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Menschenrechtsverteidiger Tulawie in Gefahr - Human Rights Defender Tulawie at Risk

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Drop all fabricated charges against human rights defender Temogen »Cocoy« Tulawie!
*ENGLISH VERSION BELOW*

Wir fordern die ehrenwerte Richterin Grace Capacillo Tillah und die Staatsanwältin Annie Marie Pierreangeli Ledesma vom 3. Bezirksgerichts in Jolo, Sulu auf, die willkürlichen und konstruierten Anklagepunkte gegen Temogen »Cocoy« Tulawie fallen zu lassen. Unter der strafrechtlichen Fallnummer 2216-3 wird Tulawie fälschlicherweise die „Entführung und schwere Freiheitsberaubung nach Artikel 267 des revidierten Strafgesetzbuchs“ vorgeworfen.

Des Weiteren bitten wir den Regionaldirektor der Menschenrechtskommission, Frederick Ian S. Capin, in Zamboanga City, eine Fact Finding Mission durchzuführen, um die falschen Anschuldigungen zu untersuchen und Empfehlungen an das Justizministerium zu geben, wie die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen sind.

Darüber hinaus möchten wir den Präsidenten der Republik der Philippinen, das Justizministerium, den Obersten Gerichtshof der Philippinen, die Philippinische Nationalpolizei, die Streitkräfte der Philippinen, den Philippinischen Kongress und die Menschenrechtskommission daran erinnern, ihren rechtlichen Pflichten nachzukommen, die Menschenrechte wirksam zu achten, zu schützen und zu fördern, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die anhaltende Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen auf den Philippinen zu beenden.

Die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen wird häufig von staatlichen als auch nicht-staatlichen Stellen dazu verwendet den friedlichen Kampf für Menschenrechte zu unterbinden und die Menschenrechtsverteidiger*innen zum Schweigen zu bringen. Der Fall von Temogen „Cocoy“ Tulawie steht hier als ein Beispiel für diese systematische Form der Repression:

Temogen „Cocoy“ Tulawie ist ein philippinischer Menschenrechtaktivist aus der südlichen Provinz Sulus. Er ist Vorsitzender des regionalen Büros des „Consortium of Bangsamoro Civil Society“ (CBCS) und Gründer der lokalen Menschenrechtsorganisation „Bawgbug“. Tulawie setzt sich für den friedlichen politischen Kampf und die Menschenrechte ein und stellt sich gegen die staatliche Korruption in einer Region, in der Konflikte die Neigung haben mit Gewalt ausgetragen zu werden. Tulawie hat es durch seine Arbeit geschafft in der Region große Gruppen zu mobilisieren, die gegen die politischen Maßnahmen des Regionalgouverneurs demonstrierten, welche die Rechte auf Privatsphäre eingeschränkt und die Lebensgrundlage vieler Menschen bedroht hätten. Dieser friedliche Einsatz hat schließlich dazu geführt, dass Tulawie für dreieinhalb Jahre inhaftiert wurde. 2015 wurde er von allen Anklagepunkten freigesprochen und freigelassen, jedoch ohne eine Form der Entschädigung, weder für seine Inhaftierung, noch für die Prozesskosten, zu erhalten. Die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen.

Seit Mai 2017 sieht sich Tulawie erneut mit einer Anklage konfrontiert. Nachdem er im Büro des Präsidenten eine Petition eingereicht hatte, um die Staatsanwältin Annie Marie Pierreangeli P. Ledesma aus Gründen der „Unehrlichkeit, des Verrats des öffentlichen Vertrauens und schweren Fehlverhaltens“ aus dem Amt zu entheben, reichte Ledesma eine Gegenklage ein, die Tulawie der Entführung des deutschen Journalisten Andreas Lorenz vom SPIEGEL-Magazin durch die Abu Sayyaf im Jahr 2000 bezichtigt.

Diese Anschuldigungen entziehen sich jeglichen Tatsachen. Lorenz wurde entführt, während er über die Entführung der deutschen Wallert-Familie durch die Abu Sayyaf von der malaysischen Insel Sipadan berichtete. Der amerikanische Fotojournalist David McIntyre bestätigt, dass Tulawie „dabei geholfen hat Informationen zu bestätigen, den Kontakt zu den Geiseln zu ermöglichen und Waren sowie Nachrichten zu und von den Geiseln zu bringen“. Der Auslandskorrespondent des SPIEGEL-Magazins, Olaf Ihlau, erklärte: „Der Vorwurf, Cocoy habe Lorenz entführt, ist absurd.“

Diese jüngsten Anklagen gegen Tulawie sind willkürlich und konstruiert. Sie zielen nur darauf ab, seinen politischen Aktivismus zu beenden.

