
Deutschland ist nicht ohne Grund als "oberlehrerhaft" verschrien. Gerne erklären wir dem Rest der Welt, dass er sich an Verträge zu halten hat. Dabei ist gerade Deutschland ein "Weltmeister" im Regel-Brechen. Statt, wie bei der Einführung des Euro vereinbart, für stabiles Lohnwachstum und Inflation entsprechend der Produktivitätsentwicklung zu sorgen, spart und geizt Deutschland, wo es nur geht. Die Folge: deutsche Produkte sind gut - und vor allem preiswert. Ausländische Anbieter, wie französische Autozulieferer setzt das noch mehr unter Druck. Niedrige Mindestlöhne und zu geringe staatliche Investitionen hierzulande kosten dort Arbeitsplätze. Die Zeche zahlen deutsche Niedriglöhner und ein wachsendes Arbeitslosenheer in anderen EU-Ländern.
Prof. Gustav Horn, Konjunkturforscher, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung
"Bei der Lohnentwicklung, die wir hatten, war die deutsche Maschine zu billig im Vergleich zur italienischen oder auch französischen Maschine. Das Ergebnis war: die Amerikaner beispielsweise haben die deutschen Maschinen gekauft und italienische nicht. Und das hat natürlich Konsequenzen für das, was produziert wird in den einzelnen Ländern. In Deutschland wurde die Maschine produziert - in Italien nicht."
Wieviel Arbeitsplätze sind betroffen? Für Frankreich hat das in Paris der Leiter des staatlichen Instituts für Konjunkturforschung erstmals ausgerechnet: Rund 400.000, allein in Frankreich!
Xavier Ragot, Französisches Institut für Konjunkturforschung
"Nimmt man dieses Auseinanderdriften der Löhne, kann man berechnen, dass die deutsche Lohnzurückhaltung Frankreich Marktanteile gekostet hat, in einer Größenordnung von 400.000 Arbeitsplätzen. Ein solcher Überschuss ist auf die Dauer nicht hinnehmbar. "
Doch Kritik prallt an der Kanzlerin seit Jahren ab: US-Präsident Obama hat auf sie eingeredet, genauso der Franzose Hollande, der Italiener Renzi, die IWF-Chefin Lagarde – jetzt droht Präsident Trump Deutschland - mit Strafzöllen, auch auf deutsche Autos
Trump
"Es geht nicht, dass wir ein Handelsbilanzdefizit von 151 Milliarden Dollar haben. Wir werden das zurückdrehen, wir werden dafür sorgen, dass die Situation wieder fair wird."
"There is no way that we should have a trade deficit of 151 Billion Dollars. So we are going to make it reciprocal, we are going to make it a much more fair situation"
Selbst der an sich freundlich gesinnte französische Präsident wies Angela Merkel zurecht.
Emmanuel Macron
"Wir können in Deutschland keinen ständigen Fetischismus für Haushalts- und Handelsüberschüsse haben – die gehen nämlich immer auf Kosten anderer"
Die Rechnung haben schon Patrice Betuzzi und seine Kollegen bezahlt. Sie trainieren nun, Bewerbungen zu schreiben, für Arbeitsplätze, die es nicht mehr gibt.
Und die Rechnung bezahlen deutsche Arbeitnehmer wie der Industriemechaniker Daniel Grüneke - mit 12,50 € pro Stunde als Leiharbeiter.
Tagesschau
"Waren aus Deutschland sind im Ausland gefragt wie nie zuvor."
"Überschuss in der Handelsbilanz."
"Deutschland führt seit Jahren mehr aus als es einführt".
Und genau das ist das Problem: weil Deutschland weit mehr exportiert als es im Ausland einkauft, entsteht der sogenannte Leistungsbilanzüberschuss: 287 Milliarden Euro betrug er im letzten Jahr, der größte der Welt.
Mit diesem gigantischen Überschuss gefährde Deutschland die Stabilität der gesamten Weltwirtschaft, so die scharfe Kritik der Chefin des Internationalen Währungsfonds.
Der Konjunkturforscher Prof. Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie geht noch weiter: Deutschland ruiniere die Industrie unserer europäischen Nachbarn.
Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister, 22.3.2018
"Ich habe auch überall in Europa gesagt: ein deutscher Finanzminister ist ein deutscher Finanzminister, egal welches Parteibuch er hat und ich glaube, die Botschaft ist gut angekommen".
Und so setzt Deutschland mit jedem Tag den Zusammenhalt der EU weiter aufs Spiel.
23.08.2018
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