
München – Verdeckte Armut taucht in keiner amtlichen Statistik auf. Dennoch ist sie da, breitet sich immer mehr aus.
-Verdeckte Armut gibt es offiziell nicht. Wie kommt das?
Irene Götz: Viele Bedürftige, vor allem Frauen, wollen ihre Armut nach außen nicht zeigen. Sie sparen also nach innen: Selbst im tiefsten Winter drehen sie die Heizung ab, es werden zu Hause Tomatenpflanzen gezüchtet, um kein Geld ausgeben zu müssen, und einige kochen sogar Krautwickerl aus Essensresten, die sie vorm Supermarkt finden. All das sind wahre Geschichten, die uns Betroffene für ein Forschungsprojekt erzählt haben. Natürlich anonym, die Scham ist ja viel zu groß. Diese Form der Armut ist längst in der Mittelschicht angekommen. Denn: Selbst wer 45 Jahre gearbeitet hat, kann heute nicht automatisch von seiner Rente leben.
Lydia Staltner: Das kann ich nur bestätigen! Besonders die nächste Generation von Rentnern wird es zu spüren bekommen. Selbst wer 45 Jahre ohne Ausfallzeit 3000 Euro brutto pro Monat verdient hat, kann heute mit einer Nettorente von rund 1120 Euro rechnen. Mindestens 700 Euro gehen für die Miete drauf. Es bleiben höchstens 420 Euro zum Leben. Das ist Grundsicherungsniveau. Kommen in dieser Situation unvorhergesehene Kosten auf den Rentner zu, wie eine kaputte Waschmaschine oder ein defekter Kühlschrank, sind häufig keine finanziellen Mittel für Neuanschaffungen vorhanden.
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Aktualisiert: 30.09.18
Quelle:
Merkur.de