

Ministerin Reiche: Kernenergie in Deutschlands Energiewende-Szenarien fair prüfen


Ministerin Reiche: Kernenergie in Deutschlands Energiewende-Szenarien fair prüfen
Das Problem
Wie es mit der Energiewende weitergeht, entscheidet nicht nur über das Erreichen der Klimaziele, sondern auch über Wohlstand, Zukunftsfähigkeit und letztlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. Wir wollen, dass diese Weichenstellung nicht entlang politischer Vorannahmen erfolgt, sondern auf Basis von Evidenz und Wissenschaft.
Aber in den Modellen, die die wissenschaftliche Grundlage unserer Energiepolitik bilden, wird eine der leistungsstärksten CO₂-armen Energietechnologien bislang systematisch ausgeklammert: die Kernenergie. Derzeit lässt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine neue Version dieser Modelle – die sogenannten "Langfristszenarien" – erstellen, deren Veröffentlichung für den Herbst angekündigt ist. Deshalb fordern wir Wirtschaftsministerin Katherina Reiche mit einem offenen Brief auf, Kernenergie unter fairen und transparenten Bedingungen zu berücksichtigen.
Sind Sie dabei?
Offener Brief
Sehr geehrte Frau Ministerin Katherina Reiche, sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, kommen aus der Wirtschaft, aus der Wissenschaft, aus der Klimabewegung und aus der Mitte Gesellschaft. Gemeinsam setzen wir uns für eine evidenzbasierte Klimapolitik ein, die den Schutz unserer Lebensgrundlagen und den Erhalt des gesellschaftlichen Wohlstands nicht gegeneinander, sondern miteinander denkt und durch technologische Innovation sichert.
Die politische Planung und Gestaltung der Energiewende stützen sich notwendigerweise auf Modellrechnungen und Szenarien. Seit vielen Jahren nehmen dabei die sogenannten „Langfristszenarien“ eine Sonderstellung ein: Diese Szenarien werden in Zusammenarbeit verschiedener deutscher Forschungsinstitute im Auftrag Ihres Bundesministeriums, finanziert vom Steuerzahler, erstellt und beständig aktualisiert. Sie bilden die wissenschaftliche Grundlage der deutschen Transformationspolitik. Mit Sorge beobachten wir, wie eine der leistungsstärksten CO₂-armen Technologien – die moderne Kernenergie – hierbei bis heute systematisch ausgeklammert wird.
Deshalb rufen wir Sie auf, als Auftraggeber dafür Sorge zu tragen, dass sich dies in den kommenden Hauptszenarien ändert, die für den Herbst dieses Jahres angekündigt sind, und Kernenergie im Rahmen einer technologieoffenen Modellierung unter fairen und transparenten Rahmenbedingungen berücksichtigt wird.
Für eine langfristig erfolgreiche Energiewende muss weder der schnellste noch der billigste Weg gefunden werden, sondern vor allem ein robuster Weg: Ein Weg, der die Menschen nicht überfordert, sondern breiten politischen Rückhalt genießt, der angesichts des Klimawandels resilient ist, der in einer unsicheren geopolitischen Lage Versorgungssicherheit bietet und der skalierbar bleibt, wenn zukünftige Herausforderungen oder Wachstumschancen zusätzliche Energie erfordern. Aus all diesen Gründen plädieren wir dafür, Kernenergie als möglichen stabilisierenden Pfeiler in allen zukünftigen Modellen einzubeziehen, und Abhängigkeiten aller Art – von fossilen Brückentechnologien (Erdgas/H2-ready) bis hin zu seltenen Erden aus China – zu minimieren. Ein einseitig auf volatilen und ressourcenintensiven Quellen basierendes System ist strukturell verletzlich.
Eine faire Modellierung sollte Kernenergie und erneuerbare Energien unter verschiedenen Annahmen für Kosten, Skalierbarkeit und Auslastung analysieren:
- Sowohl für Kernenergie als auch für Wind- und Solarenergie sollten optimistische, konservative und mittlere Kostenprognosen herangezogen werden.
