstandung von dem Aktionsbündnis Psychotherapie sowie den Berufsverbänden ausdrücklich gefordert wurde. 

Für mich ist das ein absolutes Armutszeugnis für unsere Gesundheitspolitik und unsere Gesundheitsversorgung.

Und als wäre das noch nicht genug, kommt es jetzt noch heftiger:
Mit dem geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz droht der nächste massive Einschnitt: Zusätzlich zu der Streichung von Zuschlägen zur Kurzzeittherapie sollen psychotherapeutische Leistungen nach den Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit wieder in die sogenannte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung zurückgeführt werden. Oder einfacher gesagt:
Psychotherapie soll wieder budgetiert werden.

Budgetierung bedeutet dabei, dass es nur noch einen begrenzten Geldtopf für psychotherapeutische Versorgung geben wird.

Wenn dieser Geldtopf ausgeschöpft ist, werden notwendige Behandlungen nicht mehr vollständig bezahlt - obwohl Patient*innen weiterhin krank sind, obwohl der Bedarf weiterhin da ist und obwohl Praxen weiter arbeiten.

Das ist, als würde man sagen: „Ja, es gibt mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ja, die Wartezeiten sind zu lang. Ja, die Versorgung ist angespannt, aber das Geld für Behandlung deckeln wir trotzdem. Wenn der Topf erschöpft ist, werden notwendige Leistungen eben nicht mehr vollständig vergütet.“

Budgetierung bedeutet also für viele Praxen noch massiveren wirtschaftlichen Druck und noch weniger Planungssicherheit. Und wenn Praxen wirtschaftlich nicht mehr tragfähig oder planbar arbeiten können, bedeutet das am Ende für gesetzlich Versicherte:

  • weniger Therapieplätze
  • noch längere Wartezeiten
  • weniger Versorgung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  • mehr Chronifizierung
  • mehr stationäre Behandlungen
  • längere Krankschreibungen
  • mehr Kosten an anderer Stelle

Denn eine psychotherapeutische Praxis lebt nicht von dem, was öffentlich oft als „Honorar“ dargestellt wird. Abgesehen davon, dass die herangezogenen Berechnungen die Versorgungsrealität vieler Praxen nicht abbildet, entspricht der Honorarumsatz keinem persönlichen Einkommen. Davon müssen Miete, Software, Versicherungen, Fortbildungen, Verwaltung, Dokumentation, Telefonsprech- und Ausfallzeiten, Krankheit, Urlaub und viele weitere Kosten bezahlt werden. Das reale Einkommen vieler psychotherapeutischer Praxen sieht deshalb ganz anders aus, als es von Kassenseite häufig suggeriert wird. Und Psychotherapeut*innen bewegen sich dabei weiterhin am unteren Ende der fachärztlichen Vergütung.

Das macht die aktuelle Entwicklung umso absurder:

  • Erst werden psychotherapeutische Leistungen um 4,5 % gekürzt.
  • Dann sollen Zuschläge zur Kurzzeittherapie gestrichen werden.
  • Und obendrauf soll Psychotherapie nun auch noch budgetiert werden.

Das verschlimmert die bereits durch die Kürzung befürchteten Folgen nochmals drastisch.

Die Kritik daran kommt längst nicht mehr nur von Psychotherapeut*innen oder Berufsverbänden. Auch innerhalb der Politik selbst gibt es deutliche Zweifel an der Ausgewogenheit des geplanten Sparpakets. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Christos Pantazis, spricht laut Medienberichten von einer erheblichen „Unwucht“. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf kritisiert ebenfalls, dass nicht nur Versicherte belastet werden dürfen, und fordert, stärker bei großen Ausgabentreibern anzusetzen - etwa bei Arzneimittelpreisen und Pharmakonzernen. 

Das zeigt: 

  • Dieses Sparpaket ist nicht alternativlos.
  • Diese Kürzungen sind auch politisch hoch umstritten.
  • Und die geplante Budgetierung der Psychotherapie ist keine technische Kleinigkeit, sondern eine politische Entscheidung mit massiven Folgen.

Bereits morgen, am 29. April 2026, soll der Kabinettsentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen werden.

Das bedeutet: Jetzt ist der Moment zu handeln.

Bitte schreibt den Abgeordneten Eures Wahlkreises oder den Abgeordneten im Gesundheitsausschuss  im Bundestag - direkt oder über abgeordnetenwatch.

Schreibt als Patient*in.
Schreibt als Angehörige*r.
Schreibt als Psychotherapeut*in.
Schreibt als Mensch, dem psychische Gesundheit wichtig ist.

Nutzt dabei gerne folgende Punkte:

  • Das reale Einkommen psychotherapeutischer Praxen ist nicht das, was die GKV öffentlich suggeriert.
  • Psychotherapeut*innen sind im fachärztlichen Vergleich weiterhin am unteren Ende der Vergütung.
    Psychotherapeutische Leistungen wurden bereits zum 01.04.2026 um 4,5 % gekürzt.
  • Budgetierung bedeutet: ein gedeckelter Geldtopf trotz steigendem Behandlungsbedarf.
  • Budgetierung gefährdet massiv die psychotherapeutische Versorgung gesetzlich Versicherter.
  • Die Einsparungen werden nur kurzfristig sein - langfristig entstehen deutlich höhere Mehrkosten.

Oder nutzt folgenden Link, mit dem Ihr eine vorbereitete Mail an die Kontakte aus dem Gesundheitsausschuss schreiben könnt:

Jetzt klicken und E-Mail an Mitglieder des Gesundheitsausschusses senden!

Bitte verändert dabei gerne den Betreff, ergänzt unbedingt Eure eigene Meinung, Eure Geschichte, Eure Erfahrungen oder Eure individuelle Situation. Je persönlicher die Nachrichten sind, desto deutlicher wird: Hier geht es nicht um Zahlen auf einem Papier. Hier geht es um Menschen.

Wir sind fast 600.000 Menschen, die ein Ende der Kürzungen in der Psychotherapie fordern! Und es ist wichtig, dass wir heute noch mal laut werden!

Zum Schluss möchte ich außerdem auf diese weitere Petition hinweisen, die genau dieses Thema adressiert: https://c.org/58JXqDFzrz

Euer Einsatz bedeutet mir unfassbar viel - und vielleicht ist genau dieser gemeinsame Druck jetzt entscheidend. 

Herzliche Grüße

Johanna Alisa Jung

Quellen und weiterführende Informationen:

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