Petition updatePRO ERHALT DES RAVENSBURGER KONTAKTLADENS "DIE I N S E L"
Erster Erfolg für Gäste und Besucher des Kontaktladens

Stefan Weinert88212 Ravensburg, Germany
7 Nov 2016
Liebe Unterzeichner*innen dieser Petition, wer oder was letztendlich ausschlaggebend für die weitere Öffnung der INSEL war und ist, soll nicht entscheidend sein. Womöglich haben wir dazu beigetragen und wir sollten dranbleiben, damit a. der Kontaktladen in vollem Umfang und b. für die nächsten Jahre geöffnet bleibt. Jedenfalls bedanke ich mich persönlich und auch im Namen der LINKEN für jede Unterschrift. - Stefan Weinert
Die "Schwäbische" schreibt:
Ravensburg sz Der Kontaktladen in der Ravensburger Rosmarinstraße bleibt über das Jahresende hinaus geöffnet. Eine Mindestbetreuung Schwerstdrogenabhängiger, die nicht therapiert werden, wird zunächst bis zum Jahresende 2017 dort weiter gewährleistet. Das ist das Ergebnis eines runden Tischs, zu dem der Landkreis Organisationen des Suchthilfenetzwerks eingeladen hatte.
Bereits seit einigen Wochen war der Kontaktladen nur eingeschränkt geöffnet. Nachdem die Auflösung der Trägergesellschaft Suchthilfe gGmbH zum Jahresende beschlossen worden war, drohte auch dem Kontaktladen das Aus. Sämtliche Gesellschafter, auch bereits ausgeschiedene, waren auf Einladung des Landkreises jetzt am runden Tisch zusammengekommen, außerdem die Stadt Ravensburg, der Dornahof, Streetworker und die Substitutionspraxis Matschinski. An zwei bis drei Tagen pro Woche soll der Kontaktladen mit einem „Mindestangebot“ auch im kommenden Jahr weiter geöffnet bleiben, fasst Sozialdezernentin Diana Raedler das Ergebnis zusammen. Die hygienische Grundversorgung und dr Spritzentausch sei dadurch weiterhin gewährleistet.
„Die Alternative wäre gar kein Angebot gewesen“, so Raedler. Allerdings sei der Kontaktladen auch keine Selbstverständlichkeit, betont sie: „Nicht jeder Landkreis hat so ein Angebot“. Tatsächlich gibt es in Baden-Württemberg nur zwölf weitere Kontaktläden, von denen zwei in Trägerschaft von Landkreisen sind (Ulm und Schwäbisch Gmünd). Im Bereich der Suchthilfe sei es zwar nur ein kleines Angebot, für das sich aber niemand wirklich zuständig fühle, sagt die Kreissozialdezernentin. Deshalb sei es wichtig, eine gemeinsame Lösung zu finden. Insbesondere die Stadt Ravensburg als Standortkommune wollte Raedler mit im Boot haben. Bürgermeister Blümcke, der die Stadt Ravensburg am runden Tisch vertrat, verweist auf das Sozialgesetzbuch, wonach die Suchthilfe originäre Aufgabe des Landkreises sei.
Einig sind sich Raedler und Blümcke, dass der Standort an der Rosmarinstraße erhalten bleiben soll. Und Einigkeit bestehe auch darüber, dass der Bedarf weiter besteht. „Wir können diese Menschen nicht noch in ein weiteres Gesundheitsrisiko rauschen lassen“, betont Blümcke. Der Kontaktladen soll laut Raedler mit zwei Fachkräften besetzt werden. Über Einzelheiten des künftigen fachlichen Konzepts werde jetzt eine kleinere Arbeitsgruppe beraten.
Mit Erleichterung hat Beate Stör die Nachricht über den Erhalt des Kontaktladens vernommen: „Am Anfang hatte ich einen Horror, das fällt komplett weg.“ Die Vorsitzende des Elternkreises in Leutkirch, deren Sohn seit vielen Jahren opiatabhängig ist, weiß das Angebot zu schätzen: „Der Kontaktladen ist so wichtig als Anlaufstelle, in der sie als Menschen angenommen und nicht als Objekte behandelt werden.“ Wegen der drohenden Schließung des Kontaktadens hatte sich Beate Stör auch schon direkt an den Landrat gewandt: „Für manche könnte das Fehlen dieser niederschwelligen Hilfe zum Todesurteil werden. Diese Einrichtung ist so ungeheuer wichtig. Es betrifft doch gerade die, die bisher noch nicht so weit waren, sich auf andere Hilfsangebote einzulassen.“ Im Landkreis Ravensburg seien im vergangen Jahr vier Menschen, im Bereich der Polizeidirektion Konstanz 13 an den Folgen ihrer Suchterkrankung gestorben.
Petition gegen Schließung
Auch der Leiter der Kriminalpolizei, Uwe Stürmer, hatte eindringlich vor der Schließung des Kontaktladens gewarnt. Dies führe wieder zu einer verstärkten Bildung einer offenen Drogenszene in Ravensburg und einem erhöhten Gesundheitsrisiko durch verunreinigte Spritzen. Genau 252 Unterschriften hat die Partei Die Linke seit 15. Oktober für ihre Petition gegen die Schließung gesammelt.
Die Statistik des Kontaktladens weist für 2015 einen durchschnittlichen Besuch von 28 Personen pro Tag aus, seit 2011 ist diese Tendenz steigend. Insgesamt kamen 371 verschiedene Klienten, wovon rund 330 drogenabhängig sind. 110 Besucher kamen aus den Kreisgemeinden Ravensburg, 81 aus der Stadt Ravensburg, 40 aus Weingarten und 23 aus dem Bodenseekreis. Von 76 kennt man die Herkunft nicht. 2015 wurden 4090 beratende Gespräche geführt und 3503 Injektionsmaterialien ausgetauscht. In diesem Zeitraum wurde 338-mal Kleider aus der Kleiderkammer ausgebeben. Innerhalb der Räumlichkeiten ist es verboten, Rauschmittel in Form von illegalen Drogen, Medikamenten oder Alkohol zu konsumieren und mit diesen zu handeln. Der Kontaktladen wurde vor 20 Jahren eröffnet. Träger waren die Anode, das ZfP, der Landkreis, der Evangelsiche Kirchenbezirk, die Zieglerschen und die Caritas.
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