Sofortige Öffnung des regulären Schulbetriebs in Baden- Württemberg

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Wir, die Unterzeichnenden, appellieren an Sie:

1. mit sofortiger Wirkung alle Schulen wieder ohne Einschränkungen zu öffnen.

2. Risikogruppen unter den Lehrern und Schülern zu ermöglichen, in Eigenverantwortung selbstständig für den größtmöglichen Schutz Ihrer Gesundheit zu sorgen 

Begründung: 

Wir sind überzeugt, dass Sie in bester Absicht Baden-Württemberg und das Schulsystem in Baden-Württemberg in Zeiten der Corona-Krise schützen wollen. Nachvollziehbare Leitschnur des Handelns ist, alle Menschen – jeden Alters - so gut wie möglich vor Infektionen zu schützen. 

Aber die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger und vor allem das Recht der Kinder auf Bildung gilt es mit der gleichen Priorität aufrechtzuerhalten! Dieses Recht auf Bildung nach Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention ist für unsere Kinder von besonderer Bedeutung.

Als Eltern, LehrerInnen sowie TherapeutInnen schulpflichtiger Kinder sehen wir die von Ihnen getroffenen Entscheidungen bzgl. der langen und immer noch andauernden Schulschließungen mit großer Sorge. Unsere Kinder unterliegen nicht nur der Schulpflicht, sondern haben auch ein Recht auf Bildung.

Die politischen Vorgaben unter dem Schlagwort „Pandemie“ erscheinen uns zunehmend widersprüchlich, willkürlich und zumindest unverhältnismäßig.

Das vom Kultusministerium entworfene Konzept der eingeschränkten Beschulung im Blockunterricht und die Reduzierung auf die Hauptfächer sowie das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen im Schulbereich schadet unseren Kinder und steht in keiner Verhältnismäßigkeit zu den möglichen Gefahren von COVID-19. 

Die Lernmotivation unserer Kinder sinkt zunehmend, sie verlernen soziales Verhalten und psychische Erkrankungen nehmen zu. 

Wir sind besorgt über die kurz- und langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder, ihr Wohlbefinden, ihre Entwicklung und ihre Zukunftsperspektiven. Diese Maßnahmen unterbrechen nicht nur das Lernen, sondern haben vielerorts auch zur Folge, dass der Zugang zu sozialen und gesundheitsfördernden Aktivitäten in Horten und Mittagsbetreuungen wegfallen. Da der Schulsport und die Betätigung in den Sportvereinen ebenfalls nicht oder nur eingeschränkt stattfindet und die Kinder nur sehr eingeschränkt draußen spielen können, haben sehr viele von ihnen völlig unzureichende körperliche Betätigung. Auch das wirkt sich von Woche zu Woche negativer auf deren Gesundheit aus. 

Wir Eltern werden zwischen Home-Office, Home-Schooling und Anspruch, die eigenen Kinder liebevoll betreuen zu wollen, zerrieben. Kurzarbeit und ggfs. Arbeitslosigkeit verstärken die Belastungen der Familien. Auch Eltern werden die aktuelle Situation nur zeitlich begrenzt aushalten können. 

Die Mehrfachbelastung mit Präsenz- und Online- Unterricht, die man den Lehrern auferlegt hat, kann nicht lange durchgehalten werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass nun schwangere Lehrerinnen keinen Präsenzunterricht mehr halten dürfen und viele ältere Lehrerinnen und Lehrer zu sogenannten „Risikogruppen“ gehören und ebenfalls für den Präsenzunterricht ausfallen.

Diese Einschränkungen erscheinen zudem völlig überflüssig, denn Kinder und Jugendliche zeigen bei einer Infektion kaum Symptome und in Deutschland leben sie auch nur sehr selten mit ihren Großeltern in einem gemeinsamen Haushalt, so dass von Ihnen auch keine wesentliche Gefahr für sog. Risikogruppen ausgeht.

Es kann nicht sein, dass Millionen von Kindern ihre Bildung vorenthalten wird wegen eines Virus, dessen Gefahrenpotential in der medizinischen Wissenschaft umstritten ist und gerade bei Kindern die Gefahren der saisonalen Influenza nicht übersteigt.

Außerdem haben wir in Deutschland ein hervorragendes Gesundheitssystem und gerade in Baden Württemberg sind wir für mögliche intensivpflichtige COVID-19-Fälle bestens gerüstet.

