
Die Reichen werden in Deutschland immer Reicher. Das zeigt eine Studie der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam. Warum das so ist und wie die Politik gegensteuern kann.
Die Kluft zwischen Armen und Reichen in der Welt ist der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam zufolge im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Oxfam beruft sich auf eine Studie, die anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos in Kenias Hauptstadt Nairobi vorgelegt wurde.
Ungerechte Besteuerung Grund für Ungleichheit
Demnach stiegen die Vermögen der Milliardäre 2018 um zwölf Prozent. Dagegen habe es bei der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung einen Rückgang um elf Prozent gegeben. Die Autoren führten dies insbesondere auf eine aus ihrer Sicht ungerechte Besteuerung zurück.
Hier würden die Armen doppelt benachteiligt, sagt die Geschäftsführerin von Oxfam International, Winnie Byanyima. So müssten sie zum einen eine relativ höhere Steuerlast tragen als die Reichen und zum anderen unter den Auswirkungen der zunehmenden Unterfinanzierung staatlicher Dienstleistungen leiden. Byanyima wirft den Regierungen mangelhafte Bemühungen im Kampf gegen Steuerhinterziehung vor. Außerdem seien die Steuersätze für Reiche und Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten gesenkt worden. Die Belastungen würden durch höhere Verbrauchssteuern verstärkt auf die ärmeren Schichten abgewälzt.
Deutsche Milliardäre steigern Vermögen um 20 Prozent
Oxfam warnt zudem, die Schere zwischen Arm und Reich verstärke die Spaltung in der Gesellschaft. "Das Problem der wachsenden sozialen Ungleichheit ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit", sagt Jörn Kalinski, Leiter Entwicklungspolitik von Oxfam Deutschland. Sie biete einen Nährboden für gefährliche Entwicklungen wie Rechtspopulismus und aggressiven Nationalismus.
26 Milliardäre besäßen genauso viel wie die ärmere Häfte der Weltbevölkerung, kritisiert Byanyima. Das Vermögen von Amazon-Chef Jeff Bezos, dem reichsten Mann der Welt, sei 2018 auf 112 Milliarden Dollar angewachsen. Das Gesundheitsbudget Äthiopiens entspricht demnach einem Prozent seines Vermögens.
Hierzulande steigerten die Milliardäre ihr Vermögen im vergangenen Jahr um 20 Prozent, wie aus dem Bericht hervorgeht. Insgesamt verfüge das reichste Prozent der Bevölkerung über ebenso viel Vermögen wie die 87 ärmeren Prozent. Damit zähle Deutschland zu den Industrienationen mit der größten Vermögensungleichheit. Mit 15,8 Prozent liege die Armutsquote auf dem höchsten Stand seit 1996, jedes fünfte Kind sei von Armut betroffen. Frauen verdienten im Durchschnitt 21,5 Prozent weniger als Männer; schlechter sei die Lage in der EU nur in Estland und Tschechien.
Oxfam: Mindestlohn muss erhöht werden
Zur Bekämpfung der Ungleichheit in Deutschland fordert Oxfam eine Erhöhung des Mindestlohns. "Der Mindestlohn ist zu niedrig, gerade in Ballungszentren", sagt Referentin Ehmke. So ließen sich etwa die stark steigenden Mieten mit dem derzeitigen Satz von 9,19 Euro pro Stunde nicht mehr bezahlen.
21.01.2019
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