Bettina JungWenzendorf, Germany
Apr 23, 2018
Wir starten einen Verbandsbrief an Herrn Jan Philipp Albrecht und die Grünen in Schleswig-Holstein und dafür brauchen wir dich. Frage jetzt in deinem Verein, deiner Organisation oder in deiner Gruppe nach, ob sie sich anschließen. Wenn ja, brauchen wir einen Namen und die Funktion eines Mitglieds, der im Namen des Vereins unterzeichnet. Außerdem brauchen wir euer Logo. Meldet euch bei uns unter bettina.jung@ethia.de. Hier der Brief: Sehr geehrter Herr Jan Philipp Albrecht, sehr geehrte Damen und Herren von Bündnis90/Die Grünen Schleswig-Holstein, ich schreibe Ihnen im Namen der bundesweit aktiven Unterstützer der Initiative ETHIA und im Namen aller unterzeichnenden Vereine, Organisationen und Gruppen. "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ Mit diesen Worten Hermann Hesses möchte ich meine Hoffnung auf ein tierschutzgerechtes Seehundmanagement ausdrücken, das nun mit Herrn Albrecht als neuem Umweltminister*in etabliert werden kann. Der Seehund ist durch die FFH-Richtline in den Anhängen II und V, die Berner Konvention in Anhang III und die Bonner Konvention besonders geschützt. Er befindet sich allerdings im Jagdrecht, jedoch unter ganzjähriger Schonzeit. Dies hilft ihm in der Realität jedoch wenig: Es hat sich mittlerweile in Schleswig-Holstein ein sich gegenseitig bedingendes und schützendes Konstrukt von Nutznießern geschmiedet, das Interesse an toten Seehunden hat. Diesem fallen jährlich bis zu 500 der geschützten, von den Touristen geliebten Maskottchen der Meere zum Opfer - sie werden von Seehundjägern erschossen, weil sie angeblich "unheilbar" krank sind. Die Diagnose stellt allein der Seehundjäger am Strand. Ein Tierarzt darf zwar 24 Stunden erstversorgen, macht sich jedoch strafbar, wenn er nicht nach dieser Zeit dem dann über sein Schicksal allein entscheidenden Seehundjäger das Tier übergibt. (Das Amtsgericht in Kiel rügte dieses Vorgehen gemeinsam mit der anwesenden Staatsanwältin im November 2016 in einem entsprechenden Verfahren.) Die Zahlen der gesundzupflegenden Tiere stehen jedoch in keinem Verhältnis zu den erschossenen. Wie kann es sein, dass vielen hunderten Tieren eine Maximalzahl von um die 200 in Friedrichskoog aufgepäppelten gegenüberstehen? In den Niederlanden gibt es keine Seehundjäger - ein jedes Tier in Not hat dort das Recht auf tierärztliche Diagnose und evtl Therapie in den 5 dezentralen Auffangstationen. So können weit über 90% aller Seehunde - ohne, dass ein einziger erschossen wurde - gesund wieder ausgewildert werden. Das beweist, dass höchstens 10% aller Fundiere nicht geholfen werden kann. Schleswig-Holstein jedoch hat die Verantwortung für einen der wichtigsten Prädatoren der Nordsee komplett in die Hand der Landesjägerschaft abgegeben. Die Seehundstation Friedrichskoog ist die dort einzig legitimierte und wird vom Landesjagdverband und der Gemeinde in Trägerschaft geführt und von Spenden finanziert. Sie ist also ein Wirtschaftsunternehmen, dem offenbar und verständlicher Weise nur so viele Tiere zugeführt werden, wie wirtschaftlich von Interesse ist. Von toten Seehunden profitiert also indirekt die Auffangstation, gleichermaßen sind die Fischer nicht unglücklich über eine dezimierte Seehund-Population, denn es handelt sich um vermeintliche "Konkurrenten".Allerdings hat auch das ITAV (Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung) als Ableger der TiHo Hannover großes Interesse an "Totmaterial" zu Forschungszwecken, wie öffentlich in einer Jägerzeitung zugegeben wurde. Dieses ITAV bildet zudem in intransparenter, nicht verpflichtender Kurzschulung die Seehundjäger aus, damit sie "Krankheitsbilder" lernen und hält ihnen den "Rücken frei", was "medizinisch richtige Tötungsentscheidungen angeht", damit Kritiker*innen im Ansatz soetwas wie eine Kontrolle der Erschießungen vorgegaukelt werden kann. (Zu finden unter folgendem Link am Ende des Artikels unter "Lob des Jagdrechts": http://www.jawina.de/hundstage-3/) Ich wünsche mir die Herausnahme des Seehundes aus dem Jagdrecht und zumindest die Schaffung weiterer strategisch günstiger und von der Jägerschaft unabhängiger Auffangstationen, damit schnelle und effektive Therapie nach dem probaten Vorbild der Niederlande. Je nach Fundort der Seehunde in Schleswig-Holstein müssen die geschwächten Seehunde und Heuler bis zu 6 Stunden mit Autozug oder Fähre und Auto bis nach Friedrichskoog transportiert werden, was weder in Hinblick auf Effizienz (ökonomisch und therapeutisch) noch den Tierschutz Sinn macht. Die unterzeichnenden Vereine, Verbände, Organisationen und Gruppen bitten Sie mit diesem Schreiben eindringlich, das Seehundmanagement in Schleswig-Holstein zu überarbeiten. Mit der Bitte um Rückmeldung verbleibe ich mit freundlichen Grüßen, Bettina Jung Mitgründerin & Sprecherin der Initiative ETHIA
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