Menschen treffen in Fußgängerzonen, in Parks und an Seen, auf Plätzen oder sonstigen Orten seit einigen Wochen zunehmend ohne Sicherheitsabstand und Mund-Nase-Abdeckung aufeinander. Die Infektionszahlen sind aber nicht ansteigend, sondern eher noch rückläufig.

Dabei möchten wir auf die Stellungnahmen zahlreicher Fachgesellschaften und Ergebnisse einiger Studien verweisen, die unsere Forderungen belegen.

Eine ganze Reihe von Studien zeigt, dass Kinder nicht nur wenig gefährdet sind, schwer an COVID-19 zu erkranken. Sie scheinen auch deutlich weniger infektiös zu sein für andere. Hierzu gibt es eine beeindruckende Stellungnahme von 4 relevanten medizinischen Fachgesellschaften ( Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin und des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte ) Diese haben Bund, Länder und Kommunen gemeinsam dazu aufgerufen, Kindergärten und Schulen trotz der Corona-Pandemie umgehend und vollständig zu öffnen (Das Positionspapier liegt als Anlage diesem Schreiben bei). 

Wir sind keine „Verschwörungstheoretiker“, wir sind keine „Corona-Leugner“, sondern informierte und besorgte Bürgerinnen und Bürger. 

Daher sehen wir es mit Besorgnis, dass durch selektives Heranziehen einzelner Wissenschaftler und Behörden, deren Einschätzungen im Laufe des Corona- Infektionsgeschehens sich wiederholt als unzutreffend erwiesen haben, eine pseudoobjektive Beurteilung der Gefahrenlage vorgenommen wird. Daher fügen wir in der Anlage eine Reihe von wissenschaftlichen Quellen bei, die eine vollständigere Beurteilung ermöglichen: 

1. https://www.krankenhaushygiene.de/ccUpload/upload/files/2020_05_19_Stellungnahme_DGKH_Covid-19_Kinder.pdf

2. Das Deutsche Ärzteblatt fasst zusammen: „Als Überträger von SARS-CoV-2 spielen Kinder eine geringere Rolle als bislang vermutet. Daher sollten dieSchließungen von Kindertagesstätten und Schulen neu überdacht werden“.Link zum Fachartikel (Dtsch Arztebl 2020; 117(19): A-990 / B-837):

https://www.aerzteblatt.de/archiv/213829/Coronakrise-Kinder-haben-das-Recht-auf-Bildung

3. Frühe Hinweise auf eine geringe Infektiosität von Kindern (Covid-19):Medizinische Fachberichte aus China, wo die aktuelle Corona-Pandemie ausbrach, zeigten bereits früh, dass Kinder offenbar weniger gefährdet sind, an Covid-19 schwer zu erkranken. Bereits im Februar und März lag hierzu eine ganze Reihe virologischer Studien vor. So zeigte zum Beispiel diese Studie, dass Kinder und Jugendliche (< 18 J.), die nachweislich in engem Kontakt mit Covid-19-Patienten waren, sich deutlich seltener ansteckten als Erwachsene. In einer Erhebung, in der die Verbreitung des Virus im Zusammenhang mit größeren Familienfeiern rekapituliert wurde, infizierten sich von 745 Kindern nur 10 Kinder (1,3 %).

Link zur Studie: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/jmv.25807

4. Dem Bericht einer internationalen Expertenkommission unter Leitung der WHO und dem Chinese Center for Desease Control and
Prevention zufolge zeigten Erhebungen in verschiedenen chinesischen Provinzen zu Anfang des Jahres, dass von allen nachweislich infizierten Kindern nur 2,4 % an Covid-19 auch erkrankten. Während in vielen Fällen rekapituliert werden konnte, dass die Übertragung des Virus von Erwachsenen auf Kinder erfolgte – entweder über die Eltern oder andere Verwandte- oder aber auch bei Besuchen medizinischer Einrichtungen durch das dortige Personal, betont der Bericht, dass es bis dato keinerlei Evidenz gebe, dass Kinder das Virus auf Erwachsene oder andere Kinder übertragen haben. Diese Befunde fanden bei der Risikoeinschätzung in Deutschland jedoch keine Berücksichtigung und wurden auch nicht zügig durch eigene Forschungen überprüft.

Link zum Bericht der China Joint Mission: https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/who-china-joint-mission-on-covid-19-final-report.pdf

5. Eine andere, durch ein internationales Team durchgeführte Studie im chinesischen Shenzhen kam zu dem Schluss, dass sich Kinder nicht seltener infizieren als Erwachsene, offenbar aber selbst das Virus nur selten übertragen. Diese Studie wurde in den Medien mehrfach zitiert, allerdings wurde nur der Aspekt betont, dass Kinder sich genauso häufig infizieren wie Erwachsene.