- Kernenergie sollte nicht nur bei niedriger Auslastung zum Ausgleich der Residuallast in einem von Erneuerbaren geführten System modelliert werden, sondern auch mit hoher Auslastung in einem von Kernkraft geführten Stromsystem, also mit gleichen Einspeiserechten für Erneuerbare und Kernenergie.
- Mögliche Grenzen der Skalierbarkeit sind sowohl für Kernenergie als auch für die Erneuerbaren Energien zu beachten. Für die Windenergie an Land zum Beispiel ist im bisherigen Hauptszenario eine Grenze von 160 GW vorgesehen. Bereits in der Vergangenheit wurden in Subszenarien zudem auch die Folgen einer niedrigeren Grenze – etwa infolge fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz – untersucht. Auch für solche Szenarien ist ein möglicher Beitrag der Kernenergie zu untersuchen.
- Weitere Fragen ergeben sich hinsichtlich möglicher Synergien – etwa mit der nationalen Wasserstoffstrategie, für die europäische Energiewende, oder durch eine mögliche direkte Wärmenutzung aus Kernenergie.
Wir bitten Sie daher, eine "Option Kernkraft" als komplementären Pfad in den nächsten Iterationen der Langfristszenarien wissenschaftlich neutral durchrechnen zu lassen. Nur durch einen ergebnisoffenen Vergleich aller CO₂-armen Optionen können wir sicherstellen, dass die deutsche Energiewende ökologisch, ökonomisch und sozial zukunftsfähig gestaltet wird.
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
UPDATE, 11.06.26
Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner:
Prof. Dr. Hans von Storch, Klimawissenschaftler, Klimaforscher, Institut für Küstenforschung Geesthacht
Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin a. D.
Prof. Dr. Friedrich Breyer, Wirtschaftswissenschaftler, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Matthias Müller, ehem. Vorstandsvorsitzender Porsche und Volkswagen, Geschäftsführer Futuris GmbH
Prof. Dr. Stefan Kooths, Forschungsdirektor Konjunktur und Wachstum, Kiel Institut für Weltwirtschaft
Prof. Dr. Alexander Ludwig, Wirtschaftswissenschaftler, ZEW Mannheim, European University Institute Florenz
Dr. Eduardo Zorita, Klimawissenschaftler, Institut für Küstenforschung Geesthacht
Prof. Dr. Joachim Weimann, Wirtschaftswissenschaftler, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Dr. Hanno Kinkel, Geologe, Department of Geological Sciences, Stockholm University
Prof. Dr. Alexander Becker, Philosoph, geschäftsf. Direktor Institut für Philosophie, Universität Marburg
Dr. Andreas Fellner, Biologe, Vorsitzender WePlanet-DACH
Britta Augustin, Dipl. Inf., Vorsitzende Nuklearia e.V.
Amardeo Sarma, Dipl. Ing. Elektrotechnik, Langjähriger Vorsitzender der GWUP, Skeptiker
PD Dr. Anna Veronika Wendland, Historikerin, Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg
Andreas Kießling, Dipl.-Phys., Autor & Energiesystemexperte
Gerhard Buchholtz, Dipl.-Ing. Maschinenbau, Erlangen
Prof. Dr. Hartwig Freiesleben, Kernphysiker, TU Dresden
Prof. Dr. Thomas Hering, Ökonom, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Fern-Universität in Hagen
Prof. Dr. Friedrich Wagner, Direktor em. MPI für Plasmaphysik Fusionsforschung
Dr. rer. nat. Rudolf Kohler, selbstständiger Chemiker, Heilbronn
Dr.-Ing. Bernhard Leidinger, Unternehmensberater, IHK Essen-Mülheim-Oberhausen
Prof. Rainer Maurer, Ökonom, Fakultät Wirtschaft und Recht, Hochschule Pforzheim
Gerhard Buchholtz, Dipl.-Ing. Maschinenbau, Erlangen
Matthias Holl, Diplomphysiker, Ex-Bereichsleiter im KKW Mülheim-Kärlich
Dr.-Ing. Ralf Gödde, Elektroingenieur/Patentanwalt
Dr. Karl-Heinz Frank, Physiker und IT-Unternehmer
Roland Pfisterer, Diplom Informatiker
UPDATE, 12.06.26: weitere Erstunterzeichner hinzugefügt

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Das Problem
Wie es mit der Energiewende weitergeht, entscheidet nicht nur über das Erreichen der Klimaziele, sondern auch über Wohlstand, Zukunftsfähigkeit und letztlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. Wir wollen, dass diese Weichenstellung nicht entlang politischer Vorannahmen erfolgt, sondern auf Basis von Evidenz und Wissenschaft.
