Kampanya güncellemesiALTERSARMUT 43%Rente ist zu wenig !Änderung des GG 12a-wie es die AEMR in Art. 23 besagen"Ich will nicht infiziert sein und arbeiten müssen"
Marko KielingAL, Almanya
31 Mar 2020

Nina Böhmer muss Mundschutz und Kittel mehrfach benutzen und soll auch dann pflegen, wenn sie infiziert ist. Die Krankenschwester fordert mehr als nur ein Danke.

Das Robert-Koch-Institut hat seine Empfehlungen für das Krankenhauspersonal angepasst: "Medizinisches Personal muss künftig nach Kontakt zu COVID-19-Erkrankten nicht mehr so lange in Quarantäne und darf bei dringendem Bedarf in Klinik oder Praxis arbeiten, solange keine Symptome auftreten", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Hier erzählt die 28-Jährige Krankenschwester Nina Böhmer aus Berlin, welche Sorgen ihr das bereitet und weshalb ihr Danksagungen nur wenig helfen.

Bis vor Kurzem war ich unsichtbar, kaum jemand hat über meinen Beruf gesprochen. Ich bin Krankenschwester in einem Berliner Krankenhaus. Jetzt in der Krise sagen plötzlich alle uns Pflegefachkräften Danke. Minister, Prominente und auch Patienten. Ich bin gerührt, wenn ich sehe, dass sich abends Menschen auf Balkonen versammeln und für uns applaudieren. Endlich werden wir gesehen, werden sogar als systemrelevant bezeichnet. Und doch fühle ich mich alleingelassen. Kaufen kann ich mir von all dem nichts.

Jeden Tag scheint es schlimmer zu werden. Erst hieß es, dass genug Schutzmaterial da sei und die Politik mehrere Millionen Masken bestellen würde. Jetzt sollen wir Krankenschwestern ein und denselben Mundschutz und auch unsere Schutzkittel für mehrere Patienten benutzen. Andere Kolleginnen aus ganz Deutschland berichten mir, dass sie sogar benutzte Schutzkleidung waschen und zum Trocknen aufhängen. Das gefährdet uns. Überall sehe ich nun, wie Anleitungen verschickt werden, wie man sich einen Mundschutz selber basteln kann. Mich macht wütend, dass sich gerade Privatpersonen derart mit Schutzausrüstung eindecken und für uns keine mehr da ist. Vor allem, wenn ich daran denke, dass vermutlich Patienten und Besucher unseren Mundschutz geklaut haben.

Danke dafür.

Anstatt uns jetzt gut auf die Krise vorzubereiten, erleben wir, wie alles, für das wir uns bisher eingesetzt haben, ausgesetzt wird. Die Personaluntergrenzen gelten nicht mehr, dabei hat Jens Spahn sie gerade erst eingeführt. Sie sollten garantieren, dass wir nicht in enormer Unterbesetzung arbeiten und dafür sorgen, dass wir notfalls Betten oder Stationen schließen, um nicht unsere Gesundheit auf Dauer zu gefährden. In der Krise ist plötzlich egal, wenn eine Pflegekraft alleine für 40 Patienten zuständig ist. 

Danke auch dafür. 

Und jetzt sollen wir auch noch weiterarbeiten, wenn wir uns mit Sars-CoV-2 infizieren, wenn wir also selbst an dem Virus erkranken und keine Symptome spüren. Zumindest solange wir noch nicht positiv getestet wurden. Wir müssen dann nicht mehr lange in Quarantäne, sondern arbeiten, als wäre nichts geschehen. So empfiehlt es seit dieser Woche das Robert Koch-Institut. Also ausgerechnet diejenigen, die Kontaktsperren befürworten und dafür sorgen wollen, dass alle Infizierten zu Hause bleiben. Ich will nicht infiziert sein und arbeiten müssen. Ich will nicht auf einem Feldbett im Krankenhaus schlafen und dort in einer riesigen Quarantäne pflegen müssen. Vor allem nicht, wenn es nicht ausreichend Schutzmaterial gibt. Ich mache mir wenig Sorgen um mich, sondern will keine Gefahr für ältere Patienten, für die Schwerkranken, die wir behandeln, und auch für meine Kolleginnen sein.

Nochmals: Danke!

Wenn ich die Bilder aus Spanien, Italien, Frankreich und nun auch den USA sehe, macht mir das große Sorgen. Gerade kursiert in meinem Umfeld eine Nachricht, wonach eine 34-jährige Krankenschwester aus der Lombardei Selbstmord begangen haben soll. Sie wurde positiv getestet, konnte nicht mehr mit dem hohen Arbeitsdruck und der Angst, andere anzustecken, umgehen. Ich will nicht, dass wir auch hier mit ähnlichen Situationen zu kämpfen haben. 

Noch ist es ruhig, viele sprechen von der Ruhe vor dem Sturm. Operationen wurden abgesagt, unwichtige Behandlungen werden verschoben. Doch wenn der Sturm die Tage kommt, befürchte ich, dass man uns Krankenhauspersonal damit alleine lässt. 

Bleibt nur zu hoffen, dass wir auch nach der Krise nicht vergessen werden. Dann ist die Zeit gekommen, um die Danksagungen in wirkliche Verbesserungen zu übersetzen. Wir brauchen bessere Löhne, mehr Kollegen aus dem Ausland und die Rückkehr vieler Pflegerinnen und Pfleger, die ihren Beruf wegen der schlechten Arbeitsbedingungen aufgegeben haben. Wir brauchen Krankenhäuser und Stationen, die gut ausgestattet sind. Denn auch nach der Krise wird die Zeit für uns eine besonders intensive. Dann werden all die Operationen und Behandlungen durchgeführt, die jetzt verschoben wurden. Zusätzlich zu den Notfällen, die ohnehin immer sofort behandelt werden müssen. Dann werden wir sehen, was die Danksagungen wirklich wert sind.

27. März 2020

Quelle: Zeit Online

https://www.zeit.de/arbeit/2020-03/krankenschwester-coronavirus-arbeitsbedingungen-infektion-schutz

 

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