Neben der Diskreditierung als Mitglieder der Abu Sayyaf, kennt die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen auf den Philippinen noch viele andere Wege. Konstruierte Anklagen, Verhaftungen ohne Haftbefehl und der Missbrauch von sogenannten John-Doe-Haftbefehlen, um Personen willkürlich in die Liste der Verdächtigen aufzunehmen, sind weitere häufige Missbräuche der staatlicher Vorschriften und Regelungen. In vielen Fällen werden Prozesse über mehrere Jahre hinweg systematisch verlängert, oft mit eindeutigem Mangel an Beweisen. In den meisten Fällen werden diese und andere Kriminalisierungsformen eingesetzt, um Menschenrechtsarbeit zu verhindern.

Die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen verletzt nicht nur grundlegende Rechte der Einzelnen, sondern untergräbt auch die Rechtsstaatlichkeit und behindert die Entwicklung einer aktiven Zivilgesellschaft auf den Philippinen.

„Einzelpersonen, Gruppen, Institutionen und nichtstaatliche Organisationen spielen eine wichtige Rolle und tragen eine Verantwortung beim Schutz der Demokratie, bei der Förderung der Menschenrechte und Grundfreiheiten und bei der Unterstützung der Förderung und des Fortschritts demokratischer Gesellschaften, Institutionen und Prozesse“ – Article 18 (2), UN Declaration on Human Rights Defenders (DE - A/RES/53/144)

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We call upon the Honorable Judge Grace Capacillo Tillah and Public Prosecutor Annie Marie Pierreangeli Ledesma of the Regional Trial Court Branch 3, Jolo, Sulu to drop the arbitrary and fabricated charges against Temogen »Cocoy« Tulawie. Under criminal case number 2216-3, Tulawie has been falsely accused of »Kidnapping and Serious Illegal Detention penalized under Article 267 of the Revised Penal Code«.

We also ask Regional Director Frederick Ian S. Capin of the Commission on Human Rights (CHR) in Zamboanga City to conduct a thorough fact finding mission to dismantle the nature of these false charges and provide recommendations to the Department of Justice (DOJ) to hold the responsible persons accountable.

Furthermore, we would like to remind the President of the Republic of the Philippines, the Department of Justice, the Philippine Supreme Court, the Philippine National Police, the Armed Forces of the Philippines, the Philippine Congress and the Commission on Human Rights (CHR) of their legal obligations to respect, to protect and to fulfil human rights and urge them to take effective measures to put an end to the continuing criminalization of human rights defenders (HRD) in the Philippines.

Criminalization is a tool that state and non-state actors often resort to in order to silence HRD for their peaceful struggle for human rights. This case stands representative for this systematic form of repression:

Temogen »Cocoy« Tulawie is a Philippine human rights activist from the southern province of Sulu, the leader of the regional bureau of the Consortium of Bangsamoro Civil Society (CBCS) and the founder of the local human rights organization Bawgbug. In his activism, Tulawie promoted peaceful political struggle and human rights and opposed state corruption in a region prone to violent conflict. Throughout his work, Tulawie was able to mobilize large groups of local people demonstrating against political measures by the regional governor that would have threatened the rights to privacy and the people’s livelihoods. Cocoy Tulawie’s peaceful struggle led to his incarceration and imprisonment for three and a half years. He was acquitted of all charges in 2015, but the Philippine justice system left him without any form of compensation or support for his litigation costs. The responsible persons were never held accountable for their illegal actions.

Since May 2017, Tulawie faces yet another charge placed against him. After Tulawie had filed a petition at the Office of the President to remove State Prosecutor Annie Marie Pierreangeli P. Ledesma from office on grounds of dishonesty, betrayal of public trust and grave misconduct Ledesma filed a counter-charge against Tulawie for the kidnapping of the German journalist Andreas Lorenz of the SPIEGEL-magazine by the Abu Sayyaf in 2000.

These accusations are devoid of facts. Lorenz was kidnapped while covering the abduction of the German Wallert family from the Malaysian island of Sipadan by the Abu Sayyaf. The American photo-journalist David McIntyre testified that Tulawie »was there to help us verify information, facilitate contact with the hostages and help us bring in goods and messages to and from the hostages«. The SPIEGEL-magazine’s foreign correspondent Olaf Ihlau also stated that »the accusation that Cocoy kidnapped Lorenz is absurd«.

The recent charges filed against Tulawie are arbitrary and fabricated, only aiming at bringing his political activism to an end.

However, criminalization of HRD in the Philippines does not end with discrediting them as members of the Abu Sayyaf. Other misuses of state regulations involve fabricated charges, warrantless arrests and the misuse of John Doe-warrants to arbitrarily add individuals to the list of suspects. In many cases trials are being systematically prolonged over periods of several years, often with a clear lack of evidence. More often than not these and other forms of criminalization are employed in interconnection to prevent human rights work.

The criminalization of human rights defenders does not only violate basic rights of individuals, but also undermines the rule of law and hinders the development of an active civil society in the Philippines. »Individuals, groups, institutions and non-governmental organizations have an important role to play and a responsibility in safeguarding democracy, promoting human rights and fundamental freedoms and contributing to the promotion and advancement of democratic societies, institutions and processes« (Article 18 (2), UN Declaration on Human Rights Defenders).

 



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