Aber in den Modellen, die die wissenschaftliche Grundlage unserer Energiepolitik bilden, wird eine der leistungsstärksten CO₂-armen Energietechnologien bislang systematisch ausgeklammert: die Kernenergie. Derzeit lässt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine neue Version dieser Modelle – die sogenannten "Langfristszenarien" – erstellen, deren Veröffentlichung für den Herbst angekündigt ist. Deshalb fordern wir Wirtschaftsministerin Katherina Reiche mit einem offenen Brief auf, Kernenergie unter fairen und transparenten Bedingungen zu berücksichtigen.
Sind Sie dabei?
Offener Brief
Sehr geehrte Frau Ministerin Katherina Reiche, sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, kommen aus der Wirtschaft, aus der Wissenschaft, aus der Klimabewegung und aus der Mitte Gesellschaft. Gemeinsam setzen wir uns für eine evidenzbasierte Klimapolitik ein, die den Schutz unserer Lebensgrundlagen und den Erhalt des gesellschaftlichen Wohlstands nicht gegeneinander, sondern miteinander denkt und durch technologische Innovation sichert.
Die politische Planung und Gestaltung der Energiewende stützen sich notwendigerweise auf Modellrechnungen und Szenarien. Seit vielen Jahren nehmen dabei die sogenannten „Langfristszenarien“ eine Sonderstellung ein: Diese Szenarien werden in Zusammenarbeit verschiedener deutscher Forschungsinstitute im Auftrag Ihres Bundesministeriums, finanziert vom Steuerzahler, erstellt und beständig aktualisiert. Sie bilden die wissenschaftliche Grundlage der deutschen Transformationspolitik. Mit Sorge beobachten wir, wie eine der leistungsstärksten CO₂-armen Technologien – die moderne Kernenergie – hierbei bis heute systematisch ausgeklammert wird.
Deshalb rufen wir Sie auf, als Auftraggeber dafür Sorge zu tragen, dass sich dies in den kommenden Hauptszenarien ändert, die für den Herbst dieses Jahres angekündigt sind, und Kernenergie im Rahmen einer technologieoffenen Modellierung unter fairen und transparenten Rahmenbedingungen berücksichtigt wird.
Für eine langfristig erfolgreiche Energiewende muss weder der schnellste noch der billigste Weg gefunden werden, sondern vor allem ein robuster Weg: Ein Weg, der die Menschen nicht überfordert, sondern breiten politischen Rückhalt genießt, der angesichts des Klimawandels resilient ist, der in einer unsicheren geopolitischen Lage Versorgungssicherheit bietet und der skalierbar bleibt, wenn zukünftige Herausforderungen oder Wachstumschancen zusätzliche Energie erfordern. Aus all diesen Gründen plädieren wir dafür, Kernenergie als möglichen stabilisierenden Pfeiler in allen zukünftigen Modellen einzubeziehen, und Abhängigkeiten aller Art – von fossilen Brückentechnologien (Erdgas/H2-ready) bis hin zu seltenen Erden aus China – zu minimieren. Ein einseitig auf volatilen und ressourcenintensiven Quellen basierendes System ist strukturell verletzlich.
Eine faire Modellierung sollte Kernenergie und erneuerbare Energien unter verschiedenen Annahmen für Kosten, Skalierbarkeit und Auslastung analysieren:
- Sowohl für Kernenergie als auch für Wind- und Solarenergie sollten optimistische, konservative und mittlere Kostenprognosen herangezogen werden.
- Kernenergie sollte nicht nur bei niedriger Auslastung zum Ausgleich der Residuallast in einem von Erneuerbaren geführten System modelliert werden, sondern auch mit hoher Auslastung in einem von Kernkraft geführten Stromsystem, also mit gleichen Einspeiserechten für Erneuerbare und Kernenergie.