Link zur Studie:

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.03.20028423v3.full.pdf

6. Australische Studie zur Infektiosität von Schülern:
In einem australischen Bundesstaat wurden zwischen März und April 18 Schüler*innen und Lehrer*innen (jeweils 9) als Covid-19-Fälle
positiv getestet; im Anschluss wurden alle engen Kontakte dieser Schüler*innen und Lehrer*innen ebenfalls getestet – insgesamt 735 Kinder und 128 Erwachsene. Von den engen Kontaktpersonen unter den Lehrer*innen hatte sich niemand bei den infizierten Schüler*innen angesteckt, bei den Schüler*innen gab es insgesamt nur 2 Fälle, wo eine solche Übertragung von einem Kind auf ein anderes vermutet werden kann; insgesamt hatte also eine Übertragung auf 2 von 863 Kontaktpersonen stattgefunden.
Link zur Studie: 

http://ncirs.org.au/covid-19-in-schools 

7. Französischer Fall eines infizierten Kindes mit vielen Kontakten:
Ein Kind aus Frankreich, das nachweislich mit Covid-19 infiziert war, hatte während der Inkubationszeit 172 Kontakte, nahm unter anderem an drei verschiedenen Skikursen teil. Doch es steckte offenbar niemanden an.
Link zum Medienbericht (welt.de 20.04.2020): 

https://www.welt.de/wissenschaft/article207391373/Frankreich-Kind-infiziert sich-mit-Coronavirus-und-steckt-niemanden-an.html

8. Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im eigenen Haushalt ?
Bereits am 10. April berichtete der Virologe Hendrik Streeck bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Zwischenergebnisse der so
genannten „Heinsberg-Studie“, dass Kinder, auch wenn sie in Haushalten mit Infizierten zusammenlebten, sich offenbar seltener infizierten, obwohl Abstand halten zu Hause doch kaum möglich ist.
Die Endergebnisse der Heinsberg-Studie, die am 4. Mai der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, bestätigten das überraschende Ergebnis der geringeren Gefahr einer Infektion im Haushalt.
Link zum vorläufigen Endbericht der Heinsberg-Studie:

https://www.ukbonn.de/C12582D3002FD21D/vwLookupDownloads/Streeck_et_al_Infection_fatality_rate_of_SARS_CoV_2_infection2.pdf/%24FILE/Streeck_et_al_Infection_fatality_rate_of_SARS_CoV_2_infection2.pdf

9. Anfang April veröffentlichte die renommierte medizinische Fachzeitschrift Lancet einen Bericht, der zu dem Ergebnis kommt, dass Schulschließungen zur Eindämmung von Coronaviren keinen oder nur einen minimalen Effekt haben: School closure and management practices during coronavirus outbreaks including COVID-19, a rapid systematic review. Russell M Viner et al, Lancet I Volume 4, Issue 5, 2020

10. Die Letalität der Erkrankung Covid 19 bei Kindern liegt wahrscheinlich nahe bei 0: Global Covid-19 Case Fatality Rates. CEBM.net I Jason Oke, Carl Heneghan I, Updated 22 nd April 2020)

11. Stellungnahme der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. zu weiteren Einschränkungen der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) vom 20.4.20:

https://www.dakj.de/stellungnahmen/stellungnahme-der-deutschen-akademie-fuer-kinder-und-jugendmedizin-e-v-zu-weiteren-einschraenkungen-der-lebensbedingungen-von-kindern-und-jugendlichen-in-der-pandemie-mit-dem-neuen-coronavirus-sar/

12. Aus dem Newsletter vom 30.4.2020 der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie zu COVID-19 und Schulöffnung: Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie legt Wert auf eine ausgewogene Interpretation der gesamten wissenschaftlichen Evidenz. Es wird davon ausgegangen, dass Kinder und Jugendliche nur wenig infektiös sind und daher die Epidemie in der Schule nicht unterhalten können.

https://www.paediatrieschweiz.ch/news/covid-19-fragen-und-antworten-teil-9/ 

Wir bitten diese Punkte in Ihren politischen Entscheidungen baldmöglichst zu berücksichtigen und für die sofortige Wiederherstellung des regulären Schulbetriebes zu sorgen.

Mit freundlichen Grüßen

Dipl. Inf. Mihaela Homana

Mutter von 3 Kinder