- Mögliche Grenzen der Skalierbarkeit sind sowohl für Kernenergie als auch für die Erneuerbaren Energien zu beachten. Für die Windenergie an Land zum Beispiel ist im bisherigen Hauptszenario eine Grenze von 160 GW vorgesehen. Bereits in der Vergangenheit wurden in Subszenarien zudem auch die Folgen einer niedrigeren Grenze – etwa infolge fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz – untersucht. Auch für solche Szenarien ist ein möglicher Beitrag der Kernenergie zu untersuchen.
- Weitere Fragen ergeben sich hinsichtlich möglicher Synergien – etwa mit der nationalen Wasserstoffstrategie, für die europäische Energiewende, oder durch eine mögliche direkte Wärmenutzung aus Kernenergie.
Wir bitten Sie daher, eine "Option Kernkraft" als komplementären Pfad in den nächsten Iterationen der Langfristszenarien wissenschaftlich neutral durchrechnen zu lassen. Nur durch einen ergebnisoffenen Vergleich aller CO₂-armen Optionen können wir sicherstellen, dass die deutsche Energiewende ökologisch, ökonomisch und sozial zukunftsfähig gestaltet wird.
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
UPDATE, 11.06.26
Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner:
Prof. Dr. Hans von Storch, Klimawissenschaftler, Klimaforscher, Institut für Küstenforschung Geesthacht
Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin a. D.
Prof. Dr. Friedrich Breyer, Wirtschaftswissenschaftler, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Matthias Müller, ehem. Vorstandsvorsitzender Porsche und Volkswagen, Geschäftsführer Futuris GmbH
Prof. Dr. Stefan Kooths, Forschungsdirektor Konjunktur und Wachstum, Kiel Institut für Weltwirtschaft
Prof. Dr. Alexander Ludwig, Wirtschaftswissenschaftler, ZEW Mannheim, European University Institute Florenz
Dr. Eduardo Zorita, Klimawissenschaftler, Institut für Küstenforschung Geesthacht
Prof. Dr. Joachim Weimann, Wirtschaftswissenschaftler, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Dr. Hanno Kinkel, Geologe, Department of Geological Sciences, Stockholm University
Prof. Dr. Alexander Becker, Philosoph, geschäftsf. Direktor Institut für Philosophie, Universität Marburg
Dr. Andreas Fellner, Biologe, Vorsitzender WePlanet-DACH
Britta Augustin, Dipl. Inf., Vorsitzende Nuklearia e.V.
Amardeo Sarma, Dipl. Ing. Elektrotechnik, Langjähriger Vorsitzender der GWUP, Skeptiker
PD Dr. Anna Veronika Wendland, Historikerin, Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg
Andreas Kießling, Dipl.-Phys., Autor & Energiesystemexperte
Gerhard Buchholtz, Dipl.-Ing. Maschinenbau, Erlangen
Prof. Dr. Hartwig Freiesleben, Kernphysiker, TU Dresden
Prof. Dr. Thomas Hering, Ökonom, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Fern-Universität in Hagen
Prof. Dr. Friedrich Wagner, Direktor em. MPI für Plasmaphysik Fusionsforschung
Dr. rer. nat. Rudolf Kohler, selbstständiger Chemiker, Heilbronn
Dr.-Ing. Bernhard Leidinger, Unternehmensberater, IHK Essen-Mülheim-Oberhausen
Prof. Rainer Maurer, Ökonom, Fakultät Wirtschaft und Recht, Hochschule Pforzheim
Gerhard Buchholtz, Dipl.-Ing. Maschinenbau, Erlangen
Matthias Holl, Diplomphysiker, Ex-Bereichsleiter im KKW Mülheim-Kärlich
Dr.-Ing. Ralf Gödde, Elektroingenieur/Patentanwalt
Dr. Karl-Heinz Frank, Physiker und IT-Unternehmer
Roland Pfisterer, Diplom Informatiker
UPDATE, 12.06.26: weitere Erstunterzeichner hinzugefügt

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Petition am 7. Juni 2026 erstellt